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Ski Alpin : Martina Ertl: In der Heimat auf dem Tiefpunkt

  • Aktualisiert am

Rückfall: Martina Ertl Bild: dpa

Drei Wochen vor Beginn der Olympischen Winterspiele steckt Skirennfahrerin Martina Ertl in der tiefsten Krise ihrer Karriere.

          Schlimmer gehts nimmer: Drei Wochen vor den Olympischen Spielen ist Ski-Rennläuferin Martina Ertl völlig von der Rolle. Zwölf Monate nach dem Gewinn der Goldmedaille in der Kombination bei der WM in St. Anton erreichte die Lenggrieserin ausgerechnet beim Heimrennen in Berchtesgaden endgültig den Tiefpunkt ihrer Karriere.

          Beim Weltcup-Riesenslalom am Götschen verfehlte die 27-Jährige mit einem indiskutablen Rückstand von 4,05 Sekunden als 64. (!) den zweiten Lauf und denkt nun daran, vor der Abreise nach Salt Lake City eine schöpferische Pause einzulegen.

          Blamage erzürnt Wolfgang Maier

          „Das war eine der größten Enttäuschungen meiner Karriere“, bekannte Damen-Cheftrainer Wolfgang Maier, der nicht nur Ertl eine „katastrophale“ Leistung attestieren musste: Alle sechs gestarteten deutschen Läuferinnen verfehlten das Finale. „Für ein Heimrennen ist das blamabel, das ist absolute Kacke, da braucht man auch gar nichts zu beschönigen“, sagte der Bundestrainer.

          Vor allem aber die Fahrt seiner einstigen „Vorläuferin“ Ertl war ihm unbegreiflich: „Ich bin da gestanden und habe mir gedacht, das gibt es doch gar nicht. Das war echt die Krönung.“

          Michaela Dorfmeister unerreicht

          Die wahre „Königin“ auf der „Loipl“-Piste war allerdings die Österreicherin Michaela Dorfmeister. In 2:24,32 Minuten gelang der Abfahrts-Weltmeisterin der zweite Saisonsieg. Rang zwei belegte die unerwartet starke Norwegerin Stina Hofgard-Nilsen (2:25,33) vor der Kanadierin Genevieve Simard (2:25,43), die mit der hohen Startnummer 46 ins Rennen gegangen war. Durch ihren elften Weltcup-Sieg übernahm die 28-Jährige Dorfmeister auch die Führung im Gesamtweltcup von der Schwedin Anja Paerson.

          Martina Ertl hatte unterdessen Mühe, ihre Gefühle in Worte zu fassen. „Das war heute schon katastrophal“, räumte sie ein, doch die Frage, warum sie ausgerechnet im Olympiawinter das Skifahren verlernt zu haben scheint, konnte sie nicht beantworten: „Es ist nicht nur der Kopf, es ist auch das Skifahrerische.“

          Verkrampft und verunsichert

          Will heißen: Die Lenggrieserin ist völlig verunsichert, verkrampft und fällt außerdem immer wieder in eine längst überholte Technik zurück. Ein Teufelskreis. Wie sie ihn verlassen soll, weiß Ertl erst recht nicht: „Ich bin ratlos, mir fehlen die Worte.“

          Um bis Olympia noch zu retten, was womöglich schon gar nicht mehr zu retten ist, will Ertl ihr Programm nun umstellen: Die Rennen in Cortina d'Ampezzo und/oder Are an den kommenden beiden Wochenenden möchte sie auslassen und lieber trainieren. Auch Cheftrainer Maier hält das „für sinnvoll“. Zugleich scheint er mit seiner ehemaligen Musterschülerin, die für ihren Ehrgeiz ebenso bekannt ist wie für ihren Dickschädel, aber langsam die Geduld zu verlieren. „Was hilft einem das ganze Einzeltraining, wenn man nichts daraus zieht.“

          Vorwürfe und Vermutungen

          Der indirekte Vorwurf: Ertl lässt sich nichts sagen - und nicht helfen. Schwach auch das Abschneiden der anderen deutschen Läuferinnen. Hilde Gerg (Lenggries) verfehlte als 31. des ersten Laufs den zweiten Durchgang um 0,11 Sekunden, nutzt den Riesenslalom allerdings nur als eine Art „Bewegungstherapie“ für ihr Spezialdisziplinen Abfahrt und Super-G.

          Trotzdem war die 26-Jährige noch die Beste in einer schlechten deutschen Mannschaft: Hinter Gerg erreichten auch Maria Riesch (Partenkirchen/35.), Annemarie Gerg (Lenggries/36.), Kathrin Hölzl (Bischofswiesen/49.) und die mit Ertl zeitgleiche Petra Haltmayr (Rettenberg) nicht einmal den zweiten Lauf und damit das Minimalziel.

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