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Ski alpin : Hilde Gerg Zweite, Maria Riesch Dritte

  • Aktualisiert am

Hilde Gerg, Renate Götschl, Maria Riesch Bild: dpa/dpaweb

Bei der Weltcup-Abfahrt in St. Moritz bestätigt Hilde Gerg ihre gute Form und bekommt auf dem Siegerpodest überraschend Gesellschaft von einer jungen deutschen Aufsteigerin, mit der kaum einer gerechnet hat.

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          Hilde Gerg hat bei ihrer Rückkehr in die Weltklasse überraschend Gesellschaft aus den eigenen Reihen bekommen. Während die Lenggrieserin bei der Weltcup-Abfahrt in St. Moritz ihre beeindruckende Serie von Spitzenresultaten mit Rang zwei fortsetzte, grüßte bei der Siegerehrung am Fuße des „verfluchten Berges“ völlig unerwartet und erstmals seit beinahe vier Jahren noch eine weitere Deutsche vom „Stockerl“: Maria Riesch raste am Piz Nair knapp hinter Renate Götschl (Österreich) und Gerg auf Rang drei und feierte mit dem besten Resultat ihrer Karriere den Durchbruch in die Weltspitze.

          Maria Riesch überraschte sich selbst

          Die 19 Jahre alte Partenkirchenerin konnte ihren Coup am Ziel der Piste „Corviglia“, auf der die DSV-Damen zehn Monate zuvor bei der WM eine Pleite nach der anderen erlebt hatten, vor Glück kaum fassen. „Ich bin total happy und überwältigt. Das ist der Wahnsinn, ich weiß gar nicht, was ich sagen soll“, sprudelte es aus der recht verdatterten Abiturienten heraus. Im vergangenen Winter hatte die hoch aufgeschossene Allrounderin zwar in der Kombinationswertung von Lenzerheide/Schweiz schon einmal Rang drei im Weltcup belegt, „doch das ist mein erster richtiger Stockerlplatz“.

          Mit Startnummer 31 kam Maria Riesch, die im Frühjahr ihr Abitur mit der Note 3,0 „gebaut“ hatte, die tückische „Corviglia“ heruntergeschossen und verfehlte die Zeiten von Götschl (1,39,78 Minuten), die ihren zweiten Saisonsieg feierte, sowie Gerg (1:39,95) in 1:39,97 nur um einen Wimpernschlag. Erwartet hatte sie eine derartige Leistung nicht, nachdem sie in den Trainingsläufen „zwei Pleiten“ erlebt hatte. Doch im Gegensatz zu den Rennen in Lake Louise zwei Wochen zuvor, wo sie mit der Trainingsbestzeit geglänzt hatte, konnte sich Riesch im Rennen diesmal steigern.

          „Das war ein richtig gutes Ergebnis“, freute sich auch der deutsche Alpinchef Walter Vogel, der bei Rieschs Zieldurchfahrt in spontanen Jubel ausbrach. Zugleich bemühte er sich allerdings, der deutschen Zukunftshoffnung den Erwartungsdruck zu nehmen. „Bei der Maria darf man jetzt nicht erwarten, daß sie konstant vorne ist, auch wenn sie das will.“ Dazu fehlt noch die Konstanz. Doch an der arbeitet Riesch nach Abschluß der Schule konsequent: Kurioserweise trainiert sie hauptsächlich Slalom und Riesenslalom, „da fährt man dann automatisch in der Abfahrt sauberer“.

          „Da will man sich nicht lumpen lassen“

          Der Aufwärtstrend von Maria Riesch in diesem Winter kommt auch Hilde Gerg entgegen. „Es ist schon gut, wenn jetzt die Jungen daherkommen und Druck machen. Da will man sich dann auch nicht lumpen lassen“, sagte die „Vorläuferin“ der schnellen DSV-Damen, die mit Rang zwei diesmal nicht ganz zufrieden war: „Der Weg ist der richtige. Aber Zweiter ist halt nicht immer schön.“ Die 28jährige hatte sich in St. Moritz ein wenig mehr erhofft, nachdem sie bei den Rennen in Lake Louise mit den Rängen zwei, fünf und drei ein eindrucksvolles Comeback nach ihrer Kreuzband-Operation im April gegeben hatte.

          Den möglichen Sieg unter strahlend blauem Himmel vergab Hilde Gerg im technisch anspruchsvollen Mittelteil der Strecke, auf der sie zehn Monate zuvor bei der WM-Abfahrt nur Rang 14 belegt hatte. „Da sind ein paar schwierige Kurven, und da habe ich die zweite ein bißchen verschlafen und das Rennen verloren. Das ist ärgerlich“, sagte die Lenggrieserin. Ein noch größeres Missgeschick unterlief der im Gesamtweltcup in Führung liegenden Anja Pärson: Die Schwedin hatte sich überraschend auf die Abfahrt gewagt, lag dann nach Trainingsbestzeit auch im Rennen bei allen Zwischenzeiten vorne, schied aber, den Sieg schon vor Augen, wenige Tore vor dem Ziel aus.

          So standen erstmals seit der Weltcup-Abfahrt im Januar 2000 im österreichischen Altenmarkt-Zauchensee wieder zwei deutsche Damen nach einem Rennen auf dem Siegerpodest: Damals hatten Regina Häusl (Bad Reichenhall) und Martina Ertl (Lenggries) Rang zwei und drei belegt. Ertl verzichtet in dieser Saison auf Abfahrtsläufe, Häusl befindet sich nach einem eher mäßigen Saisonstart offenbar auf dem Weg nach oben. In St. Moritz belegte die Abfahrts-Weltcupsiegerin 2000 Rang 13, knapp vor Isabelle Huber (Ruhpolding) auf Rang 15. „Diesmal hat uns der verfluchte Berg in Ruhe gelassen“, sagte Vogel erleichtert: „Diesmal waren die Verhältnisse im Gegensatz zur WM konstant für alle.“

          Unterdessen hat der Franzose Antoine Deneriaz die Ski-Großmacht Österreich gestoppt und die Weltcup-Abfahrt in Gröden/Italien überlegen gewonnen. In 1:52,99 Minuten verwies der 27 Jahre alte Vorjahressieger auf der eisigen Piste „Saslong“ die Österreicher Michael Walchhofer, Hans Knauss, Fritz Strobl, Hermann Maier und Stephan Eberharter auf die Plätze zwei bis sechs.

          25 Monate nach seiner schweren Knieverletzung gab Florian Eckert (Bad Tölz) sein Comeback im Skizirkus, begnügte sich aber mit einer reinen Sicherheitsfahrt. Der Sensationsdritte der WM-Abfahrt 2001 kam mit 4,89 Sekunden Rückstand ins Ziel. Max Rauffer (Leitzachtal) stürzte am ersten Sprung nach nur zehn Sekunden Fahrzeit; es besteht der Verdacht auf einen Kreuzbandriß.

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