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Ski Alpin : Deutsche Abfahrer: Angst vorm Scheitern

  • Aktualisiert am

Kitzbühel zu schwer für Rauffer&Co? Bild: AP

Die berüchtigte Abfahrt auf der Kitzbühler Streif wird ohne deutsche Beteiligung statt finden. Stankalla und Rauffer müssen um die Olympia-Teilnahme bangen.

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          Für die schwerste Abfahrtsstrecke der Welt sind die deutschen Skirennfahrer wieder einmal nicht gut genug. „Es ist bitter, dass keiner meiner Männer auf der Streif dabei ist“, sagte Cheftrainer Martin Oßwald vor dem 62.Hahnenkammrennen in Kitzbühel.

          Der Mann, der Markus Wasmeier formte, kritisiert die Erben des Doppel-Olympiasiegers hart: „Die Beißermentalität und der unbedingte Siegeswille fehlen. Wir sind an einer Grenze angelangt. Mehr ist nicht heraus zu holen.“ Ohne den verletzten WM-Dritten Florian Eckert, der die Misere hätte überspielen können, kommt das Abfahrtsteam im Olympia-Winter nicht in Schwung.

          Bad Wiessee statt Kitzbühel

          „Wir haben grundsätzlich nicht genügend Talente, um kontinuierlich in der Weltspitze mitfahren zu können. Und wir haben zu wenig Spitzenathleten“, sagt Alpinchef Walter Vogel über die schon lange anhaltende Krise. So scheuten die deutschen Abfahrer schon vor zwei Jahren die Mutprobe in Kitz. In diesem Jahr verzichtet der erst im Herbst operierte Max Rauffer Grippe geschwächt und mit schmerzendem Rücken entnervt auf einen Start beim Klassiker.

          Debütant Stefan Stankalla entging Mausefalle, Steilhang und Hausbergkante auf eher ungewöhnliche Art. Der ehemalige Junioren-Weltmeister verletzte sich beim Einfahren vor dem ersten Training am Wirbel. Statt beim großen Skifest in Tirol im Super-G am Freitag und der Hahnenkamm-Abfahrt am Samstag um das Olympia-Ticket zu kämpfen, wird das Duo in der Klinik in Bad Wiessee gehegt und gepflegt. „Es ist“, so Oßwald, „eine vernünftige Entscheidung.“

          Bisher nur ein Olympiaticket

          Der Trainerfuchs, der vor eineinhalb Jahren aus Norwegen zurückkehrte, um die deutschen Ski-Herren in Schwung zu bringen, übt aber auch Selbstkritik: „Kurzfristig bin ich gescheitert.“ Immerhin „vier bis fünf Burschen“, wollte der 51-Jährige nach Salt Lake City lotsen. Bisher hat es mit Slalom-Spezialist Markus Eberle nur ein einziger geschafft. Techniker Alois Vogl hat am Sonntag im Slalom die nächste Chance. Für Rauffer und Stankalla geht es bei den beiden Weltcup-Rennen im Super-G in Garmisch-Partenkirchen am nächsten Wochenende schon um alles oder nichts: „Wir haben“, verrät Oßwald, „alles auf eine Karte gesetzt.“ Im Vorjahr auf der Kandahar war Stankalla Fünfter, Rauffer Zehnter. Für das Olympia-Ticket würde einmal Platz acht oder zwei Mal Platz 15 reichen.

          "Von unter her was aufbauen "

          Oßwald, schon von 1982 bis 1994 Trainer der deutschen alpinen Skirennläufer, setzt auf die Zukunft. „Wir müssen von unten her etwas Neues aufbauen. In zwei Jahren hoffe ich, dass wir wieder in der Weltspitze mit dabei sind.“ Sein Vertrag läuft bis 2006 - er will ihn erfüllen. „Es geht zwar an die Substanz, an den Nerv, aber keiner kann sagen, dass der Oßwald mit hängendem Kopf herum läuft. Mein Ehrgeiz ist so groß, dass ich so nicht aufhören könnte. Ich will es wissen.“

          Vorbild beim Neuaufbau sind die deutschen Damen. „Seit 1970 sind sie am Drücker. Zwei bis drei Fahrerinnen sind immer vorne dabei, nehmen den Druck“, lobt Oßwald. Den Grund für die unterschiedliche Leistungsentwicklung sieht der Trainer in geschlechtsspezifischen Unterschieden: „Im für den Leistungssport kritischen Alter mit 16, 17, 18 Jahren sind die Mädels stabiler.“

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