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Simon Ammann : Dem Absturz folgt der Höhenflug

  • -Aktualisiert am

Doppel-Olympiasieger Simon Ammann: „Verrückte Woche” Bild: dpa

Entgegen der Regel hilft es manchmal, wenn man auf den Kopf fällt. Der Skispringer Simon Ammann ist ein Beispiel dafür. Ein Porträt.

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          Entgegen der Regel hilft es manchmal, wenn man auf den Kopf fällt. Simon Ammann ist ein Beispiel dafür.

          Am 11. Januar war er beim Training zum Ski-Weltcup in Willingen fürchterlich gestürzt, zog sich aber nur eine Gehirnerschütterung und Prellungen zu. „Das sah spektakulär aus“, grinst der 20-Jährige Schweizer heute: „Ich hab's mir ein paar mal angeschaut.“

          Die Auszeit half zum Erfolg

          Was ein Bruch seiner Karriere hätte werden können, war für ihn „nur ein Break“, eine Auszeit. „Ich habe den Sturz gut verdaut, konnte ausspannen und richtig Energie tanken. Die Pause war gar nicht so schlecht.“ Einen Monat nach dem Unfall ließ er sich erstmals wieder in der Szene blicken - zufällig bei den Olympischen Spielen - und gewann beide Wettbewerbe.

          Der Herr der Ringe: Doppel-Olympiasieger Simon Ammann

          Noch nie hatte er ein Weltcupspringen gewonnen, und nun ist er Doppel-Olympiasieger - die Heimat hat einen neuen Helden. In Unterwasser in der Ostschweiz haben sich alle Einwohner versammelt, um den zweiten Triumph „ihres Sohnes“ zu feiern. „Zum Glück sehe ich nicht, was zu Hause los ist“ sagt der verschmitzte Simon: „Ich bin froh, dass wir erst in zehn Tagen heimfahren.“

          Popularität für die Sportart nutzen

          Der innerhalb von vier Tagen zum „berühmtesten Schweizer Sportler“ empor geflogene Skispringer ist gar nicht so wild auf persönliche Popularität. „Wenn der Effekt meines Erfolgs ist, dass Skispringen in der Schweiz populär wird, bin ich zufrieden“, sagte er. Bisher gibt es in der Schweiz noch keine 120-Meter-Schanze. Jetzt soll eine gebaut werden. Das stand allerdings schon vor den Olympischen Spielen fest.

          Dass es einer Sportart in einem Land hilft, wenn sie einen Erfolgs-Springer hat, haben Martin Schmitt und später Sven Hannawald in Deutschland sowie Adam Malysz in Polen eindrucksvoll vorgeführt. In beiden Ländern brach Skisprungfieber aus.

          Walter Steiner seit 1972 das Schweizer Denkmal

          Die Eidgenossen als Volk der Skispringer? Der Tell-Tradition folgend müssten sie es eher mit Biathlon versuchen. Doch jetzt gibt es Simon Ammann. Er selbst hat auf der Schanze in Wildhaus, dem Dorf von Walter Steiner, seine ersten Sprünge gemacht. Walter Steiner war 1972 Silbermedaillengewinner und das einzige Skisprung-Denkmal des Landes.

          Um Legendenbildung vorzubeugen: „Ich habe Walter persönlich erst einmal getroffen, vor drei bis vier Jahren in Falun.“ Eine besondere Beziehung der Beiden lässt sich also beim besten Willen nicht konstruieren. Eher habe „der Herr da hinten mit dem grauen Mantel großen Anteil an meinem Erfolg“, erklärt Ammann. Der Herr im grauen Mantel heißt Hanspeter Gubelmann. Ein Sportpsychologe, der kein Aufheben um seine Arbeit machen will.

          Ammann war schon mal abgestürzt

          Der 172 Zentimeter Große und nur 55 Kilo schwere Ammann war schon 1998 Olympiateilnehmer. Als 16-Jähriger belegte er in Nagano die Plätze 35 und 39, mit dem Team wurde er Sechster. Danach verschwand der Freizeit-Snowboarder wieder in der Versenkung.

          Probleme, Schule und Skispringen zu vereinbaren, wurden dem Jungen aus einfachen Verhältnissen nachgesagt. Nun darf er seinen letztes Schuljahr in zwei Etappen absolvieren. Seitdem springt er mit ganzer Leidenschaft Ski. Die Stunde seines größten Triumphs verfolgten Ammanns Eltern übrigens bei den Nachbarn. Sie haben keinen Fernseher.

          „Was machst Du mit dem Geld?“

          Auch Simon, der Sieger, bleibt „an dem verrückten Tag, in der verrückten Woche“ bescheiden und denkt auch an seinen gestürzten Kontrahenten. „Ich finde es schade, dass Sven gestürzt ist. Ich bedauere ihn, ganz klar.“

          Darüber, dass sich der außergewöhnliche Erfolg in Salt Lake City nun auch besonders bezahlt machen wird, macht er sich keine Gedanken: „Die Schweiz ist doch berühmt für ihre Banken.“ Auf den Kopf gefallen ist Simon Ammann sicher nicht.

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