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Sicherheitsleiter Sven Brux : „Dann haben wir das Problem auf der Straße“

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Warum sollte der Fußball ein Abenteuerspielplatz sein?

Die Frage müsste lauten: Warum geschieht das alles ausgerechnet beim Fußball? Zum einen, weil es kaum noch andere Bereiche gibt, wo man Abenteuer erleben kann, wo man mit Gleichgesinnten rumhängt, zusammen trinkt und auf Auswärtsfahrten geht. Da erlebt man was, da kann immer was passieren - das ist höchst attraktiv. Es gibt ja kaum andere attraktive Subkulturen. In meiner Zeit konnte man noch Punker, Rocker oder etwas anderes werden. Das ist heute nicht mehr so breit gefächert. Mit der Ultrakultur hat sich eine neue Subkultur etabliert, die höchst attraktiv ist, nicht nur für Männer übrigens. Das sollte man zur Kenntnis nehmen. Wenn man aber sagt, diese Leute wollen wir nicht mehr im Stadion haben mit ihrer Pyro und ihrem Geprolle - dann sollte sich der Staat, der das jetzt durch die Innenminister herausfordert, auch die Konsequenzen überlegen. Dann müsste man sich eingestehen: „O, wir können denen ja gar keine andere Heimat geben, die Jugendzentren haben wir ja schon dichtgemacht, und die Streetworker haben wir auch weggekürzt.“ Wo gehen die also hin, wenn wir diese Klientel durch Stehplatzverbot und Preissteigerung in ein paar Jahren vertrieben haben? Die werden irgendwo anders sein - aber ihr Verhalten werden sie nicht ändern. Dann haben wir das Problem unkontrolliert auf der Straße.

Was erwarten Sie vom 12. Dezember?

Es hat den Anschein, dass die Hardliner beider Seiten die Muskeln spielen lassen. Wir hatten zuletzt wieder viel Pyro, um zu zeigen: Wir können, wenn wir wollen. Dazu der Stimmungsboykott. Die andere Seite kontert mit dem Zis-Bericht über Fangewalt, der groß in „Bild“ gespielt wird - mit höchst lächerlichen Gewalttäter-Tabellen. Wenn ich sehe, dass wir da vor dem 1. FC Köln liegen - da liege ich vor Lachen unterm Schreibtisch. So wird derzeit Politik gemacht, sehr konstruktiv sieht das nicht aus. Es ist klar: Kein Gemeinwesen kann ohne funktionierende Rechtsnormen auskommen. Hierzu bedarf es aber einer Akzeptanz durch die Mehrheit der potentiell Betroffenen. Recht wird im Laufe der Zeit immer der sich verändernden Lebensrealität angepasst. Beim Fußball kann man das Gefühl bekommen, dass das Publikum dem geltenden Recht angepasst werden soll.

Was passiert nach dem 12. Dezember, wenn das Papier durchgeht?

Ich fürchte, dass das Ding irgendwie mit einer knappen Mehrheit beschlossen wird. Aber das wäre zu wenig bei einem solchen Thema. Wenn das Papier verabschiedet ist, kann man die Fans nicht mehr ins Boot holen. Die Lage ist verfahren. Junge Leute sind trotzig in ihrem Verhalten. Und wenn die Hardliner in den Kurven, die jetzt schon den Dialog ablehnen, die Meinungsführerschaft übernehmen, weil sich die Gemäßigten frustriert zurückziehen, wird sich die Situation weiter zuspitzen. Dann gehen einem auch die Argumente aus. Das Ganze ist so schade, weil hier eine gewachsene Fußballkultur auf dem Spiel steht, die dann so nicht mehr wiederkommt.

Beim Fan-Gipfel in Berlin haben Sie gefordert, das Sicherheitspapier der DFL in die Tonne zu kloppen und bei null anzufangen - haben Sie Ihre Meinung nach den Diskussionen geändert?

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