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Ringen im Selbstversuch : Flugstunden mit sanfter Landung

Bild: Wonge Bergmann

Die Ringer vom deutschen Meister ASV Mainz 88 machen einem den Einstieg nicht schwer. Sie setzen ihre gewaltigen Kräfte sehr feinfühlig ein. Trotzdem wächst der Respekt vor dem vom Olympia-Aus bedrohten „Raufen nach Regeln“.

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          Gleich knallt es. Dann gibt es wieder das dumpfe Geräusch, das beim Kontakt zwischen Körper und Matte entsteht. Und den Schmerz, der die Erschütterung begleitet. Ich spanne zum Schutz meine müden Muskeln an, während Baris Baglan mich durch die Luft wirbelt. Dann ist auch der fünfte oder sechste Aufprall auf dem Boden der Ringertatsachen erträglich.

          Natürlich bereue ich jetzt, gegen Ende der zweistündigen Trainingseinheit, die Idee eines Selbstversuchs in einer mir ganz fremden Sportart. Die Bundesligaringer des ASV Mainz 88, deutscher Mannschaftsmeister der vergangenen Saison, lassen mich mittrainieren, schon bei der herzlichen Begrüßung vor dem Training integrieren sie mich wie einen normalen Kameraden. Ich habe mich so naiv wie möglich in das Abenteuer gestürzt. Mein Leben war bis dahin völlig frei von Rangeln und Raufen. Geprügelt habe ich mich schon gar nicht. In der Grundschule habe ich mich mit Sofia, dem stärksten Mädchen, gut gestellt. Sportliches Kräftemessen fern von Wettrennen oder Ballspielen war mir stets fremd. Eine Sportart wie Ringen war mir ferner als Synchronschwimmen.

          Fasziniert vom Archaischen

          Als Zuschauer faszinierte mich der Sport indes bei den bisherigen Begegnungen: wegen der archaischen Ausgangssituation des Kampfs Mann gegen Mann; wegen der vollkommenen Erschöpfung der Sportler nach ihren Kämpfen; wegen der Vielfalt der Kampfstile in den beiden Stilarten Griechisch-Römisch sowie Freistil und den sieben Gewichtsklassen vom 55-Kilogramm-Fliegengewicht bis hin zu den 120-Kilogramm-Kolossen.

          Umso schockierender war es, dass im Februar ausgerechnet dieser olympische Ursport, der schon bei den antiken Athletentreffen zu den wichtigsten Wettkämpfen zählte, aus dem Programm der Sommerspiele genommen wurde. Am Sonntag hat das Ringen nun bei der IOC-Session in Buenos Aires die Chance zum Comeback. Im Wettstreit mit Baseball und Squash geht es um die Wiederaufnahme in den Olymp.

          Anlass genug, bei Baris Baglan, dem Sportdirektor der Mainzer Meisterringer, um ein Probetraining zu bitten. Ich gestehe dem 39 Jahre alten Lehrer meinen Respekt vor dem Sport und meine Angst vor einer Verletzung. Zwei Kreuzbandrisse in meiner Fußballlaufbahn reichen mir.

          Extrem feinfühlig

          Der eloquente Ringer antwortet schlagfertig: „Vertrau mir. Wir Ringer haben unfassbare Kräfte. Aber wir können extrem feinfühlig mit ihnen umgehen.“ Ich vertraue ihm, freue mich aber, dass das Aufwärmtraining erst einmal mit einem Basketballspiel beginnt. Die Kampfsportler wollen dabei mit Kopf und Ball durch die Wand, ich trenne mich lieber schnell per Pass vom Spielgerät. Das ist eine gute Idee, da die Ringer Basketball als Vollkontaktsport betreiben und den ballführenden Gegner gehörig attackieren.

          Kein Instinkt: Die Strategie zum Angriff muss lange erlernt werden

          Den ersten Ringkämpfen gehe ich also erst einmal aus dem Weg. Schon beim nächsten Teil des Warm-ups erkenne ich Unterschiede zwischen mir und einem Ringer: Handstandüberschläge und Kopfstände sind für die motorisch bestens ausgebildeten Athleten ein Kinderspiel, während ich schon mit einem Purzelbaum Schwierigkeiten habe. Während die Ringer die sogenannte Brücke mit der Hauptlast auf dem Hinterkopf im Hohlkreuz halten, dass selbst Schwergewichte darauf hüpfen könnten, bin ich froh, dass ich die Schulterblätter wenige Zentimeter vom Boden abheben kann.

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