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Segeln : „The Race“: Peyron bricht 24-Stunden-Rekord

  • -Aktualisiert am

Auf Rekordjagd: „Innovation Explorer” Bild: dpa

Gigantische Katamarane, die mit bis zu 75 km/h über meterhohe Wellen prügeln - „the Race“, das wohl schnellste Segel-Rennen aller Zeiten hat seinen ersten Weltrekord durch den Franzosen Peyron.

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          Bei dem wohl schnellsten Segel-Rennen aller Zeiten rund um die Welt, „The Race“, hat der Franzose Loick Peyron auf „Innovation Explorer“ einen begehrten Weltrekord gebrochen. Der derzeit zweitplatzierte Skipper legte die längste Tagesstrecke aller Zeiten zurück.

          Peyron verbesserte am Freitag den 24 Stunden-Weltrekord mit 629,19 Seemeilen um fast vier Seemeilen. Bisheriger Rekordhalter war der aktuelle „Race“-Spitzenreiter Grant Dalton aus Neuseeland, der auf „Club Med“ etwa 500 Seemeilen vor Peyron liegt.

          Spitzenreiter in heimischen Gewässern

          Dalton und Peyron segeln nach anstrengenden und stürmischen 5.000 Seemeilen durch die antarktischen Eisberg-Regionen jetzt dem Reglement gemäß durch die Cook-Straße, die die beiden neuseeländischen Hauptinseln trennt. Die schwächeren Winde um Neuseeland erlauben den erschöpften Crews eine Erholungspause. Trotzdem rasen die großen Katamarane der beiden Spitzenreiter immer noch mit 10 bis 20 Knoten durch das Wasser - eine beeindruckende Vorstellung der Hochleistungs-Segler.

          „Race“-Kats: Segelmaschinen im Grenzbereich

          Die „Race“-Boote unterliegen wenigen technischen Reglements. Alle im Rennen befindlichen Schiffe sind Zweirumpfer, zwischen 26 und 32 m lang mit bis zu 1000 qm Segelfläche. Bei der Konstruktion der Boote galten minimale Einschränkungen (wie etwa ein zwingend vorgeschriebener Motor in jedem Rumpf). Weitere Grenzen setzten nur die Budgets der Teams, die bei bis zu 10 Mio. Dollar liegen sollen.

          Die Kohlefaser-Kats bei „The Race“ haben mit herkömmlichen Rennbooten wenig gemeinsam. Die gigantischen, über 30 Meter langen Segelmaschinen erreichen Geschwindigkeiten von über 75 km/h. Bereits bei Windstärke 3 bis 4 hebt sich bei den Booten die windseitige Kufe aus dem Wasser, der Kat beginnt zu surfen. Die Crew sitzt dann klein wie Ameisen auf dem schwebenden Balken.

          Ein extrem gefährlicher Ritt durch oft meterhohen Wellengang, der stets im Grenzbereich zwischen Hochgeschwindigkeit und Kenterung oder Materialbruch liegt. Dabei droht der Kat nicht nur zur windabgewandten Seite über zu kippen, er kann auch mit der Spitze einer Kufe in einer Welle „stecken bleiben“. Ähnlich wie bei einem Auffahrunfall mit dem Auto wirken dann immense Bremskräfte auf Boot und Crew.

          Die Verfolger: Bereits über 4000 Seemeilen zurück

          Dies passierte dem derzeit Drittplatzierten, dem Amerikaner Cam Lewis auf „Team Adventure“. Westlich von Afrika lief Lewis am 19. Januar in ein Wellental und blieb stecken. Zwei Crewmitglieder verletzten sich schwer, Lewis musste Kapstadt anlaufen und binnen 48 Stunden (der Mindestliegezeit laut Reglement) seine gebrochene vordere Querstrebe notdürftig reparieren. Ärgerlich für Lewis, denn er hatte knapp hinter „Club Med“ an zweiter Stelle gelegen. Inzwischen fehlen dem Amerikaner 4.200 Seemeilen auf die Führenden.

          Hinter Lewis liegt der polnische Underdog Roman Pazke, der auf der „Warta Polpharma“, dem kleinsten und damit langsamsten Schiff im Feld, einen beachtlichen vierten Platz hält. Bereits 6.000 Seemeilen Rückstand hat der Engländer Tony Bullimore auf „Team Legato“, dessen Crew zum Start nicht komplett war und der nach dem Start noch einige Qualifikations-Seemeilen absegeln mußte. Dadurch verlor Bullimore bereits am Start 18 ½ Stunden auf die anderen Boote.

          Der US-Milliardär Steve Fossett, der mit dem Kat „Playstation“ an den Start gegangen war, gab bereits nach 14 Tagen auf und segelte zurück nach Miami. Sowohl der erste als auch der zweite Satz Segel waren Fossett mehrfach gebrochen, zudem lief der rennverrückte Milliardär auf Treibgut und riss sich ein Schwert ab.

          „The Race“: Das schnellste Rennen aller Zeiten

          Initiator von „The Race“ ist der Franzose Bruno Peyron. Der Skipper hatte 1993 selbst die Jules-Verne-Trophy gewonnen, den in Frankreich heiß begehrten Preis für die schnellste Weltumrundung. Während bei den Jules-Verne-Rekordfahrten nur ein einzelnes Schiff gegen die Uhr lief, träumte Peyron von einem direkten Vergleich der schnellsten Segelschiffen aller Zeiten.

          Am Neujahrstag 2001 wurde der Traum Wirklichkeit. Immerhin sechs Schiffe gingen in Barcelona an den Start - die 69 anderen gemeldeten Teams waren bereits im Vorfeld an der Qualifikation, der Finanzierung oder den immensen technischen Schwierigkeiten gescheitert. „The Race“-Spitzenreiter „Club Med“ liegt derzeit rechnerisch rund zwei Tage vor dem Jules-Verne-Rekord von 71 Tagen und 14 Stunden für die Weltumsegelung.



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