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Schwimmerin Ledecky : Biest auf Kurs

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Im Freistil von 200 bis 1500 Meter eine Macht: Katie Ledecky, das Biest Bild: AFP

Auch wenn Federica Pellegrini der sonst makellosen WM-Karriere von Katie Ledecky einen Kratzer bescherte: Rekord-Weltmeisterin ist die Amerikanerin schon – bei Olympia könnte sie zum Superstar werden.

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          Um 21.15 Uhr, gut zwei Stunden nachdem die letzten Zuschauer den Schauplatz der Schwimm-Weltmeisterschaften verlassen hatten, war der offizielle Teil des Dienstags auch für Katie Ledecky vorbei. Es war ein historischer Tag für die Amerikanerin: Mit Ledecky und ihrem Sieg über 1500 Meter Freistil hatte erstmals in der Geschichte von Schwimm-Weltmeisterschaften eine Frau zwölfmal WM-Gold gewonnen. Und zwar nur Gold. Bis zum Mittwoch. Bis zum Finale über 200 Meter Freistil. Jene Strecke, die sich die Langstrecken-Spezialistin erst vor zwei Jahren ins Rennprogramm geschrieben hatte und mit der sie bei der WM in Kasan und bei den Spielen in Rio direkt die versammelte Weltelite düpierte.

          Und nun also das WM-Finale über 200 Meter Freistil in Budapest. Das war der Auftritt der Italienerin Federica Pellegrini, die als erste Schwimmerin bei sieben aufeinanderfolgenden Weltmeisterschaften im gleichen Event das Podium erreichte und vor der Fast-Alleskönnerin Ledecky und der zeitgleichen Australierin Emma McKeon gewann. Es war der erste Kratzer einer sonst makellosen WM-Karriere von Katie Ledecky, dem Ausdauer-Ausnahmetalent, dem Biest, wie Teamkollege Ryan Lochte einst ehrfürchtig sagte.

          Mit 15 Jahren war sie bei den Spielen in London nicht nur die jüngste Teilnehmerin im amerikanischen Team, sie war nach ihrem Sieg über 800 Meter Freistil auch die jüngste Olympiasiegerin aus den Vereinigten Staaten. Nach diesem überraschenden Erfolg begann Ledecky langsam zu verstehen, dass sie die beste Schwimmerin der Welt werden könnte. Ein Eindruck, den sie bei der WM 2013 mit Gold über 400, 800 und 1500 Meter Freistil bestätigte. In Kasan nahm Ledecky 2015 erstmals von 200 bis 1500 Meter alle Freistilstrecken bei einer WM in Angriff. Sie siegte in allen vier Rennen sowie mit der langen Freistilstaffel, verbesserte ihre Weltrekorde über 800 und 1500 Meter – und schrieb damit als 18-Jährige erstmals Schwimm-Geschichte.

          Ein Jahr später präsentiert Ledecky sich und ihre Fortschritte ein zweites Mal unter den fünf Ringen, trat bei den Spielen in Rio auch noch mit der kurzen Freistilstaffel an und kam so zu vier Gold- und einer Silbermedaille.

          Einsame Spitze: Katie Ledecky, das Biest

          Mit der kurzen Freistilstaffel abermals im Portfolio – und dem Gold dafür schon in der Tasche – testet Ledecky in Budapest nun erstmals ein Programm, das ihr bei den Spielen in Tokio die nächste Bestmarke einbringen könnte: Durch die Aufnahme der 1500 Meter ins olympische Programm der Frauen könnte sie den Rekord von Kristin Otto einstellen. Die war 1988 in Seoul – noch für die ehemalige DDR – sechsmal zu Gold geschwommen. Dass die 1500 Meter Freistil für die Frauen und die 800 Meter für die Männer ins Programm aufgenommen wurden, wird kontrovers diskutiert. Bundestrainer Henning Lambertz etwa hält „nicht ganz so viel“ davon. Er hätte sich mehr Sprintstrecken gewünscht: „Bei den langen Strecken ist ja derzeit nicht besonders viel Spannung drin.“ Auch Australiens Kraul-Königin Cate Campbell kritisiert die Entscheidung: „Das ist eine riesengroße Bürde für die Langstreckenschwimmer. Das sind enorm viele Kilometer, die sie im Renntempo schwimmen müssen.“ Die meisten Top-Schwimmer zwinge man zu wählen – und schwäche damit gleichzeitig die einzelnen Finals.

          Auch in puncto Zuschauerinteresse sei diese Ergänzung „kein cleverer Schachzug“, sagte Campbell: „Jeder ist irgendwann in seinem Leben wohl schon mal 50 Meter geschwommen, kann also sagen: Huch, der ist ja zehn Sekunden schneller als ich! Aber 800 Meter, 1500?“ Dass diese Ergänzungen ausgerechnet nach jenen Spielen durchgesetzt wurden, bei denen Rekord-Olympionike Michael Phelps seinen Ausstand feierte, sei für Lambertz zumindest erstaunlich. „Das hat ein bisschen diesen Touch, dass den Amerikanern ein großer Vorteil verschafft wird, um nach diesen absoluten Legenden wie Mark Spitz oder eben Michael Phelps dem nächsten Superstar die nötige Bühne zu bereiten.“

          Tatsächlich könnte Katie Ledecky in Tokio nicht nur den Rekord von Otto einstellen. Sollte sie zudem in der Lagenstaffel oder der ebenfalls neu ins Programm gehobenen Mixed-Staffel eingesetzt werden, ist der nächste Superheld „made in USA“ nicht mehr weit.

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