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Schwimmen : „Thorpedo“ versenkt Weltrekorde

  • -Aktualisiert am

Der „Thorpedo” - Ian Thorpe Bild: dpa

Ian Thorpe ist auf dem besten Wege der größte Schwimmer aller Zeiten zu werden. Die Anzahl seiner Weltrekorde steht bereits bei dreizehn.

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          Fast waren die Zuschauer ein wenig erleichtert. Endlich einmal war Ian Thorpe ein Rennen geschwommen, ohne einen Weltrekord auch nur zu gefährden. Das hielt den jungen Mann im schwarzen Anzug aber am Donnerstag nicht davon ab, auch die 100 m Freistil in persönlicher Bestzeit zu gewinnen und eine selbst für seine Maßstäbe kaum glaubliche Siegesserie bei den australischen Meisterschaften in Hobart hinzulegen: 100 m Freistil: Sieger Ian Thorpe, 200 m Freistil: Sieger Ian Thorpe mit Weltrekord, 400 m Freistil: Sieger Ian Thorpe (17 Hundertstelsekunden am eigenen Weltrekord vorbei), 800 m Sieger: Ian Thorpe mit Weltrekord.

          Die Anzahl der Weltrekorde des dreimaligen Goldmedaillengewinners von Sydney steht ein halbes Jahr vor seinem 19. Geburtstag bei dreizehn. Und für seine Rivalen kommt es wohlmöglich noch schlimmer. Thorpes Trainer Doug Frost glaubt, dass sich sein Schützling noch fünf bis sechs Jahre lang weiter verbessern kann. Nicht nur in Australien wird der Ausnahmeschwimmer schon nicht mehr mit seinen Zeitgenossen sondern Figuren aus der Schwimmgeschichte verglichen. „Er kann der größte Schwimmer aller Zeiten werden", sagt der australische Nationaltrainer Don Talbot, und gesteht: „Mir gehen allmählich die Superlative aus."

          Waschmaschineneffekt mit Schuhgröße 51

          Seine Gegner schütteln nur noch die Köpfe. Der ebenfalls aus Australien stammenden 1.500-m-Olympiasieger Grant Hackett flehte Thorpe an, sich doch „bitte" nicht auch noch an der Langstrecke zu versuchen. Nach dem phänomenalen Weltrekord über 800 m beim ersten ernsthaften Versuch über diese Strecke muss Hackett um „seine" Strecke fürchten.

          Bleibt die Frage, wieviel ungesund ist. Schließlich wird Thorpe neben den vier Freistilstrecken auch noch in den Staffeln eingesetzt. Bisher kommt der mit dem Mammutprogramm bestens zurecht, er findet es sogar spannend „auszuprobieren, wieviel ich meinem Körper zumuten kann". Wären die großen Meisterschaften über einen längeren Zeittraum verteilt, müssten wohl noch andere Schwimmer sich dem Waschmaschineneffekt von Thorpes Riesenfüßen der Sondergröße 51 aussetzen. Vor kurzem absolvierte er gar eindrucksvolle Tests auf den Lagen- und Rückenstrecken.

          Der „Thorpedo“ macht immer eine gute Figur

          Thorpe hat offenbar bisher auch sämtliche äußeren Einflüsse mühelos verkraftet. Auftritte in US-Talkshows, eine schnell angedichtete und dementierte Romanze mit Tennisstar Martina Hingis, Ehrungen jeder Art, Auftritte für Sponsoren - ob im Rennanzug oder im feinen Armani-Zwirn macht Thorpe immer eine gute Figur. Doch für seine Schulfreunde, die ihm nach dem Ausstieg aus der Schule vor zwei Jahren noch geblieben sind, ist er immer noch „Thorpey" und nicht „Thorpedo", der Spitzname, den ihm die Presse angehängt hat und mit dem sich so schön spielen lässt.

          Aber Thorpe weiß, dass er fast schon öffentliches Gut ist. „Selbst in den USA werde ich mittlerweile auf der Straße erkannt." Doch Thorpe geht mittlerweile auch mit der zuweilen erdrückenden Aufmerksamkeit so professionell um, wie man es kaum von einem Teenager erwarten kann. „Wenn ich mal einen schlechten Tag habe, versuche ich es nicht zu zeigen, ich kann nun einmal nicht davor weglaufen, Ian Thorpe zu sein." Und so hat sein Image in der Öffentlichkeit noch nicht den kleinsten Kratzer bekommen. Die zwischenzeitlich einmal aufgetauchten Dopingverdächtigungen sind an ihm ebenso abgeglitten wie schmuddelige Gerüchte über sein Sexualleben. Wenn nicht Erstaunliches passiert, ist das nächste Thorpe-Festival schon für den 16. bis 29. Juli vorprogrammiert: Dann finden in Fukuoka (Japan) die Weltmeisterschaften statt.

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