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Schwimmen : Schwimmer-Krankheit Asthma: Leiden oder Vorteil?

  • -Aktualisiert am

Topleistungen trotz Asthma: Thomas Rupprath Bild: dpa

Die Diagnose bei Sandra Völker und Thomas Rupprath lautet: Asthma. Unter Schwimmern umstritten, da die notwendigen Medikamente zur Leistungssteigerung missbraucht werden könnten.

          Die erste schwere Attacke kam in der Nacht. Thomas Rupprath bekam keine Luft mehr, war verzweifelt. Ahnungslos, warum sich die bisher harmlose Atemnot so plötzlich verschärfte.

          Am nächsten Morgen erzählte er Nationalmannschaftskollegin Sandra Völker von seinem Schock. Sie schickte ihn kurzerhand zu ihrem Arzt, und nach eingehenden Untersuchungen mit Allergie- und Lungentest stellte Martin Ehlers die Diagnose: schwerstgradiges Asthma. „Das war schon ein Schock“, erinnert sich Rupprath an jenen Tag im März.

          Diagnose als positiver Wendepunkt

          Sandra Völker hat das gleiche Leiden. Nicht so schwerwiegend, wie der Schmetterlingspezialist, aber für eine Profischwimmerin ein ernsthaftes Problem. Beide wussten lange Zeit nicht um ihre Krankheit, konnten sich extreme Leistungsschwankungen nicht erklären. „Wir müssen damit leben, wir können nichts dagegen tun“, sagt der 24-jährige Rupprath, „es kann sein, dass ich damit mein Leben lang belastet bin.“

          Trotzdem war der Tag der Diagnose ein positiver Wendepunkt. „Es hat ihn bisher behindert, er ist mit angezogener Handbremse geschwommen“, sagte sein Trainer Henning Lambertz. Das Wissen um die Ursache macht es nun möglich, mit Medikamenten und Trainingsumstellungen neue Wege zu gehen.

          „Ich kann trotzdem schnell schwimmen“

          Wie stark die Leistung unter den krankhaft verengten Atemwegen leidet, lässt sich schwer ausmachen. Immerhin siegte Sandra Völker bei der deutschen Meisterschaft in Braunschweig in neuer deutscher Rekordzeit (24,72 Sekunden) über 50 Meter Freistil. „Ich kann trotzdem schnell schwimmen, dass habe ich gezeigt“, betonte Sandra Völker im Gespräch mit FAZ.NET (siehe auch Interview).

          Sie hat mittlerweile eine Stiftung für asthma- und allergiekranke Kinder gegründet: „Ich möchte als Leistungssportlerin beispielhaft dokumentieren, dass Sport auch von Asthmakranken bei richtiger Therapie betrieben werden kann.“

          Lila im Gesicht

          Rupprath ließ die nationale Konkurrenz über 200 Meter Schmetterling (1:56,96 Minuten) mehr als deutlich hinter sich. Dennoch musste er sein Training umstellen. Harte Serien wie etwa acht Mal 200 Meter Schmetterling sind nicht mehr möglich. „Ich musste das abbrechen, Thomas wurde schon fast lila im Gesicht, weil er keine Luft mehr bekam“, meinte Lambertz.

          Die viermalige Olympiasiegerin von 1996, Amy van Dyken, und ihr US-Teamkollege Tom Dolan (Gold in Sydney über 400 Meter Lagen) sind weitere Beispiele dafür, welche Zeiten man trotz Asthma schwimmen kann.

          Rupprath: Schwerstes Asthma

          Anders als bei vielen seiner Schwimmkollegen - auch Lagenschwimmer Christian Keller und Brustsprinter Mark Warnecke haben Asthma - handelt es sich bei Rupprath nicht „nur“ um Belastungsasthma. Zwei Mal am Tag muss Rupprath ein Pulver-Spray auf die Atemwege sprühen. Zusätzliche Medikamente braucht er vor und nach den Rennen.

          Und genau diese Medikamente machen die Diagnose Asthma unter Schwimmern so umstritten. In den Nationalmannschaften rund um den Globus leiden so viele Athleten angeblich unter dieser Schwimmer-„Volkskrankheit“, dass sich der Verdacht aufdrängt, zumindest einige nehmen die Diagnose als willkommenen Freifahrtschein für die Einnahme von Medikamenten, die ansonsten auf der Dopingliste stehen.

          „Natürlich wird es missbraucht“

          „An sich sind die Substanzen nicht erlaubt, sie sind anmeldepflichtig. Man muss den Nachweis bringen, dass man asthmakrank ist“, sagt Sportarzt Jürgen Kesting, der bei der deutschen Meisterschaft für die Dopingtests mitverantwortlich ist.

          Um jedem Missverständnis vorzubeugen: Thomas Rupprath und Sandra Völker sind über jeden Verdacht erhaben. Beide sind krank. Bei Rupprath hat sich durch die mit der Erkrankung verbundene Mehrarbeit des Herzens sogar die linke Herzkammer krankhaft vergrößert. „Natürlich“, weiß Lambertz aber, „wird es von vielen Sportlern missbraucht.“

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