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Schwimmen : Einzelkämpfer Thomas Lurz als Vorbild

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FRANKFURT (re./dpa). Es ist eine erstaunliche Umkehrung der Verhältnisse. Noch kein Jahr ist es her, da waren es die Wasserspringer, an ...

          FRANKFURT (re./dpa). Es ist eine erstaunliche Umkehrung der Verhältnisse. Noch kein Jahr ist es her, da waren es die Wasserspringer, an denen sich ein schwer gebeutelter Deutscher Schwimm-Verband (DSV) aufrichtete. Das war in den ersten Tagen der Olympischen Spiele von Peking, als in den Beckenwettbewerben eine Enttäuschung die nächste jagte, und die Springer die olympischen Medaillen einsammelten. Das weckte natürlich auch Hoffnungen für die Weltmeisterschaft in Rom, trotz des Generationswechsel im Springerteam, in dem nach Olympia fünf Stammkräfte ihren Abschied nahmen. Drei WM-Medaillen hatte der Sportdirektor und kommissarische Bundestrainer Lutz Buschkow als Ziel ausgegeben, doch diese Zahl ist schon jetzt nicht mehr realistisch. Am Dienstagabend kam Turmspringer Sascha Klein nicht über Rang sieben im Einzelwettbewerb hinaus, und am Mittwoch lieferte dann Pavlo Rozenberg auch noch unfreiwillig das passende Bild für die ins Stolpern geratenen Springer: Der Aachener fiel im Vorkampf nach einem missratenen Anlauf vom Drei-Meter-Brett.

          Da ist es mehr als eine Erleichterung für den DSV, dass für die angeknacksten Springer eine andere Abteilung in die Bresche sprang – genauer gesagt, ein einziger Athlet dieser Abteilung: Der Würzburger Thomas Lurz gewann am Mittwoch in Ostia nach seinem Erfolg über fünf Kilometer tags zuvor seine zweite Goldmedaille bei der WM. Er setzte sich auch im Rennen über die olympische Zehn-Kilometer-Strecke durch, heimste dadurch seinen achten WM-Titel ein und krönte sich so neben der ebenfalls achtmaligen Weltmeisterin Larissa Iltschenko aus Russland zum erfolgreichsten Athleten im Langstreckenschwimmen.

          Der 29 Jahre alte Lurz siegte nach 1:52:06,9 Stunden im Endspurt vor den beiden Amerikanern Andrew Gemell und Francis Crippen, die er um 1,4 beziehungsweise 3,8 Sekunden distanzierte. „Es hätte auch anders ausgehen können, heute habe ich das Quäntchen Glück gehabt”, sagte Lurz. „Ich habe mehrfach gedacht, ich schaffe es nicht. Zum Glück haben die letzten zehn Meter gepasst. Es hätte nicht besser laufen können.” Lurz schwamm wie schon am Vortag ein kluges Rennen. Er begann diesmal eher abwartend, kontrollierte seine Gegner lange aus der Lauerposition. Als er dann seinen Sprint anzog, wollte der Italiener Valerio Cleri außen an ihm vorbei, verpasste aber die letzte Boje und damit den Zieleinlauf. Der zweite deutsche Teilnehmer über zehn Kilometer, Christian Reichert aus Wiesbaden, landete im geschlagenen Feld auf Rang 29.

          Das Team und die Führung des DSV wussten, was sie an ihrem bisher einzigen Medaillengewinner in Rom haben. „Mit seiner Leistung ist er ein Vorbild für unsere Schwimmer“, sagte Sportdirektor Buschkow. „An ihm können sich junge Sportler orientieren. Wenn andere viel reden, macht er seinen Job”, sagte DSV-Generalsekretär Jürgen Fornoff. „Damit hat er sich als Langstreckenschwimmer unsterblich gemacht.”

          Lurz selbst – im Wasser als großer Kämpfer bekannt, persönlich aber eher von zurückhaltender Art – blieb auch in der Stunde des Erfolgs, wie es seinem Wesen entspricht, bescheiden. An Urlaub ist für ihn noch nicht zu denken, denn: „Anfang August will ich den Weltcup bestreiten.” Das große Ziel des Hauptgefreiten in der Sportfördergruppe der Bundeswehr in Warendorf ist der Olympiasieg 2012 in London.

          Das WM-Rennen der Frauen über zehn Kilometer beendete die Mainzerin Angela Maurer auf dem fünften Platz. Die Olympia-Vierte steuerte lange Zeit Richtung WM-Medaille. Beim Spurt der Konkurrenz konnte sie dann aber nicht mehr mithalten. „Ich habe alles gegeben”, sagte sie. „Ich wundere mich, dass ich mit fast 34 noch so mithalten kann. Das war okay, was ich heute gemacht habe.” Im Ziel hatte sie 3,8 Sekunden Rückstand auf die Britin Keri-Anne Payne (2:01:37,1 Stunden), die sich nach Platz zwei bei Olympia nun die Goldmedaille bei der WM vor der Russin Jekaterina Seliwerstowa und der Italienerin Martina Grimaldi Italien sicherte. Stefanie Biller, zweite deutsche Starterin, kam nicht über Platz 26 hinaus. Damit erging es ihr freilich noch deutlich besser als der Mitrekordhalterin von Thomas Lurz, der russischen Olympiasiegerin Larissa Iltschenko. Die Favoritin, die am Dienstag über fünf Kilometer ihre erste Niederlage bei einer WM seit fünf Jahren hatte hinnehmen müssen, stieg am Mittwoch nach der Hälfte der Strecke mit einer Zerrung entkräftet aus.

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