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Schwimmen : Der Kniefall von Mannheim

  • -Aktualisiert am

„Schwimm-Meisterin”: Christa Thiel, neu gewählte DSV-Präsidentin Bild: AP

Ein neuer Finanzplan hat das drohende Chaos beim Verbandstag der Schwimmer abgewendet. Noch am Vortag hatte Christa Thiel in einem FAZ.NET-Gespräch gedroht, ihre Kandidatur zurück zu ziehen.

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          Die deutschen Schwimmen haben das drohende Debakel bei ihrem Verbandstag in letzter Minute abgewendet. Obwohl die Forderungen nach einer finanziellen Konsolidierung des Deutschen Schwimm-Verbandes (DSV) nur zum Teil erfüllt wurden, wird Christa Thiel um den Präsidentenposten beim DSV kandidieren.

          Noch am Vortag hatte die Rechtsanwältin, die den Verband seit dem vergangenen November kommissarisch führt, in einem FAZ.NET Gespräch gedroht, ihre Kandidatur zurückzuziehen. „Das ganze Ding kann noch platzen.“

          Konsenspapier mit heißer Nadel

          Unter dem Druck dieser Drohung haben die Vertreter der Landesverbände sich mit dem Präsidium doch noch auf einen neuen Finanzplan geeinigt. „Nach hitzigen Diskussionen haben wir einen Konsens gefunden“, sagte DSV-Vizepräsident Thomas Wupperfeld. Erst in der Nacht zum Freitag wurde das Papier „mit der heißen Nadel“ formuliert und am Nachmittag nach nur noch kurzer Debatte von den 168 Delegierten des Verbandstages verabschiedet.

          „Man muss ja hier fast auf die Knie fallen, um den Job zu bekommen“, sagte Christa Thiel. Die Rechtsanwältin musste viele Zugeständnisse machen, und erlitt eine kleine Niederlage trotzt ihrer Kandidatur. Ihre Wahl zur neuen DSV-Präsidentin am Samstag steht außer Zweifel.

          Solidaritätsbeitrag der Länder

          Kernpunkt für dieses Jahr ist ein Solidaritätszahlung der 18 Landesverbände in Höhe von 156.000 Mark an den DSV. In der Zukunft sollen die weiteren zusätzlichen Mittel vor allem durch Gebührenerhöhungen eingefahren werden. Das heißt, die Sportler müssen tiefer in die Tasche greifen, um ihren Verband zu sanieren.

          Nach dem Beschluss des Verbandstages kann der finanziell angeschlagene Schwimmverband 2001 mit rund 200.000 Mark zusätzlich rechnen, von 2002 an werden jährlich 400.000 Mark eingenommen. Eine Hälfte des Geldes wird für die Entschuldung der Verbandszentrale in Kassel eingesetzt.

          Der überdimensionale DSV-Sitz belastet die DSV Finanzen mit 5,2 Millionen Mark. 1995 hatte der Bau 6,5 Millionen Mark gekostet. Würden die Schwimmer das Haus heute verkaufen, würden sie nach Schätzungen nach einem Verfall der Immobilienpreise in Kassel nur noch 3,1 Millionen kassieren. Die Schulden bleiben dennoch bei 5,2 Millionen. Deshalb muss der Verband das Haus behalten und in den kommenden sieben Jahren je 200.000 Mark abbezahlen.

          Streit um fünfzig Pfennig

          Für 2001 konnte Christa Thiel damit allerdings deutlich weniger als die erwarteten 300.000 Mark, die bei einer vom Präsidium beantragten Erhöhung der Mitgliedsbeiträge um 50 Pfennig auf zwei Mark im Jahr 2001 in die DSV-Kasse geflossen wären. Dagegen gab es heftige Widerstände der Mitgliedsorganisationen. Ab 2002 sollen statt bisher 1,50 Mark nun 0,80 Euro pro Mitglied an den DSV abgeführt werden.

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