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Schwimmen : Auch China auffällig

Gut verhüllt: Chinas größter Schwimm-Star Sun Yang Bild: dpa

Die Verdachtsfälle unter Schwimmern häufen sich: Zwar bestreitet die chinesische Anti-Doping-Agentur Vertuschung. Aber warum hat der Weltverband der Schwimmer nicht auf die Fälle in Fernost reagiert?

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          Die Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) hat den Internationalen Schwimmverband Fina aufgefordert, den Hinweisen auf vertuschte Doping-Fälle in Russland und China nachzugehen und aufzuklären, ob der Doping-Arzt Sergej Portugalow auch russische Schwimmer betreut hat. Portugalow ist einer der Hauptdrahtzieher des staatlich unterstützten Doping-Programms in der russischen Leichtathletik.

          Nach Berichten, Portugalow habe seine Dienste auch Schwimmern angetragen, hatten namhafte Schwimmtrainer, unter ihnen Chef-Bundestrainer Henning Lambertz, von Wada und Fina gefordert, die Zustände im russischen Schwimmverband wie in der Leichtathletik überprüfen zu lassen und russische Schwimmer gegebenenfalls von internationalen Wettkämpfen auszuschließen.

          Die Londoner „Times“ hatte zudem am Donnerstag berichtet, auch in China seien von Ende 2015 bis Anfang 2016 fünf vertuschte Doping-Fälle unter Schwimmern aufgelaufen; zudem sei einer der Drahtzieher des Dopings von minderjährigen Schwimmerinnen in China in den Neunziger Jahren, Zhou Ming, wieder in einflusserreicher Rolle tätig. Zhao Jian, der stellvertretende Direktor der chinesischen Anti-Doping-Agentur Chinada, bestritt eine Vertuschung von Doping-Fällen, bestätigte aber, es gebe eine „kleine Anzahl von auffälligen Doping-Proben“, die untersucht werden müssten.

          Keine Vertuschung? Wenn stimmte, was Zhou Jian sagt, dass Prozedere und Protokoll eingehalten wurden, die Fina informiert ist, warum hat der Weltverband keine provisorischen Sperren ausgesprochen? So hatte die Fina es etwa im Fall von Julija Jefimowa gemacht, nachdem die russische Weltmeisterin zum zweiten Mal in ihrer Karriere positiv getestet wurde, dieses Mal auf Meldonium. Und ähnlich wie Julija Jefimowa war mit Sun Yang ein chinesischer Schwimmstar vor der Weltmeisterschaft in Kasan im vergangenen August sehr kurz, nämlich für drei Monate wegen Dopings gesperrt worden - die Sperre aus dem Sommer 2014 machte die Chinada erst öffentlich, als sie bereits abgelaufen war.

          Im Fall Jefimowa hat die Verteidigungslinie der Sportlerin, die Stein und Bein schwört, das lettische Herzstärkungsmittel rechtzeitig abgesetzt zu haben, bevor es ab 1.1. 2016 auf der Verbotsliste auftauchte, Risse bekommen. Das Schwimmportal Swimvortex.com berichtet, Jefimowa sei im Januar unbehelligt durch eine Kontrolle gekommen, ehe sie im Februar positiv auf Meldonium getestet wurde. Für vier Jahre gesperrt wurde Lagenschwimmerin Jana Martinowa, die im vergangenen Jahr kurz vor der WM in Kasan positiv auf das Muskel-Zuchtmittels SARM getestet wurde. Bislang wurde ein Doping-Fall Martinowa bestritten, berichtet Swimvortex.com nun, die Fina habe bestätigt, dass Rusada, die russische Anti-Doping-Agentur, eine Sperre von vier Jahren empfohlen habe. Jana Martinowa bestreitet Doping und will sich wehren.

          Die Rusada ist aufgrund der Rolle im Leichtathletik-Doping-Skandal seit 18. November 2015 von der Wada aus dem Verkehr gezogen, aber offenbar nach wie vor urteilsfähig. Warum sie für „non-compliant“ erklärt wurde, das zeigt auch ein Urteil des Internationalen Sportgerichtshof Cas vom Donnerstag: Olga Kaninskina und Sergej Kirdjapkin, hoch gedopte wie hoch dekorierte Geher, werden diverse Medaillen zurück geben müssen. Der Cas hob die Entscheidung der Rusada auf, die Sperren der beiden erst nach Olympia 2012 beginnen zu lassen. Dort hatte Kirdjapkin gesiegt, Olga Kaniskina, die Europameisterin von 2010, war Zweite geworden. Wird auch ihr EM-Sieg gestrichen, rückt Melanie Seeger auf Platz drei vor. „Ich heule vor Freude“, sagte die Brandenburgerin „leichtathletik.de“. Gleichwohl spricht die Rusada weiter Strafen aus: Geher-Trainer Viktor Tschegin, teilte die gesperrte Agentur am Freitag mit, ist nun lebenslänglich gesperrt.

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