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Schwimm-WM : Starke erste Halbzeit für deutsches Team

  • -Aktualisiert am

Freistil-Staffel: Deutsche Frauen gewannen Silber Bild: ap

Die Medaillenausbeute der deutschen Schwimmer- zehn Medaillen nach vier von acht Wettkampftagen - ist für Chefcoach Beckmann „fast beängstigend".

          Vier Tage sind vergangen in Fukuoka. Vier Tage mit 35 Grad im Schatten und einer extrem hohen Luftfeuchtigkeit. Vier Abende, an denen die erste Hälfte der Finals vor 10.000 fairen Zuschauern in der stets ausverkauften Marine Messe Fukuoka geschwommen wurde.

          Vier Goldmedaillen hat Ian Thorpe bereits gewonnen, jeden Abend eine. Am vierten Tag war es die über 200 Meter Freistil. Damit hat sich der von den Japanern frenetisch gefeierte Schwimmstar gegen Pieter van den Hoogenband für die Niederlage bei den Olympischen Spielen revanchiert.

          Der Niederländer, der es ähnlich wie Jan Ullrich mit der Sportlerdiät im Winter nicht so ganz ernst genommen haben soll, konnte nicht mithalten, als Thorpe seinen dritten Weltrekord (1:44,06 Minuten) bei der WM aufstellte. Der vierte folgt bestimmt.

          An jedem Abend Grund zum Feiern

          Die deutschen Schwimmer haben an jedem der vier Abende etwas zu feiern gehabt, zehn Medaillen gab es im mobilen Plastik-Pool bereits. Zwei Mal Gold, fünf Mal Silber und drei Mal Bronze. „Die Zwischenbilanz ist schon fast beängstigend", sagte DSV-Cheftrainer Ralf Beckmann.

          17 der 26 mitgereisten Schwimmer haben Medaillen gewonnen. 20 haben es ins Finale geschafft. Hätte er nicht ein absolutes Alkoholverbot für Schwimmer und Trainer ausgesprochen, wäre in den vier heißen Nächten viel gefeiert worden.

          Hickhack um Freistil-Staffel

          Nach einer Reihe von Disqualifikationen, Interventionen und Protesten hatte der Weltverband Fina die Entscheidung über Gold, Silber und Bronze in der Frauen-Freistil-Staffel herausgeschoben. Weltmeister war am Ende Großbritannien vor Deutschland, Bronze ging an Japan.

          Die Australierinnen waren die Schnellsten, doch nach dem Anschlag der Schluss-Schwimmerin sprangen die anderen drei ins Wasser. Nach den Regeln der Fina zu früh. „Das ist tragisch, wegen spontaner Freude disqualifiziert zu werden", sagte Beckmann. Mit den Amerikanerinnen, die im Rennen zunächst auf Platz zwei schwammen dann aber wegen Frühstarts disqualifiziert wurden, hatte er weniger Mitgefühl: „Fehlstart ist wie ein verschossener Elfmeter."

          Das US-Team, das bereits die 4x100 Meter Freistil-Staffel der Männer durch Disqualifikation verloren hatte, machte Druck. Und obwohl die elektronische Zeitnahme ein Unterschreiten der minimal zulässigen Reaktionszeit bei einem Wechsel aufgezeichnet hatte, tauchten die Amerikanerinnen plötzlich als Gold-Gewinner auf der Anzeigetafel auf. „Hier ist ganz offensichtlich manipuliert worden", sagte Bundestrainer Manfred Thiesmann. Das dachten die Briten offenbar auch und legten sofort Protest ein.

          Rupprath mit Silber auf Nebenstrecke

          Silvia Szalai, Sarah Harstick, Hannah Stockbauer und Meike Freitag waren als Vierte aus dem Wasser geklettert, gaben nach der ersten Disqualifikation als Dritte Fernsehinterviews, wurden vor laufender Kamera Zweite und rutschten beim Anziehen wieder auf Platz drei ab. Nach einer Nacht im „Blech-Bett“ hielten Deutschlands Staffel-Frauen dann doch Silber in den Händen.

          Unabhängig von der Platzierung ist das Quartett mit 8:01,35 Minuten eine starke Zeit geschwommen. Die Weltmeister-Staffel von 1998 in der prominenten Besetzung mit Franziska van Almsick, Dagmar Hase, Kerstin Kielgaß und der allein übriggebliebenen Silvia Szalai war elf Hunderstel langsamer.

          Thomas Rupprath schrammte über seine Nebenstrecke 50 Meter Rücken knapp an der möglichen Sensation vorbei. In 25,44 Sekunden wurde der Schwimm-Profi aus Wuppertal zweiter hinter Bal Randall (25,34). Hätte Rupprath, der seine eigentliche Stärke in der Disziplin Schmetterling sieht, seinen Europarekord (25,31) aus dem Halbfinale wiederholen können, wäre er Weltmeister.

          Viele Gespräche geführt und alles rausgelassen

          Sandra Völker ging angeschlagen von der Niederlage am Vortag ins Rennen. Die 27-Jährige blieb mit 55,11 Sekunden über eine halbe Sekunde über der Zeit (54,53), mit der sie in Braunschweig deutsche Meisterin wurde. Doch nach dem Debakel hieß es auch, mit wenig zufrieden zu sein. Daher überwog die Freude über eine Medaille.

          Olympiasiegerin und Weltrekordlerin Inge de Bruijn (54,18) aus den Niederlanden war ohnehin unschlagbar. „Über die 100 Meter Kraul habe ich mir gar keine Gedanken gemacht", sagte Sandra Völker. „Ich habe von gestern noch etwas mitgenommen. Es war sehr schwer heute morgen."

          Gespräche nach der Pleite

          Um Platz vier über die Paradestrecke 50 Meter Rücken zu verarbeiten, hatte sie am Abend und in der Nacht im noblen Teamhotel „Seahawk" an der Hakata Bay viele Gespräche geführt. „Ich habe nach dem Rennen alles rausgelassen, ich habe keinen Riegel vorgeschoben."

          Für Katrin Meißner gab es in Fukuoka bisher noch keinen Grund zu trauern. Zwei Tage nach Staffel-Gold gewann die 28-Jährige Silber vor Sandra Völker. „Ich habe selbst nicht damit gerechnet, dass ich bei einem so großen Wettkampf vorne mitschwimmen kann", sagte Katrin Meißner, die in einem Einzelrennen noch nie schneller war.

          Ihren größten Erfolg hatte sie vor 13 Jahren bei den Olympischen Spielen 1988 in Seoul gefeiert, als sie mit den beiden Freistil-Staffeln der DDR zwei Goldmedaillen gewann. Seitdem schwamm die 1,80 Meter große Katrin Meißner immer ein Stück hinter der Weltspitze, konnte nie wieder an den ganz großen Erfolg anknüpfen.

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