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Schwimm-WM : Staffel-Gold als Resultat eines neuen Teamgeistes

  • -Aktualisiert am

Gold-Mädels Bild: dpa

Die Motivationsarbeit von Cheftrainer Ralf Beckmann hat sich ausgezahlt. Selbst die Frauen im deutschen Team kämpfen bei der Schwimm-WM wieder füreinander.

          Bei den Olympischen Spielen in Sydney begann das Debakel der Deutschen mit der 4x100 Meter Freistil-Staffel der Frauen.

          Franziska van Almsick, Katrin Meißner, Antje Buschschulte und Sandra Völker träumten von Weltrekord und Olympiasieg. Sie verpassten schließlich Bronze um eine Hunderstel Sekunde. Danach wurde das Wort von den „Schwimm-Zicken“ geprägt, und die miese Laune breitete sich auf den Rest der Mannschaft aus.

          Es war seit seinem ersten Arbeitstag am 1. März die wichtigste Aufgabe des neuen Cheftrainers Ralf Beckmann, eine Wiederholung der Streitigkeiten von Sydney zu verhindern. Es ist ihm gelungen. In Europarekordzeit (3:39,58 Minuten) wurde das Quartett des Deutschen Schwimm-Verbandes (DSV) im mobilen Plastik-Pool der Marine Messe Fukuoka vor der Staffel der USA (3:40,80) Weltmeister. „Der Druck war schon sehr groß, aber wir haben es geschafft“, sagte Katrin Meißner.

          Störfaktor van Almsick fehlte

          Für die verletzte und seit Jahren ihrer Bestform hinterher schwimmenden Franziska van Almsick startete bei der Weltmeisterschaft in Fukuoka Petra Dallmann. Ansonsten blieb die Staffel äußerlich unverändert.

          Doch an die Stelle der Einzelkämpferinnen sind Teamsportler getreten. Die Abwesenheit von Franziska van Almsick, die wegen ihrer Starrolle immer wieder für Neid gesorgt hatte, hat es für Beckmann ohne Frage leichter gemacht, die vielbeschworene neue Harmonie Wirklichkeit werden zu lassen. Alle hätten etwas aus Sydney gelernt, betonte Sandra Völker. Die in ihrer neuen Rolle als Teamsprecherin ihren Anteil an der Stimmung innerhalb der Mannschaft hat.

          Gleich nach den deutschen Meisterschaften in Braunschweig hatte sich Beckmann auf die Staffelschwimmerinnen festgelegt. „Bei der Frauenstaffel musste keiner um seine Position kämpfen, sondern nur um die Position in der Staffel“, erläuterte Beckmann. Seine frühe Auswahl erwies sich als geschickter Coup. Er verhinderte die kraftraubenden Streitigkeiten um die Staffelplätze, die die Schwimmer bei früheren Veranstaltungen belastet hatten.

          Kämpfen bis zum Umfallen

          „Die Einsatzbereitschaft ist vorbildlich, sie kämpfen bis zum Umfallen, und das ist wörtlich zu nehmen“, lobte der Cheftrainer. Sandra Völker, die zwischen ihrem 50-Meter-Rücken-Halbfinale und dem Start als Schlussschwimmerin nur ein paar Minuten Verschnaufpause hatte, konnte sich nach dem Anschlag kaum noch auf den Beinen halten: „Ich habe gehofft, dass die anderen einen Vorsprung rausschwimmen, weil ich ja noch das Rücken-Rennen in den Knochen hatte.“

          Völker hatte Glück: Das Trio vor ihr hatte einen recht sicheren Abstand herausgearbeitet. Der Titel sei wegen dieser zusätzlichen Belastung, die die anderen Teams nicht hatten, und der Erinnerung an Sydney im Hinterkopf umso höher zu bewerten, meinte Beckmann.

          „Spaß, für Deutschland zu schwimmen“

          Er war in den ersten vier Monaten mehr als Motivator denn als Schwimmexperte gefragt. Das Ergebnis kann sich sehen lassen.„Der Mannschaft macht es wieder Spaß, für Deutschland zu schwimmen“, sagte Beckmann.

          Er ließ die Schwimmer im Trainingslager sogar die Nationalhymne üben. Gemeinsames Singen stand oft auf seinem Motivations- und Teamgeistprogramm. Der Hit in der Nationalmannschaft war dabei ein umgedichteter deutscher Schlager. „Aussis jagen, Amis schlagen, das macht Spaß“, hatten die Schwimmer gedichtet. Im Becken sogar noch viel mehr als beim Singen.

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