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Schwimm-WM : Ian´s World

  • -Aktualisiert am

Ian Thorpe (l.) und Grant Hackett: beide unter dem alten Weltrekord Bild: dpa

Er dominiert die Schwimm-WM nach Belieben: Im dritten Rennen gewann Ian Thorpe sein drittes Gold, verbesserte dabei zwei Weltrekorde.

          3 Min.

          In einer Schwimmwelt ohne Ian Thorpe wäre Grant Hackett ein Held. Mit Sicherheit mehrfacher Weltrekordler, Olympiasieger und Weltmeister über die Strecken 400, 800 und 1500 Meter Freistil.

          Doch in dieser Welt ist Ian Thorpe das Maß der Dinge. „Ich habe versucht wegzukommen, aber Ian blieb wie Klebstoff an mir hängen“, sagte Hackett nach dem hochspannenden Duell der beiden Australier über die erstmals zum WM-Programm zählenden 800 Meter Freistil. Am Ende siegte - wie erwartet - Thorpe vor Hackett, und zwar in fantastischer Weltrekordzeit.

          Thorpe und Hackett unterboten alten Rekord

          700 Meter lang lag der 18 Jahre alte Thorpe nie mehr als ein paar Hunderstel Sekunden hinter seinem zwei Jahre älteren Kontrahenten. Der Hallensprecher gab bei jeder Wende unter dem Jubel der 10.000 Zuschauer in der erneut ausverkauften Marine Messe Fukuoka durch, wie weit die beiden Gegner unter den bisherigen Weltrekord-Durchgangszeiten lagen.

          Hackett wusste, dass er nur dann eine Chance gegen den Weltrekordler hat, wenn er vor Thorpes Endspurt genügend Vorsprung hat. Deswegen legte er ein so brutales Tempo vor. „Das waren die schnellsten 600 Meter meines Lebens“, meinte Thorpe. Vor den letzten 100 Metern lag Hackett noch 19 Hunderstel vor Thorpe, an der letzten Wende war es nur noch eine Hunderstel. Und dann drehte Thorpe auf, ließ seine Riesenfüße mit Schuhgröße 52 durch das Wasser wirbeln und siegte mit einer Körperlänge Vorsprung.

          Am Ende lagen beide deutlich unter dem alten Weltrekord (7:41,59), den Thorpe erst am 26. März bei den australischen Trials in Hobart aufgestellt hatte. 7:39,16 Minuten standen für Thorpe, 7:40,34 für Hackett an der Anzeigetafel. „Ian ist ein phänomenaler Sportler, aber er ist nicht so davongezogen wie bisher. Ich werde es wieder versuchen“, sagte Hackett.

          Ian Thorpe: überragende Physiognomie

          Für Thorpe war es die dritte Goldmedaille am dritten Wettkampftag, sieben strebt der Teenager aus Sydney an. Sein zweiter Weltrekord in Fukuoka war bereits der 15. seiner Karriere. „Er hat einfach mehr Power, er ist ein bisschen größer und ein bisschen stärker“, beschreibt Hackett den Unterschied zu Thorpe. „Ich glaube nicht, dass es so viel mit Ausdauer zu tun hat.“ Hackett misst 1,97 Meter und wiegt 87 Kilogramm, Thorpe ist 1,95 Meter groß und 100 Kilogramm schwer.

          Erst eine Viertelstunde zuvor hatte Thorpe, den seine Popularität längst zum Werbe-Multimillionär gemacht hat, mit halber Kraft das 200-Meter-Freistil-Halbfinale bestritten und sich mit der zweitbesten Zeit (1:47,29 Minuten) für das Finale qualifiziert. Pieter van den Hoogenband (1:45,80), der Weltrekordler Thorpe über diese Strecke in Sydney geschagen hatte, nutzte das Rennen als Demonstration seiner Stärke.

          Auch Amerika hat einen „Wonderboy“

          Doch nicht nur die Australier haben ihren „Wonderboy“, sondern auch der Schwimm-Erzfeind Amerika. Der erst 16 Jahre alte Michael Phelps verbesserte über 200 Meter Schmetterling seinen eigenen Weltrekord auf 1:54,58 Minuten. In diesem Finale hätte eigentlich Thomas Rupprath mitschwimmen sollen, doch der ging im Halbfinale viel zu schnell an, brach auf den zweiten 100 Metern ein und schied aus.

          Der 24 Jahre alte Profi aus Wuppertal hat sich von dieser Enttäuschung über Nacht offenbar gut erholt. Im Rücken-Sprint über 50 Meter geht er am Mittwoch als Zeitschnellster in das Finale. In 25,31 Sekunden nahm er zudem Stev Theloke dessen bisherigen Europarekord (25,60) ab. Theloke selbst rutschte als Achter (25,95) gerade noch in den Endlauf. Nach dem Debakel über 100 Meter Rücken, als er als Medaillenkandidat nicht einmal das Finale erreicht hatte, war das schon ein Trost.

          Mutter trainiert russischen Weltmeister

          Das Duell zwischen Roman Sludnow und Ed Moses, die in den vergangenen Wochen als erste Schwimmer die magische Grenze von einer Minute über 100 Meter Brust unterboten hatten, endete nicht mit dem erwarteten Weltrekord. Sludnow siegte nach einem langgezogenen Endspurt in 1:00,16 Minuten vor dem italienischen Olympiasieger Domenico Fioravanti (1:00,47). Der Amerikaner Moses wurde Dritter (1:00,61).

          Sludnow trainiert in seiner russischen Heimatstadt unter abenteuerlichen Bedingungen. Das Wasser im städtischen Hallenbad ist oft so kalt, dass der 21-Jährige es nicht länger als 20 Minuten im Becken aushält. Dann muss er sich unter der heißen Dusche wieder aufwärmen, bevor es zur nächsten 20-Minuten-Einheit geht.

          „Dadurch hat er sein Training völlig umstellen müssen, er schwimmt viel intensiver“, sagte der Trainer von Sandra Völker, Dirk Lange. Sludnow nannte noch einen anderen Grund für seinen Erfolg, für Weltrekord und Weltmeistertitel: „Ich trainiere unter der strengen Aufsicht meiner Mutter.“

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