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Schwimm-DM : Thomas Rupprath: Als Meisterstück einen Weltrekord

  • -Aktualisiert am

„Er ist ein Vollprofi”: Thomas Rupprath Bild: dpa

Thomas Rupprath hat endlich sein Potential ausgeschöpft: Endlich hielten die Nerven. Weltrekord über 200 m Schmetterling.

          2 Min.

          Für einen Schwimmer sind die letzten Minuten vor dem Start das Schlimmste. Da wartet man gemeinsam mit den ebenso angespannten Konkurrenten auf den Einmarsch und starrt sich an, während die Nerven flattern und der Puls rast.

          Thomas Rupprath war vor seinem 200 m Schmetterling-Finale bei den Deutschen Kurzbahn-Meisterschaften ganz in sich gekehrt. Während seine Gegner aufgescheucht hin und her liefen und gymnastische Übungen vollführten, hatte er seine schwarze Silikon-Bademütze übergestreift, die getönte Schwimmbrille im Gesicht, hockte still da und blickte gesammelt unter sich.

          Marschtabelle eingehalten

          Er hatte etwas ganz Großes vor und dabei interessierten ihn die Gegner wenig. Auch wenn er selbst nachher nicht zugeben wollte, dass sein neuer Weltrekord von 1:51,21 Minuten geplant war, weil man ihm dies hätte als Arroganz auslegen können. "Ich wollte in etwa meinen deutschen Rekord egalisieren."

          Begehrter Schriftzug: Thomas Rupprath

          Sein Trainer Henning Lambertz fiel ihm jedoch in den Rücken: "Wir hatten genau die Marschtabelle der bisherigen Marke des Franzosen Franck Esposito studiert und unsere Renneinteilung danach ausgerichtet." Schneller als Esposito wollte Rupprath die ersten 100 Meter schwimmen und das tat er dann auch - um mehr als eine halbe Sekunde. Weil er am Ende "eingehe", wählte er diese harte Gangart in der ersten Hälfte des Rennens.

          Unerwarteter Qualitätssprung

          Doch von einem Einbruch am Ende konnte keine Rede sein. Das Publikum in der Neptun-Schwimhalle, das zu realisieren begann, dass sich da etwas besonderes anbahnt, peitschte ihn über Vereinsgrenzen hinweg mit lautem Pfeiffen und Schreien ins Ziel. Minutenlang badete Rupprath, mit erhobenen Armen triumphal auf dem Startblock stehend, in den Huldigungen der deutschen Schwimmwelt.

          Es war nicht der erste Rekord von Rupprath, der Neusser ist auf der nichtolympischen 25-m-Bahn, die die Schwimmer im Winter benutzen, als schneller Mann bekannt. Etliche nationale und europäische Rekorde hat er bereits gebrochen. Die Steigerung über 200 m Schmetterling von über zwei Sekunden seit seinem deutschen Rekord im vergangenen Jahr war jedoch ein Qualitätssprung, den niemand erwarten konnte und durfte.

          Zu viele Kompromisse

          Bis auf seinen Trainer Henning Lambertz: "Alle Trainingsdaten haben darauf hingewiesen, dass er das kann." Die Gründe für eine solche Verbesserung auf einem ohnehin schon hohen Niveau sehen sowohl Rupprath als auch Lambertz darin, dass sie seit den Weltmeisterschaften auf der langen Bahn in Japan in diesem August ohne Kompromisse ihr Programm verfolgen konnten. Von der kontrollierten Ernährung bis hin zur sportpsycholgischen Betreuung habe Rupprath, der sich selbst als "Schwimm-Profi" bezeichnet, alles getan, was man für eine Weltklasseleistung tun muss.

          Dass sie in der Vergangenheit in der Vorbereitung zu viele Kompromisse eingegangen seien, sehen Rupprath und Lambertz als den Grund dafür, warum sie zwar auf der kurzen Bahn große Erfolge feiern konnten, bei den Langbahn-Wettbewerben im Sommer jedoch stets hinter den Erwartungen zurückgeblieben waren. Bei der WM in Japan in diesem Sommer hatte er nur eine Silbermedaille über 50 m Rücken gewonnen.

          EM-Duell gegen Esposito

          In seiner Spezialdisziplin, dem Schmetterling-Schwimmen, war er im Halbfinale hängengeblieben. "Wir haben uns zu viel von anderen reinreden lassen, haben Dinge getan, die wir nicht hätten tun sollen", so Lambertz. Bei der Vorbereitung auf die Europameisterschaften in Berlin im kommenden Sommer werde das nicht mehr vorkommen, da werde man sich ganz auf sich selbst konzentrieren. So soll es dann endlich auch mit der ungeliebten Langbahn klappen. Vor der Langbahn-Saison steht jedoch zunächst einmal der Höhepunkt des Winterhalbjahres, die Kurzbahn-EM in Antwerpen in 14 Tagen an. Marschtabellen braucht Rupprath für diesen Wettkampf dann nicht mehr memorisieren. Denn Franck Esposito, der Mann, dem er gerade den Weltrekord entrissen hat, wird dann in Fleisch und Blut neben ihm am Start stehen.

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