https://www.faz.net/-gtl-rzzd

Schneetreiben : Olympisches Nebeneinander im Globalen Dorf

  • -Aktualisiert am

Exot: Alidad Saveh Shemshaki, Skifahrer aus Iran Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

2500 Sportler aus 84 Nationen sind rund um Turin am Start. Und alle bringen ihre Fans mit. Doch zu einem Miteinander der Kulturen kommt es nicht. Vor allem der Skiort Sestriere gleicht einem besetzten Dorf. Schneetreiben - die FAZ.NET-Kolumne.

          2 Min.

          Einer der großen olympischen Mythen ist der vom friedlichen Miteinander der verschiedenen Nationen. 2500 Sportler aus 84 Nationen sind rund um Turin am Start. Und alle bringen ihre Fans mit. Mag man den hymnischen Verklärungen glauben, liegen die sich alle immer in den Armen, während ihre Sporthelden im sportlich fairen Wettkampf um Ehre und Meriten kämpfen. „Wenn man das bunte Leben im Olympischen Dorf sieht, fragt man sich, warum es nicht außerhalb des Sports so zugeht“, seufzte der deutsche NOK-Präsident Klaus Steinbach diese Woche. Und damit hat er natürlich völlig recht.

          Doch ist es wirklich ein Miteinander der Kulturen? Oder nicht vielmehr ein Nebeneinander der Nationen, die sich gegenseitig ihre Stärke beweisen wollen? Gigantisch aufgeblasene Sportwettkämpfe, die aus Gründen der weltweiten Popularisierung mit Exoten aufgehübscht werden, um die Länderquote zu erhöhen? Damit die global operierenden Olympia-Sponsoren sich dank multimedialer Rundum-Verbreitung im weltweiten Markt besser positionieren?

          Skifahrer aus dem Iran und Bobfahrer aus Brasilien

          Am Start bei den Spielen sind wohl auch ein alpiner Skifahrer aus Algerien, ein Viererbob aus Brasilien, ein Rodler aus Venezuela und ein Langläufer aus Iran. Wirklich im Mittelpunkt stehen aber zweifellos die Sport-Hundertschaften aus den acht großen Wintersport-Nationen Deutschland, Norwegen, Russland, Amerika, Kanada, Österreich, Frankreich und Italien, die rund die Hälfte der Athleten stellen - nebst medialem Anhang.

          Dadurch wirkt der ohnehin nicht sehr malerische Skiort Sestriere wie ein besetztes Dorf. Nicht nur die vielen Polizisten stören die Idylle. Überall laufen wichtige Menschen mit dicken Skijacken umher, auf denen ORF oder ZDF steht. Überall quasseln hinter Sonnenbrillen verschanzte Producer in ihre Mobiltelefone. Alle Sprachen durcheinander, aber alle nebeneinander her. Entsprechend unterschiedlich sind die Programme, die rauskommen. Man würde beim parallelen Fernsehgucken kaum vermuten, daß französische und amerikanische Sender von den gleichen Wettbewerben berichten.

          Für jede Landsmannschaft ihr eigenes Haus

          Damit der durchschnittliche Journalist oder wichtige Olympiatourist in seiner Freizeit nicht in Gefahr gerät, abends allzu fremde Menschen zu treffen, haben die großen Nationen in Sestriere ihre eigenen Olympiastützpunkte kreiert. Hier das Deutsche Haus, dort das Österreicher-Zelt, dazwischen das Schweizerhäuschen. Sanfte multinationale Annäherungsversuche brachte ausgerechnet der Abfahrtslauf der Herren. Nicht, daß sich alle mit dem siegreichen Franzosen Antoine Deneriaz gefreut hätten. Sportbeobachter aller Länder freuten sich schlicht darüber, daß die wichtigste aller Wintersportmedaillen eben doch nicht ans siegessichere Österreich ging.

          Eine geradezu vorbildlich paneuropäisch orientierte Sondergruppe unter all den Separatisten bildet eine kleine unbeugsame rheinhessische Medienagentur, die sich für internationale Fernsehsender ohne Erstsenderechte um Bildmaterial und Interviews kümmert: die Redakteure sind Deutsche, die Kameraleute Griechen und die Unterkunft liegt aus Kostengründen im grenznahen Frankreich. Die Kommunikation läuft über italienische Handys und gesprochen wird englisch - oder zumindest das, was als kleinster gemeinsamer Nenner dabei herauskommt.

          Weitere Themen

          Hertha holt Punkt bei der Fortuna

          3:3 in Düsseldorf : Hertha holt Punkt bei der Fortuna

          Mit drei Toren liegt Hertha zur Pause in Düsseldorf zurück. Doch in einer wilden Schlussphase holt Berlin den Rückstand auf – und hat sogar noch die Chance auf den Siegtreffer.

          Bryants Witwe rührt zu Tränen Video-Seite öffnen

          Abschied von Ex-NBA-Star : Bryants Witwe rührt zu Tränen

          „Ich werde niemals sehen, wie mein kleines Mädchen den Weg zum Traualtar beschreitet.“ Das sagte die Witwe des ehemaligen NBA-Stars Kobe Bryant in ihrer Trauerrede über ihre 13-jährige Tochter. Diese war zusammen mit ihrem Vater und sieben anderen Menschen Ende Januar bei einem Hubschrauberabsturz ums Leben gekommen.

          Topmeldungen

          Ein Hotel in Wuhan dient auch als Quarantänestation.

          Helfer in Wuhan : Lieber im Hotel als zu Hause schlafen

          Hotelmanagerin Xiao Yaxing leitet vier Hotels in Wuhan. Die Häuser sind derzeit ausgebucht, aber nicht mit Gästen: Yaxing lässt medizinisches Personal dort übernachten. Solch ein Engagement ist in China nicht selbstverständlich.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.