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Tiger Woods : Schlagende Verbindung über zwei Kontinente

  • -Aktualisiert am

Engstes Fairfay aller Zeiten: drei Fahrspuren der Bosporus-Brücke Bild: REUTERS

Tiger Woods sorgt mit einer PR-Aktion auf der Bosporus-Brücke in Istanbul für Aufsehen – und ein Verkehrschaos. Doch der Golf-Star hat auch eine versteckte olympische Mission.

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          Es gibt Schläge im Golf, die selbst Tiger Woods die Knie schlottern lassen: „Das Beängstigende daran war, dass ich nach einem Zwölf-Stunden-Flug direkt mit dem Driver Bälle auf das engste Fairway schlagen musste, das ich jemals gesehen habe.“

          Dieses Fairway war allerdings kein grüner kurzgeschorenes Rasenstreifen auf einem Golfplatz, sondern drei Fahrspuren der Bosporus-Brücke – und während der 37 Jahre alte Amerikaner am Dienstagmittag in Istanbul mit dem Driver von Europa nach Asien abschlug, lief auf den anderen drei Spuren der eineinhalb Kilometer langen Hängebrücke der übliche starke Verkehr: „Jeden Ball den ich nach rechts verzogen hätte, hätte zu einem internationalen Zwischenfall geführt, zumal auch noch Seitenwind von links kam.“

          28 Minuten wurde die Brücke für den Verkehr in einer Richtung gesperrt, riesige Staus waren die Folge und zahlreiche Autofahrer – pro Tag überqueren 180.000 Fahrzeuge den Bosporus – waren über diese PR-Aktion für die Turkish Airlines Open in Belek verärgert. Das focht den Superstar nicht weiter an: „Es war cool, der erste zu sein, der mit seinen Abschlägen Kontinente verbindet.“ Ahmet Ali Aoaoolu, der Präsident des türkischen Golfverbands, lobte, wie souverän der Weltrangliste nicht nur dieses live vom türkischen Fernsehen übertragene Spektakel meisterte, sondern auch alles, was ihm abseits seines Arbeitsplatzes abverlangt wird. „Er macht alles mit großer Klasse“, befand Aoaoolu, „er ist jeden Cent wert.“

          Kein Schutzmann: Tiger Woods auf der Verkehrsinsel
          Kein Schutzmann: Tiger Woods auf der Verkehrsinsel : Bild: AP

          Für die Turkish Airlines Open, die am Donnerstag wegen eines Gewitters erst mit drei Stunden Verspätung begannen, erhält Woods das Rekordantrittsgeld von drei Millionen Dollar. „Wir wissen, dass Tiger viel Geld kostet, aber er verdient es. Sein Ruhm geht weit über Golf hinaus“, behauptet Aoaoolu. Der Präsident des nur rund 5000 Mitglieder zählenden Verbands glaubt deshalb, das Woods nicht nur dem Turnier in Belek in der Provinz Antalya hilft: „Die Teilnahme von Woods wird auch unserer Bewerbung für künftige Olympischen Spiele fördern, denn es wird zeigen, dass die Türkei in der Lage ist, Sportveranstaltungen von Weltrang zu veranstalten.“

          Lukrative Nebentätigkeiten

          Man mag zweifeln, ob allein die Präsenz von Woods olympischen Ambitionen dienlich ist. Aber dass das Turnier an der asiatischen Mittelmeerküste dank Woods weltweit ganz andere Aufmerksamkeit genießt, steht fest, zumal sich der Weltstar in den vergangenen Wochen ausgesprochen rar machte. Nach dem Presidents Cup in der ersten Oktober-Woche gönnte sich Woods eine schöpferische Pause: „Ich habe ein paar Wochen keinen Schläger angefasst.“

          Erst Ende Oktober reiste er auf die chinesische Ferieninsel Hainan, um gegen den Nordiren Rory McIlroy einen Schaukampf zu bestreiten. Woods benötigte bei diesem auf der Anlage von Mission Hills ausgetragenes Zählspiel über 18 Löcher 68 Schläge, einen mehr als McIlroy, aber das spielte bei einem Honorar von 1,5 Millionen Dollar keine Rolle. Danach spieltet Woods in Macau ein paar Löcher mit „High Roller“ (Zocker, die hohe Beträge wetten) von Casinos und gab in Singapur eine „Clinic“ (Demonstration von Schlägen) für Kinder und Jugendliche.

          Das Medieninteresse war beachtlich - der Stau auch
          Das Medieninteresse war beachtlich - der Stau auch : Bild: REUTERS

          Dass Woods wegen dieser sportlich bedeutungslosen, aber lukrativen Nebentätigkeiten in der vorigen Woche bei der HSBC Champions fehlte, sorgte bei dem Veranstalter, der International Federation of PGA Tours, für Unmut. Denn das Turnier in Schanghai zählte nicht nur zu der „Final Four“-Serie der European Tour, sondern auch zur World Golf Championship (WGC), eine Reihe von nur vier Wettbewerben, die von den sechs wichtigsten Serien (PGA Tour, European Tour, Japan Tour, Asian Tour, Sunshine Tour, Australasian Tour) gemeinsam für die absolute Weltklasse organisiert werden – und nach den vier Majors als die wichtigsten Turniere der Welt gelten.

          „Wettbewerbsrost“ ablegen als Ziel

          Woods, mit 18 Erfolgen, davon zwei in diesem Jahr, bei WGC-Turnieren der Rekordsieger, gab sich in Belek auf Nachfragen, warum er einen der Saison-Höhepunkte ausließ, sehr wortkarg. Er sei ein „independant contractor“, also ein selbständiger Unternehmer oder freier Dienstnehmer, der nach eigenem Gusto bestimme, wo und wann er seinem Job nachgehe. Die Schaukämpfe seien ideal gewesen, um „Wettbewerbsrost“ abzulegen.

          Noch nicht in Bestform: nach zehn Löchern auf Platz 50
          Noch nicht in Bestform: nach zehn Löchern auf Platz 50 : Bild: REUTERS

          In Belek schien Woods, der wie insgesamt 66 von 78 Spielern die erste Runde am Donnerstag wegen der hereinbrechenden Dämmerung nicht beenden konnte, noch nicht in Bestform. Er lag nach zehn Löchern mit einem Schlag unter Par nur auf Platz 50, war damit aber wie die drei deutschen Teilnehmer noch nicht aus dem Rennen.

          Ihr Bester war der Düsseldorfer Maximilian Kieffer, der mit zwei Schlägen auf das Spitzen-Trio (alle -7) nach 15 Löchern fünf Schläge unter Par lag und ebenso wie Martin Kaymer aus Mettmann (-3 nach 12 Löchern) die zweite Runde am frühen Freitagmorgen beenden muss. Marcel Siem aus Ratingen kann dagegen ausschlafen: Er bewältigte die 18 Löcher von The Montgomerie Maxx Royal in 68 Schlägen und rangiert wie sein Nachbar Kaymer auf Rang 30.

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