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Schefflers Golfkolumne : Präsidialer Schwung

  • -Aktualisiert am

Golf-Partner Clinton und Norman: „schon nach dem zweiten Loch waren wir die besten Freude“ Bild: dapd

Weil Präsident Bush einst Golfprofi Norman zurecht wies, rettet Präsident Clinton ein fast vergessenes Golfturnier und wird dort als „best president ever“ gefeiert. Schefflers Golfkolumne erklärt die Zusammenhänge.

          3 Min.

          Der Präsident der Vereinigten Staaten gilt als der mächtigste Mann der Welt. Selbst wenn der das Weiße Hause verlassen hat, bleibt er Mr. President. Er wird rund um die Uhr vom Secret Service bewacht. Er bleibt, wie das Redehonorar (250.000 Dollar) für Bill Clinton beweist, noch immer ein gefragter Mann – und einer mit viel Einfluss. Der reicht so weit, dass der 42. Präsident der USA (1993 ­­­bis 2001) elf Jahre nach dem Ende seiner Amtszeit einem Golfturnier, neues Leben einhauchen kann.

          Die Bob Hope Classic in der kalifornischen Wüste in Palm Desert siechte seit dem Tod des Komikers, der 2003 im Alter von hundert Jahren gestorben war, vor sich hin. Die Stars blieben fern, und immer weniger Spieler verspürten Lust, sich erst vier Tage mit Amateuren aus Big Business, Show Biz oder Sport auf vier unterschiedlichen Plätzen abzumühen, ehe dann am fünften Tag die Profis unter sich waren und den Sieger ausspielten. Als sich dann auch im Zuge der Finanzkrise der Titelsponsor Chrysler 2008 zurückzog, stand das Turnier ohne Geldgeber da. Die Tour sprang ein, aber das beschleunigte den Absturz des einstigen Glamour-Turniers noch weiter.

          Tim Finchem, der gerade seinen Vertrag als Chef (Commissioner) der PGA Tour um vier weitere Jahre verlängert hat, kam auf die Idee, die Krankenversicherung „Humana“ anzusprechen, ob sie nicht als Gesundmacher für das kranke Turnier einspringen wolle. „Humana“ wollte und holte sich Clinton ins Boot, der seit seine Bypass-Operation 2004 und dem Einsetzen von Stents (Gefäßstützen) 2010 seine Nahrung umgestellt hat, kaum noch Fleisch isst und sich mit seiner Stiftung der Bekämpfung von Aids und Fettleibigkeit verschrieben hat.

          Präsidialer Dreier-Flight

          Zudem spielt William Jefferson „Bill“ Clinton wie fast alle seine Vorgänger seit William Taft (Präsident 1909 bis 1913) Golf. Clintons Auftritt bei der Bob Hope Classic im Jahre 1995, als er gemeinsam mit seinen Vorgängern Gerald Ford und George H.W. Bush mit dem Tourspieler Scott Hoch sowie Bob Hope spielte - der die vier singend über vier Löcher begleitete - ist noch in bester Erinnerung. Es war bisher das einzige Mal, dass ein präsidialer Dreier-Flight in aller Öffentlichkeit seinem Hobby nachging.

          Der 65-jährige Clinton nahm sofort eine aktive Rolle bei dem Turnier an, das seit diesem Jahr den sperrigen Namen „Humana Challenge in partnerhip with the William Jefferson Clinton Foundation“ trägt. Clinton regte an, das Turnier auf die üblichen vier Tage zu beschränken. Er schrieb Briefe an etliche Topspieler, zwei rief er sogar persönlich an: Greg Norman und Phil Mickelson.

          Golfen unter Palmen: „Humana Challenge in partnerhip with the William Jefferson Clinton Foundation“ Bilderstrecke
          Golfen unter Palmen: „Humana Challenge in partnerhip with the William Jefferson Clinton Foundation“ :

          Norman spielt seit seinem 50. Geburtstag im Februar 2005 nur noch gelegentlich auf der Tour. Mickelson, der in einem Vorort von San Diego lebt, hatte das Turnier vor seiner Haustür seit Jahren gemieden. Beide verweigerten sich wie eine weitere Anzahl von Weltklassespielern dem präsidialen Wunsch nicht. Weder Norman noch Clinton hatte beim Turniersieg von Mark Wilson am Sonntag etwas mit der Entscheidung zu tun. Mickelson landete auf dem geteilten 49. Platz, Norman trat am Sonntag nicht mehr an, nachdem die dritte Runde wegen eines Sandsturms abgebrochen werden musste. So wurde am Schlusstag erst die dritte Runde beendet und danach die letzten 18 Löcher gespielt.

          Clinton wie zu Wahlkampfzeiten

          Aber der Star war bei diesem Turnier ohnehin kein Profigolfer. Es war Bill Clinton. Am Samstag bildete er bei ProAm, also dem Wettspiel, bei dem jedem Profi jeden Tag ein anderer Amateur zur Seite gestellt wurde mit Norman ein Team. Die beiden spielten gemeinsam mit dem Tour-Veteran Scott McCarron und Mike McCallister, dem CEO von Humana.

          Der Auftritt von Clinton sorgte für einen Zuschauer-Andrang wie es das Turnier selbst in den besten Tagen nicht erlebt hatte. Clinton, der mit Handicap 17 antrat, ließ sich von seinem schlechten Spiel – nur einmal, am ersten Loch, traf er mit dem Abschlag das Fairway -, nicht die gute Laune verderben. Er schüttelte Hände wie zu Wahlkampfzeiten, posierte immer wieder mit Fans für Fotos und genoss die Begeisterung, die darin gipfelte, dass Fans ihn mit den Worten „best president ever“ feierten.

          Bush trat für Clinton ein

          Sein Partner Norman ließ sich von der guten Stimmung anstecken und lobte nach dem wegen des Sturms auf neun Löcher verkürzten gemeinsamen Spiel, den Golfschwung von Clinton. Der wiegelte freilich ab: „Mein bestes Golfjahr war 2001 direkt nachdem Ende meiner Präsidentenzeit. Da hatte ich mein Handicap auf zehn gedrückt.“ Obwohl Clinton häufig Gast im Haus von Norman in Florida ist, war dies erst die zweite gemeinsame Runde der beiden – und auch die erste hatte viel damit zu tun, dass sich ein ehemaliger Präsident einschaltete.

          Norman, der in den neunziger Jahren des vorigen Jahrtausends sechs Jahre lang die Weltrangliste anführte, erzählte, wie er 1996 während der Australian Open eine Anfrage von dem auf Staatsbesuch auf dem fünften Kontinent weilenden Clinton für eine gemeinsame Runde Golf erhalten hatte. Weil aber Norman die Politik des Demokraten Clinton ablehnte, reagierte er zunächst ausweichend. Erst ein Anruf von Clintons Vorgänger George H.W. Bush führte zu einer Meinungsänderung. Bush senior wies ihn darauf hin, dass es der Respekt vor dem Amt des Präsidenten der Vereinigten Staaten gebühre, einen solchen Wunsch zu erfüllen. Norman spielt mit Clinton eine Runde auf dem grandiosen Platz von New South Wales in Sydney – „und schon nach dem zweiten Loch waren wir die besten Freude“, erzählt Norman – eine Freundschaft, die jetzt einem fast schon vergessenen Golfturnier zu neuer Blüte verhalf.

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