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Schefflers Golf-Kolumne : Vijay Singh und die seltsamsten Runden seines Lebens

  • -Aktualisiert am

„Es hatte keine Bedeutung, welches Ergebnis ich spielte”: Vijay Singh Bild: AFP

Es ging um den dicksten Brocken aus dem größten Bonuspool im Sport - und Vijay Singh hatte ihn so gut wie sicher. Der Golfprofi musste nur noch zum Saisonfinale erscheinen. Und so wurden es die seltsamsten Runden seines Lebens.

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          Vijay Singh hat drei seltsame Wochen hinter sich: „Auch die ganz normalen Dinge, an die man sonst nie denkt, habe ich ganz bewusst getan.“ Die Sorgsamkeit mit der der 45-jährige Golfprofi aus Fidschi nicht nur seinem Job nachging, sondern auch die Vorsicht, die er im täglichen Leben walten ließ, hatte zehn Millionen Gründe - oder präziser zehn Millionen Dollar.

          Denn nachdem der Mann aus der Südsee, der mittlerweile in Ponte Vedra Beach an der Nordostküste von Florida in einem riesigen Anwesen direkt am Strand residiert, den Sieg im FedExCup sicher hatte, musste er zum Saisonfinale der amerikanischen PGA Tour nur noch erscheinen und vier Runden absolvieren, um den dicksten Brocken aus dem größten Bonuspool im Sport zu kassieren.

          „Es hatte keine Bedeutung, welches Ergebnis ich spielte“

          Ja nur keine Verletzung oder eine Disqualifikation riskieren, ja nicht die Startzeit verpassen, denn nur eines dieser Missgeschicke hätte ihm den größten Zahltag seiner Karriere vermasseln können. Denn nachdem der Weltranglistendritte die ersten beiden Play-off-Turniere des FedExCups gewonnen hatte, war sein Vorsprung nach der BMW Championship in St. Louis so riesengroß, dass ihm schon ein letzter Platz bei der Tour Championship im East Lake Golf Club in Atlanta gereicht hätte, um neun Millionen Dollar sofort und eine Million für seinen Pensionsfond zu kassieren.

          So achtete er peinlich genau darauf, nicht zu spät auf die Anlage zu kommen, er zählte er die Schläger in seiner Tasche mehrfach und bevor er seine Scorekarte jeden Tag abgab, überprüfte er sie mit einer bisher nicht gekannten Sorgfalt. Von Donnerstag bis Sonntag absolvierte er dann auf dem Heimatplatz der Golflegende Bobby Jones die wohl seltsamsten Runden seines Lebens: „Es war richtig bizarr: Man macht einen Bogey, und die Leute gratulieren einem, man macht einen Doppelbogey, und die Leute gratulieren einem immer noch. Es hatte überhaupt keine Bedeutung, welches Ergebnis ich spielte. Da kann man sich einfach nicht auf das Turnier konzentrieren.“

          Camilo Villegas sicherte sich noch ein Extrapreisgeld

          Entsprechend fiel sein Ergebnis aus: Im nur 30 Spieler starken Feld belegte er mit 16 Schlägen Rückstand auf den Sieger Camilo Villegas aus Kolumbien den 22. Platz. Villegas, der sich im Stechen gegen den Spanier Sergio Garcia am ersten Extra-Loch mit einem Par durchsetzte, rückte mit seinem zweiten Turniersieg in Folge noch auf den zweiten Platz im FedExCup, so dass er neben dem Siegespreisgeld von 1,26 Millionen Dollar noch weitere drei Million Dollar kassierte.

          Aber auch Garcia wurde zusätzlich belohnt: Neben 756.000 Dollar Preisgeld gab es noch für Platz drei im FedExCup eine Prämie von zwei Millionen Dollar und mit dem Gewinn der Vardon Trophy für den niedrigsten Rundendurchschnitt (69,40) vor Phil Mickelson (69,42) in diesem Jahr auf der PGA Tour noch ein weiteres statistisches Trostpflaster.

          In diesem Jahr musste der Sieger immerhin erscheinen

          Für die Stars der PGA Tour ist die Saison damit beendet, aber die Diskussion um den FedExCup geht weiter. Im Vorjahr konnte sich Tiger Woods erlauben, das erste Play-off-Turnier zu verpassen, hatte dann aber schon vor der Tour Championship (die er auch noch gewann) einen solchen Vorsprung, das er gar nicht nach Atlanta hätte kommen müssen.

          In diesem Jahr musste der Sieger wenigstens erscheinen, aber die Diskussion um den Bonuspool geht weiter. Denn diese Saisonwertung ist ein Zwitter: einmal soll die Leistung über das ganze Jahr belohnt werden, dann soll aber in den vier Play-off-Turnieren zum Ende der Saison noch einmal richtig Spannung aufgebaut werden. Aber die beiden Dinge passen nicht so recht zusammen - und so erlebte Singh die seltsamsten Wochen seines beruflichen Lebens.

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