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Schefflers Golf-Kolumne : Tschechen müssen nicht mehr zum Angeln gehen

  • -Aktualisiert am

Der beste Golfspieler des Landes: Alexander Cejka Bild: picture-alliance/ dpa

Einst als bourgeoises Vergnügen verpönt, ist Golf heute in Tschechien sehr populär. Am Wochenende gastiert die europäische Herren-Tour in Südostböhmen. Turnier-Favorit ist der beste Golfer des Landes - der allerdings einen deutschen Pass hat: Alexander Cejka.

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          Um mit den Worten des „tschechischen Fußballer des Jahrhunderts“ Pavel Nedved in der offiziellen Golfbroschüre des Fremdenverkehrsamts des Landes zu sprechen: „Willkommen in Tschechien, einem Land des Fußballs, des Eishockeys und des Golfsports.“ Von Donnerstag bis Sonntag ist die europäische Herren-Tour in Celadna in Südostböhmen nach einer zwölfjährigen Pause wieder mit einem mit zwei Millionen Euro dotierten Turnier zu Gast - und natürlich ist der bekannteste Golfer des Landes mit von der Partie.

          Das ist nicht der begeisterte Hobbygolfer Nedved, der nach seiner gerade bei Juventus Turin beendeten Profikarriere alles daran setzt, sein Golf-Handicap von -15 zu verbessern. Nedved, veranstaltet zwar jedes Jahr ein Wohltätigkeitsturnier in seinem tschechischen Heimatklub in Franzensbad, wo das 11. Loch „Pavel Nedveds Hügel“ heißt und eine große Tafel die glorreiche Fußballkarriere des „Blonden Engel“ referiert. Dennoch ist „Europas Fußballer des Jahres 2003“ in seiner Heimat den meisten Sportfreunden als Kicker geläufig - auch wenn er in seiner italienischen Wahlheimat Turin mitten auf einem Golfplatz mit Frau Ivana und seinen beiden Kindern residiert.

          Golf war als bourgeoises Vergnügen verpönt

          Der bekannteste und mit Abstand beste Golfer des Landes heißt natürlich Alexander „Alex“ Cejka. Der 38-jährige Profi hat zwar einen deutschen Pass, aber weil er in Marienbad geboren wurde und dort seine ersten neun Lebensjahr verbrachte, fließend Tschechisch spricht, auf dem Platz von Marianske Lazne die ersten Golfschläge mit abgesägten Schlägern ausführte, seine geschiedene Frau mit den beiden Söhnen (beide übrigens tschechische Staatsbürger) in Prag lebt und der Weltbummler mit Wohnsitz in Las Vegas, immer noch engen Kontakt zu seinem Geburtsland pflegt, wird er in der Tschechischen Republik natürlich als einer der Ihren angesehen.

          Der bekannteste Golf-Spieler Tschechiens: Pavel Nedved

          Sein Auftritt in Prosper Resort am Fuße der Mährisch-Schlesischen Beskiden wird selbstverständlich mit hohen Erwartungen begleitet: „Ich freue mich natürlich jedes Mal, wenn ich nach Tschechien zurück komme“, sagt Cejka, „aber alle denken, dass ich natürlich gewinnen muss. Ich werde das natürlich versuchen, aber im Golf ist alles möglich.“

          Das gilt ganz besonders für die rasante Entwicklung des Golfsports in Böhmen, Mähren und Mährisch Schlesien. Als Pavel Nedved 1962 geboren wurde, gab es in der damaligen CSSR drei 18-Loch-Plätze und drei 9-Loch-Anlagen. Dabei verfügen besonders die Kurorte von Karlsbad (Karlovy Vary) und Marienbad (Marianske Lazne) über eine lange Tradition. 1904 eröffnete der erste Platz in Karlsbad, ein Jahr gab der englische König Edward VII. der Anlage im benachbarten Marienbad sogar den königlichen Segen.

          „Ich habe gesagt, dass ich zum Angeln gehe“

          Aber der Kommunismus stoppte die Entwicklung. Golf war als bourgeoises Vergnügen verpönt. Radim Matolin, einer der Pioniere des tschechischen Golfs, der lange Jahre als Klubpräsident in Karlsbad wirkte und heute Präsident der tschechischen Golfsenioren-Vereinigung ist, erzählt die Geschichte, dass er seinen Nachbarn in Prag immer seine sportliche Passion verheimlichen musste: „Ich habe gesagt, dass ich zum Angeln gehe, wenn ich mit der Golfausrüstung in Richtung Karlsbad fuhr.“

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