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Schefflers Golf-Kolumne : Tiger Woods und Torrey Pines

  • -Aktualisiert am

Langjährige Liebe: Tiger Woods und Torrey Pines Bild: picture-alliance/ dpa

Der beste Golfer der Welt und der herrliche Golfplatz an der Pazifikküste verbindet eine lange Liebe. Erstmals spielte Woods hier mit sechs Jahren und wurde Achter - hinter sieben Zehnjährigen. Die Golf-Kolumne bei FAZ.NET.

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          Tiger Woods und Torrey Pines: Der beste Golfer der Welt und der herrliche öffentliche Golfplatz direkt an der Pazifikküste im südkalifornischen La Jolla („La Heuja“), einem Vorort von San Diego, verbindet eine lange Erfolgsgeschichte. Im Clubhaus hängt ein Bild des Teenagers Tiger Woods. Der junge Mann, damals noch mit einer riesigen Brille auf der Nase, hält einen der sechs Altersklassen-Pokale hoch, die er bei der Junior World, der inoffiziellen Jugend-Weltmeisterschaft, auf diesem Platz gewann.

          Erstmals spielte er als Sechsjähriger in der Alterklasse 9-10 Jahre im Jahr 1982 mit und belegte unter 150 Teilnehmern den respektablen achten Platz - hinter sieben Zehnjährigen. Zwei Jahre später gewann er diese Division, verteidigte ein Jahr später seinen Titel. 1988 gewann der die Alterklasse 11-12 Jahre, 1989 und 1990 die Klasse 14-15 Jahre. 1991 triumphierte er bei den 15- bis 17-jährigen.

          Sechsmal gewann er die Buick Invitational

          Der Erfolg auf diesen beiden Plätzen (North und South) ist ihm bis heute treu geblieben. Sechsmal gewann er die Buick Invitational der PGA Tour in Torrey Pines, die letzten vier in Folge, das allerletzte im Februar mit einem Rekordvorsprung von acht Schlägen. In dieser Woche ist die US Open auf dem 2003 für 3,5 Millionen renovierten South Course zu Gast, erst das zweite Mal nach 2002, das die Meisterschaft der größten Golfnation der Welt auf einem städtischen Platz stattfindet.

          Woods muss warten: manchmal landen seltsame Vögel auf dem Grün von La Jolla

          Natürlich gilt Tiger Woods, der im nur 90 Meilen entfernten Cypress aufwuchs, als erster Titelanwärter. Der 32-jährige Amerikaner wäre sogar der überwältigende Favorit, wenn nicht einiges gegen ihn spräche. Das Wichtigste: Diese US Open sind das erste Turnier von Tiger Woods, seit er am 15. April zum dritten Mal an seinem linken Knie operiert wurde.

          Ihm fehlte die Turnierpraxis

          Woods trainiert zwar schon seit einiger Zeit wieder, aber die Proberunde, die er mit Golfwagen und in Begleitung seines Schwung-Coaches Hank Haney am vergangenen Mittwoch auf dem hermetisch abgeriegelten South Course von Torrey Pines spielte, - Medien und Zuschauer waren nicht zugelassen - war seine erste Golfrunde überhaupt seit er beim Masters den zweiten Platz belegt hatte.

          Woods fehlt also die wichtige Turnierpraxis, wie entscheidend die ist, sah man vor zwei Jahren bei den US Open. Als er erstmals nach dem Tod seines Vaters nach acht Wochen ohne Turniere wieder einen Wettkampf bestritt, scheiterte er am Cut, das erste und bisher einzige Mal, das Woods dieses Missgeschick bei einem der vier Majors unterlief.

          Der längste Platz in der langen Geschichte

          Und noch etwas: Die Buick Invitational sind nicht die US Open. Der veranstaltende amerikanische Golfverband USGA mutet den Besten der Welt - darunter als einziger Deutscher der Mettmanner Martin Kaymer - ganz andere Bedingungen zu: enge, beinharte Fairways, dichtes Rough am Rande der Spielbahn und rund um die pfeilschnellen Grüns. Dazu ist der Platz 7643 Yards (6989 Meter) lang, der längste in der langen Geschichte der US Open. Die Länge ist nicht das Problem von Woods, eher die Präzision, vielleicht auch ein Grund, warum Woods bei den US Open die geringste Erfolgsquote aller Majors aufweist. Er gewann nur zwei Mal, 2000 und 2002.

          In diesem Jahr traf er laut Statistik der PGA Tour vom Abschlag nur 54 Prozent der Fairways, was ihn allerdings nicht daran hinderte gleich seine ersten vier Turniere des Jahres zu gewinnen. In Torrey Pines kann sich kaum erlauben, fast die Hälfte der Fairways zu verfehlen. „Aus dem Rough kann man oft nur mit dem Sandwedge oder maximal mit einen Eisen 9 heraushacken“, befand Coach Haney nach der ersten Proberunde. Woods probierte es zum Scherz auch einmal mit einem Holz 5 - und kam gerade Mal 150 Meter weit, gut 90 Meter kürzer als bei einer perfekten Balllage auf dem Fairway. „Das sieht man nicht alle Tage, dass Tiger ein Holz 5 so kurz schlägt“, sagte Haney.

          Angenehme Erinnerungen an Torrey Pines

          Woods absolviert am Donnerstag und Freitag die beiden ersten Runden gemeinsam mit Phil Mickelson. Der Linkshänder wohnt 15 Autominuten von Torrey Pines entfernt in Rancho Santa Fe. Der Weltranglistenzweite wuchs in San Diego auf und spielt seit frühester Kindheit bis heute den Platz bei jeder sich bietenden Gelegenheit. Auch ihn verbinden angenehme Erinnerungen mit dem Platz, auch er gewann hier eine Jugend-Weltmeisterschaft, allerdings blieb die von 1980 in der Altersgruppe 9-10 Jahre auch seine einzige, obwohl er Jahr für Jahr bei seinem Heimspiel als Favorit an den Start ging. Drei Mal gewann er als Profi die Buick Invitational, alle vor dem Umbau und der Verlängerung des Platzes um 600 Meter durch Rees Jones im Jahre 2003.

          Doch Woods und Mickelson sind nicht die einzigen, bei denen Torrey Pines angenehme Erinnerungen weckt. Der zweimalige US-Open-Sieger und Weltranglistendritte Ernie Els aus Südafrika ließ 1984 Mickelson bei den 13- bis 14-jährigen bei Junior World hinter sich. Trevor Immelman gewann auf diesem Platz 1988 die amerikanische Public Links Championship und qualifizierte sich damit als Amateur erstmals für das Masters. „Das hat mir gezeigt, dass ich gut genug bin, um Profi zu werden“, erinnert sich der Südafrikaner an seinen Triumph am Pazifik. Zehn Jahre später gewann er das erste Major des Jahres in Augusta - mit drei Schlägen Vorsprung vor Tiger Woods.

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