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Schefflers Golf-Kolumne : Showdown in Gleneagles

  • -Aktualisiert am

Martin Kaymer hat noch eine kleine Chance auf die Reise nach Kentucky Bild: AFP

Eine Chance hat der junge Profi Martin Kaymer noch, sich in die europäische Ryder-Cup-Mannschaft zu spielen. Denn während die Qualifikationskriterien für das wohl prestigeträchtigste Golfturnier in Amerika denkbar simpel sind, bleibt es im komplizierten Europa bis zuletzt Moment spannend. Loch 19, die FAZ.NET-Golfkolumne.

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          Martin Kaymer hat immer wieder betont, dass eine Teilnahme am Ryder Cup für ihn kein Ziel sei - für einen Profi im zweiten Jahr auf der europäischen Tour sicherlich eine kluge verbale Abwehrhaltung. Aber nachdem der 23 Jahre alte Mettmanner bis zur PGA Championship wie ein sicheres Mitglieder der zwölfköpfigen Europa-Auswahl aussah, ihn aber sein schwaches Abschneiden in Bloomfield Township aus den automatischen Qualifikationsplätzen herausfallen ließ, versucht der Rheinländer jetzt doch noch alles, um sich auf den letzten Drücker für das Kräftemessen gegen die besten amerikanischen Kollegen zu qualifizieren.

          In der vergangenen Woche spielte er in den Niederlande, diese Woche ist er für das die Johnnie Walker Championship in Schottland gemeldet. Er spielt damit die fünfte Woche hintereinander, eine Belastung, die sich Profis nur in Notfällen zumuten.

          Abgeschlagen an der Nordsee

          Von Donnerstag bis Sonntag steht für Kaymer in Gleneagles/Schottland auch viel auf dem Spiel. Denn die vergangene Woche war keine gute Woche für den besten deutschen Golfer, der als 42. der Weltrangliste derzeit als der zwölftbeste Europäer geführt wird. Der Shooting-Star spielte auf dem herrlichen Links Course des Kennemer Golf and Country Clubs in Zandvoort (Par 70) bei der KLM Dutch Open nur am Freitag eine gute Runde.

          Der Ryder Cup: seit 1927 ausgespielt, seit 1999 nicht mehr von den Amerikanern gewonnen

          Mit 282 (+2/72+66+74+70) Schlägen landete er abgeschlagen mit 18 Schlägen Rückstand auf den nordirischen Sieger Darren Clarke (-16/68+64+66+66) auf dem geteilten 55. Platz, der mit 6120 Euro honoriert wurde. Das magere Preisgeld kann Kaymer, der in diesem Jahr schon über eine Million Euro spielend verdient hat, finanziell leicht verschmerzen. Sportlich indes wirft es ihn weit zurück. Seine Chancen beim Ryder Cup in Louisville (Kentucky) vom 19. bis 21. September für die Europa-Auwahl gegen die besten amerikanischen Golfprofis zu spielen, sind kräftig gesunken.

          Was in Amerika einfach ist, wird in Europa kompliziert

          Die Europäer haben im Gegensatz zu den Amerikanern ein relativ kompliziertes Qualifikations-System, weil die besten Europäer mittlerweile als Globetrotter sowohl auf der European Tour als auch auf der nordamerikanischen PGA Tour spielen. Deshalb führen die Europäer zwei Listen, die vorrangige World Point List und die European Point List.

          Für die erste werden alle zwischen dem 6. September 2007 und dem 31. August 2008 gewonnen Weltranglistenpunkte addiert, für die European Point List wird jeder in diesem Zeitraum bei Turnieren, die zur europäischen Tour zählen (dazu gehören auch die vier Majors und die Turniere der World Golf Championship) gewonnene Euro in Punkte umgewandelt.

          Hansen und Wilson spielten besser als Kaymer

          Am Ende qualifizieren sich die ersten Fünf der World Point List und die besten fünf, nicht über die diese Rangordnung qualifizierten Profis der European Point List automatisch fürs Team. Der englische Kapitän Nick Faldo beruft am kommenden Sonntag am Ende des letzten Qualifikationsturniers, der Johnnie Walker Championship in Gleneagles/Schottland, zwei Spieler nach eigener Wahl, die so genannten „Captain's Picks“.

          Kaymer liegt derzeit in beiden Listen auf dem 10. Platz. Am vergangenen Montag schienen, seinen Chancen, als Letzter über die European Point List ins Team zu rücken noch sehr gut. Er lag nur 271,84 Euro/Punkte hinter dem Dänen Sören Hansen und 3311,84 hinter dem Engländer Oliver Wilson. Doch sowohl der Däne als auch der Engländer spielten an der niederländischen Küste viel besser als der Rheinländer.

          Kaymer als Captain's Pick? Fast ausgeschlossen

          Sören Hansen landete auf dem mit 58.500 Euro honorierten geteilten sechsten Platz, Wilson kassierte für den geteilten 20. Rang 20.100 Euro. Das bedeutet: Hansen hat ein Polster von 52.651,84 Euro/Punkten vor Kaymer, bei Wilson sind es 17.291,84 Euro/Punkte. Für Kaymer heißt das, er muss sich in Schottland weit vorne plazieren, mindestens unter den Top Ten - für den 5. Platz gibt es rund 74.000 Euro, für den 10. Platz rund 35.000 Euro - und Hansen und Wilson müssen weit zurück im geschlagenen Feld landen. Oder noch besser: Kaymer gewinnt das Turnier, kassiert 292,355 Euro und ist ganz sicher im Team.

          Denn einen anderen Weg ins Team als über die direkte Qualifikation scheint es für den deutschen Aufsteiger nicht zu geben. Dass ein unerfahrener Neuling von Kapitän Faldo berufen wird, kann fast ausgeschlossen werden. Als Favoriten für die beiden „Captain's Picks“ gelten die erfahrenen Ryder-Cup-Spieler Ian Poulter (England) und seit seinem überlegenem Sieg am Sonntag in Zandvoort der Nordire Darren Clarke.

          Dagegen steht das amerikanische Team bis auf die vier Spieler, die der amerikanische Kapitän Paul Azinger nach eigenem Gusto am 2. September benennen wird, seit der PGA Championship fest. Es sind, da der Spitzenreiter der amerikanischen Ryder-Cup-Rangliste Tiger Woods nach seiner Knieoperation ausfällt, folgende Profis: Phil Mickelson, Stewart Cink, Kenny Perry, Jim Furyk, Anthony Kim, Justin Leonard, Ben Curtis und Boo Weekley.

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