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Schefflers Golf-Kolumne : Lost in Victory

  • -Aktualisiert am

Ein Traum geht in Erfüllung: Points und Murray gewinnen das Profi-Promi-Turnier Bild: AFP

Für D.A. Points geht ein Traum in Erfüllung: Er spielt gemeinsam mit Schauspieler Bill Murray, dem Idol seiner Kindheit, beim Profi-Promi-Turnier und gewinnt auch noch. Murray, als Nervensäge gefürchtet, gibt ihm die nötige Lockerheit.

          D.A. Points kann jeden Satz, den Bill Murray als Assistant-Greenkeeper Carl Spackler in „Caddyshack“, dem Golffilm-Klassiker aus dem Jahre 1980 sprach, auswendig zitieren. „Bill Murray war als Kind mein Idol“, sagt der 34 Jahre alte Golfprofi über den 60 Jahre alten Schauspieler. Am Dienstag vergangener Woche trafen sich die beiden erstmals bei einer Abendveranstaltung zum Auftakt des AT&T Pebble Beach National Pro-Am persönlich.

          Die beiden Golfer verstanden sich auf Anhieb prächtig, vielleicht weil beide aus Illinois stammen. Der Komiker teilte dem Profi sofort seine Ziele mit für die gemeinsamen Golfrunden bei diesem Turnier, bei dem jeweils ein PGA-Tourspieler mit einer „Celebrity“, also einer Berühmtheit aus Show-Business, Sport oder Wirtschaft, auf die Runden geht und sowohl eine Einzelwertung für die Profis als auch eine Team-Wertung ausgetragen wird: Möglichst viel Spaß haben - und natürlich gewinnen!

          Der legendäre Bing Crosby rief das Turnier ins Leben

          Sowohl für den Berufssportler wie auch für den Mimen („Lost in Translation“) ein Ziel, das beide schon seit vielen Jahren vergeblich verfolgen. Points hatte in 127 Starts auf der PGA Tour nie besser als auf Rang drei abgeschnitten. Murray versuchte seit nunmehr zwanzig Jahren, endlich einmal in der Pro-Am-Wertung dieses Turniers, das auf drei Plätzen (Pebble Beach, Spyglass und Monterey Country Club) ausgetragen wird, zu triumphieren.

          Murray spielt nicht nur Golf, er gibt auch den lustigen Entertainer

          Am Sonntag ist die lange Durststrecke für beide zu Ende gegangen. Points gewann die Einzelwertung und 1,134 Millionen Dollar (rund 840.000 Euro) und sicherte sich erstmals eine Einladung zum Masters im April. Murrays Name wird jetzt auf der Tafel mit den Siegern dieses Turnier, das der legendäre Bing Crosby 1937 für seine Hollywood-Freunde ins Leben rief, am ersten Abschlag in Pebble Beach erscheinen.

          „So etwas hätte ich mir nicht einmal im Traum vorstellen können“

          Der Schauspieler aus Chicago freute sich über seinen Erfolg so sehr, dass er das Leaderboard (Tafel mit den Führenden) der Teamwertung, auf dem die Paarung Points/Murray mit -35 (35 unter Par) ganz oben stand, sofort kaufte - als Beweis, das auch er seinen Teil zum Team-Erfolg beigetragen hatte. Da Points die Einzelwertung mit 15 unter Par gewann, steuerte der Amateur mit Handicap -13 exakt 20 Schläge bei.

          „Es gab nur einen Weg, wie unser Sieg hätte verhindert werden können“, scherzte Murray, „wenn ich irgendwann in der Woche D.A. gefragt hätte, wofür diese beiden Buchstaben eigentlich stehen.“ Zu seiner Information: D.A. sind die Anfangsbuchstaben von Darren Andrews.

          Die Kollegen hatten ihn bedauert

          „So etwas hätte ich mir nicht einmal im Traum vorstellen können“, sagte Points: „In Pebble Beach, auf einem der schönsten Plätze der Welt zu gewinnen - und dann noch mit Bill Murray an meiner Seite.“ Wie Points unumwunden zugab, hatte der Komödiant auch an seinem Einzelsieg großen Anteil: „Als die Kollegen hörten, dass ich dieses Jahr mit Bill Murray spiele, haben sie mich bedauert“, erzählte Points, der natürlich wusste, dass viele Kollegen in der Vergangenheit darum gebeten hatten, nicht mit Murray spielen zu müssen, weil sie dessen Gebaren auf dem Platz nervt. „Aber er hat mir geholfen ganz locker und entspannt zu bleiben“, lobte Points seinen Partner.

          Murray spielt auf der Monterey-Halbinsel nämlich nicht nur Golf, er gibt auch den lustigen Entertainer. Er tritt in Aufzügen auf, die in jedem feinen Golf Club zum sofortigen Rauswurf führen würden, er unterhält mit ständigen Clownerien das Publikum.

          Als Points nach einem Eagle am 14. Loch, als er aus 91 Metern mit einem Gap-Wedge den Ball mit dem dritten Schlag ins Loch beförderte, die Führung übernommen hatte, kaufte Murray für die Zuschauer Eiscreme und nahm ab und an einen Schluck aus den Bierbechern der Fans.

          Endlich mal ein Sieger, den jeder kennt

          Als am 18. Loch sein Ball aus weiter Entfernung auf das Loch zurollte, lenkte er den noch in Bewegung befindlichen Ball wie im Film „Caddyshack“ ins Loch - im Golf natürlich ein grober Regelverstoß. Aber da Points' Putt zum Par nur noch eine Formsache war, Murrays Ergebnis an diesem Loch nicht mehr in die Wertung kam, konnte er sich diesen Spaß erlauben.

          Seit der Jazz-Saxophonist Kenny G, mit Handicap 0 der beste der Golfer unter den Showstars 2001 mit Phil Mickelson die Teamwertung holte (übrigens gemeinsam mit Tiger Woods und dessen Jugendfreund Carl Chang), hat endlich wieder einmal eine Berühmtheit gewonnen, die in den Vereinigten Staaten fast jeder kennt.

          Murray scherzte hinterher, er denke jetzt über eine Karriere als Profi nach - und überlegte es sich sofort anders. „Dann könnte ich ja nicht mehr mit einem Gentlemen wie D.A. Points zusammen spielen.“ Dass Points zu dieser Kategorie zählt, bewies er sofort nachdem er den Putt zum Sieg eingelocht hatte: Er bedankte sich bei den Fans höflich fürs Kommen.

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