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Schefflers Golf-Kolumne : Lektionen vom Putting-Guru aus Beaumont

  • -Aktualisiert am

Sie war die erste wichtige Schülerin von Dave Stockton: Michelle Wie Bild: REUTERS

Lange Abschläge sind gut fürs eigene Ego, heißt es unter Golfern, aber das Geld wird mit dem Putter verdient. Dave Stockton schafft das sogar, wenn er nicht mal selbst den Schläger führt.

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          Nirgends gilt der Satz mehr als im Profigolf: „Driving for show, putting for dough“. Lange Abschläge sind gut fürs eigene Ego und werden von Fans bestaunt, aber das Geld wird mit dem Putter verdient. Dave Stockton galt nie als einer der großen „ball striker“, als einer der den Ball mit Eisen und Hölzern perfekt trifft oder den Ball besonders weit schlagen konnte. Aber er war einer, der immer dann gewann, wenn er gewinnen konnte: zehn Siege auf der PGA Tour, darunter zwei Majors-Erfolge bei der PGA Championship (1970 und 1976), 14 Siege auf der Champions Tour - und fast alle Siege verdankte er seiner Fähigkeit, den Ball mit traumwandlerischer Sicherheit rollend ins Loch zu bugsieren.

          Das amerikanische Fachmagazin Golf Magazine bezeichnet ihn als einen der zehn größten Putter der Golfgeschichte. „Für ihn war Putten wie für einen Fisch das Schwimmen, ganz natürlich“, behauptet Phil Mickelson.

          Immer mehr Stars nehmen die Hilfe des Altmeisters in Anspruch

          Stockton machte auf den Grüns wenig Aufhebens: Für seinen Siegesputt bei der PGA Championchip 1976 nahm er sich inklusive Lesens der Puttlinie und Ausführung des Schlages exakt 15 Sekunden Zeit, verglichen mit den heutigen Stars, die sich gefühlte kleine Ewigkeiten auf den Grüns aufhalten, geradezu Speedgolf.

          Kann 500 Dollar die Stunde nehmen: Dave Stockton
          Kann 500 Dollar die Stunde nehmen: Dave Stockton : Bild: ASSOCIATED PRESS

          An seiner hurtigen Ausführung der letzten Schläge auf dem Grün wird sich heute leider keiner der Stars mehr orientieren. Aber seit die Amerikanerin Michelle Wie nach einer Putting-Lektion bei dem mittlerweile 68-jährige Südkalifornier im vergangenen Jahr beim Solheim Cup gegen die Europa-Auswahl fast jeden Putt lochte, nehmen immer mehr Stars der Branche die Hilfe des Altmeisters in Anspruch.

          Nach Michelle Wie kam Phil Mickelson - mit mindestens ebenso großem Erfolg. Zehn Tage nach der ersten Lehrstunde auf dem Grün gewann er die Tour Championship vor Tiger Woods, im April feierte er beim Masters seinen dritten Erfolg. Danach ließen sich die amerikanischen Profis Hunter Mahan, Sean O'Hair, Yani Tseng aus Taiwan, die 4. der Damen-Weltrangliste, um nur ein paar der Eleven zu nennen, vom neuen Wundermann der Branche in die Kunst des Puttens einweisen.

          Scotts meisterliche Vorstellung auf den Grüns

          Adam Scott, der am Sonntag in San Antonio die Texas Open gewann und damit seinen ersten Sieg nach einer zweijährigen Durststrecke feierte, gilt als ein Mann mit einem perfekten Schwung. Beim Ansprechen, beim Rückschwung, beim Abschwung und beim Durchschwung ist der 29-jährige Australier in einer perfekten Position, „on plane“ (auf der Ebene) wie es die Golflehrer nennen. Mit dem Schwung aus dem Lehrbuch hatte es der Profi aus Queensland bis auf Platz drei der Weltrangliste gebracht, aber urplötzlich verließ ihn sein Feingefühl auf den Grüns vollständig. „Ich habe beim Masters und bei der Quail Hollow Championship einfach jämmerlich geputtet“, sagte Scott.

          Höchste Zeit, zum Putting-Guru nach Beaumont in Kalifornien zu reisen. Am Sonntag, als in San Antonio die beiden Schlussrunden gespielt wurden, gab der Freund von Ana Ivanovic, der ehemaligen serbischen Weltranglistenersten im Tennis, geradezu eine meisterliche Vorstellung auf den Grüns. Erst als er den Sieg schon fast unter Dach und Fach hatte, schob er am letzten Loch aus einem Meter den Ball am Loch vorbei.

          Nicht daran interessiert, Wochenend-Hackern Geheimnisse zu verraten

          Was ist nun das Geheimnis von Dave Stockton, der mit seinen beiden Söhnen eine Short-Game-Clinic, also eine Golfschule für das kurze Spiel (Putten und Wedge-Schläge), in Südkalifornien betreibt? Ein paar Dinge verrät er: Der Putter sollte mindestens vier Grad Loft (Neidungswinkel) haben, die Hände sollte beim Ansprechen vor dem Ball sein („forward press“) und die Übungsputts sollte man immer hinter dem Ball, also auf der Linie zum Loch, machen, nie, wie es die meisten Golfer tun, neben dem Ball.

          Dave Stockton nimmt pro Stunde 500 Dollar, mindestens zwei Stunden müssen gebucht werden. Seine beide Söhne sind billiger: 100 Dollar pro Stunde. Das könnten sich zwar auch Amateure leisten, aber die Stocktons sind nicht daran interessiert, Wochenend-Hackern ihre Geheimnisse zu verraten. Dave Stocktons Ziel ist es, mit seinen Eleven, allesamt Tourspieler, eine langfristige Beziehung aufzubauen. Und je mehr Geld sie gewinnen, umso besser für ihn. Wie Caddies verlangt er einen prozentualen Anteil an den Einnahmen seiner Schüler - sicherlich ein rentables Geschäft. Mit Putten lässt sich auch Geld verdienen, wenn man nicht mehr selbst den Schläger führt.

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