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Schefflers Golf-Kolumne : Idol schlägt Schützling

  • -Aktualisiert am

Herzlicher Glückwunsch: Schwartzel gratuliert seinem Idol Ernie Els (r.) zum Sieg Bild: AP

Charl Schwartzel spielte schon als Jugendlicher mit seinem Idol Ernie Els Golf. Noch aber ist der Routinier in der Lage, seinen jugendlichen Nachahmer zu schlagen. Els braucht Siege wie den in Palm Beach für seinen Weg zurück an die Spitze.

          Charl Schwartzel verbringt die Wochen bis zum Masters (8. bis 11. April) in den Vereinigten Staaten. Er ist auch in dieser Woche mit seiner Verlobten ein gern gesehener Gast im Hause von Liezl und Ernie Els in Jupiter (Florida) - und die beiden Hausgäste müssen nicht im Garten schlafen. Die unbequeme Ruhestätte hatte Hausherr Els scherzhaft für den Fall angedroht, dass ihm sein Gast am Sonntag bei der CA Championship den Sieg und das erste Preisgeld von 1,4 Millionen Dollar (1,022 Millionen Euro) wegschnappen würde. „Ich habe den beiden jetzt zwei Wochen lang vorzügliches Essen und Weine serviert. Da schuldete er mir etwas“, hatte Els vor der Schlussrunde augenzwinkernd gesagt.

          Natürlich spielte Dankbarkeit am Sonntag auf dem „Blue Monster“ genannten Platz keine Rolle, auch wenn sich der 25-jährige Charl Schwartzel bei diesem Turnier der World Golf Championship im Doral Resort in Miami gezwungenermaßen mit dem zweiten Platz begnügen musste. Aber der war mehr als die 850.000 Dollar Preisgeld wert. „Herzlichen Glückwunsch. Damit hast du die Spielberechtigung für die PGA Tour“, sagte Els dem jungen Kollegen nachdem der letzte Putt gefallen war.

          Schwartzel, davon ist nicht nur Els überzeugt, wird seinen Weg im Profigolf machen: „Er schlägt den Ball unheimlich weit. Er wird der nächste Superstar aus Südafrika.“ Der junge Mann, in der Weltrangliste derzeit auf Rang 27 geführt, gilt als Überflieger - nicht nur weil er im Besitz einer Privatpiloten-Lizenz ist. Schon mit 17 Jahren wechselte mit Handicap +4 ins Profilager, gewann drei Jahre später sein erstes Turnier auf der europäischen Tour. Mittlerweile feierte er auf der Euro-Tour fünf Siege - übrigens genauso viele wie der gleichaltrige Martin Kaymer, der sich in Miami mit dem Iren Padraig Harrington und dem Amerikaner Matt Kuchar den mit knapp 426.000 Dollar dotierten dritten Platz teilte.

          Eines der größten Talente im Golf: Charl Schwartzel

          Schwartzel gewann in diesem Jahr die ersten beiden Turniere in Südafrika,. Derzeit führt er mit 1,248 Millionen Euro das „Race to Dubai“ an, die europäische Geldrangliste. Kaymer rangiert in dieser Einkommensstatistik mit 726.000 Euro auf Rang fünf. „Es kommt mir immer noch so vor, als sei Charl 15 Jahre alt“, sagte Els, der seinen jungen Landsmann kennt, seit er auf der Welt ist und ihn viele Jahre lang förderte. „Als Charl zwei Jahre alt war, habe ich mit seinem Vater George in Südafrika ein Vierer-Turnier für Amateure gewonnen“, erinnerte sich Els. Und Schwartzel sagt: „Von Kindesbeinen an war Ernie das große Vorbild für mich, mein Idol.“

          Comeback nach Problemen

          In den letzten beiden Jahren hatte Els allerdings nicht allzu viel Vorzeigbares im Profigolf geleistet. Seit zwei Jahren hatte er kein Turnier mehr gewonnen. Els galt einmal für zehn Wochen 1997 als der Beste der Zunft, aber dann kam Tiger Woods - und wohl kein anderer Weltklassegolfer litt wie Els unter der Dominanz des Superstars. 2006 verkündete Els einen Drei-Jahres-Plan, um Woods von der Spitze zu verdrängen. Daraus wurde nichts.

          Ein Kreuzbandriss beim Wassersport im Mittelmeer, private Probleme - bei seinem mittlerweile sieben Jahre alten Sohn Ben wurde Autismus diagnostiziert - warfen ihn zurück. Zuletzt hatte er 2008 die Honda Classis gewonnen. In der Weltrangliste war er auf Rang 20 zurückgefallen - aus „Big Easy“, dem alles so leicht zu fallen schien, war auf einmal ein Profi geworden, der sich verzweifelt bemühte, Anschluss zu halten.

          Vor dem Turnier in Miami hatte er täglich bis zum Einbruch der Dunkelheit an seinem Schwung gearbeitet. Er hatte mit Schwartzel Übungsrunden in Seminole und im Bears Club gespielt. „Ich bin jetzt vierzig Jahre alt“, sagte Els, „ich hatte eine schwere Zeit. Mir stehen die Haare zu Berge. Dieser Sieg bedeutet mir so viel.“

          Jetzt ist Els nicht nur als Achter, einen Platz hinter Kaymer, wieder unter die Top Ten der Hackordnung zurückgekehrt. Er gehört jetzt auch einem illustren Kreis an: Nur Tiger Woods (16 Siege), der Australier Geoff Ogilvy (3), der Amerikaner Phil Mickelson und der Nordire Darren Clarke (je 2) haben mehr als einmal bei Turnieren der World Golf Championship gesiegt, einer Turnierserie, die von den sechs großen Profi-Touren der Welt gemeinsam veranstaltet wird und bei der nur die Elite startberechtigt ist (in Miami waren 68 Spieler ohne Cut am Start).

          Feingefühl auf und rund ums Grün

          „Ich habe jetzt ein gutes Gefühl für das Masters“, sagte Els. Seit 2004, seit ihm Mickelson mit einem Birdie am letzten Loch den Sieg streitig machte, hat er in Augusta keine Hauptrolle mehr gespielt, sogar mehrfach den Cut verpasst. Aber nach seiner grandiosen Vorstellung, nach 66 Schlägen am Sonntag, mit denen er Schwartzel um vier, Kaymer, Harrington und Kuchar um sieben Schläge hinter sich ließ, gehört er zum Favoritenkreis für Augusta - ein Turnier, das für ihn, wie geschaffen scheint.

          Els schlägt den Ball weit und hoch. Er spielt den Ball am liebsten mit einer sanften Linkskurve (Draw). Er verfügt über ungeheures Feingefühl auf und rund ums Grün - alles Fähigkeiten, die in Augusta gefordert sind. Der 61. Sieg weltweit, der 17. auf der PGA Tour - und auf einmal hat Els wieder Zutrauen zu seinem Golfspiel gefunden - so schnell geht das manchmal im Golf. Ein Sieg und alles ist anders.

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