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Schefflers Golf-Kolumne : Golf ist für Tote - und für Töchter

  • -Aktualisiert am

„Wir reisen fast das ganze Jahr zu Turnieren durchs Land”, sagt Korda, „und ich bin der Fahrer” Bild: AFP

Als Tennisprofi konnte Petr Korda nicht viel mit dem Golfschläger anfangen. Im Gegensatz zu Ivan Lendl, der schon immer gerne und gut ein paar Löcher spielte. Heute wollen beide ihre begabten Töchter zu erfolgreichen Golf-Profis formen.

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          Petr Korda erinnert sich gut daran, wie ihm sein acht Jahre älterer Mentor Ivan Lendl während ihrer gemeinsamen Zeit auf der Tennis-Tour Golf schmackhaft machen wollte: „Er hat immer gesagt, 'Komm', lass uns Golf spielen gehen!' Aber ich habe immer gesagt: 'Golf ist für Tote.'“ Der aus Ostrau stammende, naturalisierte Amerikaner Lendl konnte selbst in seinen besten Tennistagen nicht von Hölzern und Eisen lassen - selbst am Tag vor seinem Sieg im Finale der US Open 1986 spielte er neun Löcher.

          Korda dagegen ist erst nach dem unrühmlichen Ende seiner Tenniskarriere (er wurde 1998 in Wimbledon positiv auf das Steroid Nandrolon getestet und kehrte nie mehr auf die Tour zurück) vom Golf-Bazillus angesteckt worden. Aber das Kuriose an der Geschichte: Heute sind die beiden Nachbarn in Bradenton in Florida - und haben ein gemeinsames Golf-Interesse: Sie wollen ihre begabten Töchter zu erfolgreichen Profis formen.

          Korda macht den Caddie für seine älteste Tochter Jessica

          Die Verbindung geht sogar noch weiter: Jessica Korda trainiert wie Lendls Töchter Marika, Isabelle und Daniela in Ivan Lendl's Champions Academy im benachbarten Sarasota, die talentierten Nachwuchs zu Tennis- und Golfprofis formen will - ganz nach dem Vorbild der IMG Bollettieri Academy in Bradenton, in der die Lendl-Töchter bis 2007 lebten. Mittlerweile kommt Korda, der Australian-Open-Champion von 1998 (Sieg gegen Marcelo Rios), kaum mehr dazu, selbst die Schläger zu schwingen - ganz im Gegensatz zu Lendl (Handicap 0), der fast täglich in einem der vier Clubs spielt, in denen er Mitglied ist und in denen er insgesamt 25 Mal die Clubmeisterschaften gewann.

          Jessica Korda liest das Grün - und Papa Petr steht dabei

          Aber auch Korda ist fast jeden Tag auf dem Golfplatz - als Caddie seiner ältesten Tochter Jessica. „Wir reisen fast das ganze Jahr zu Turnieren durchs Land“, sagt Korda, „und ich bin der Fahrer.“ Das Vater-Tochter-Duo hat vor allem in der letzten Woche erfolgreich zusammen gearbeitet. Jessica, die in Sarasota/Florida auf die Welt kam und Wert darauf legt Amerikanerin zu sein, obwohl sie auch einen tschechischen Pass besitzt, verlor am Sonntag erst im Finale der US Amateur Championship mit 2 und 1 in Charlotte (North Carolina) gegen die Kalifornierin Danielle Kang.

          Drei Töchter Lendls teilen die Golfpassion des Vaters

          Aber die unglückliche Niederlage - im Finale verließ Jessica Korda ihr Feingefühl auf den Grüns - ändert nichts an ihrem Berufswunsch. Die 1,80 Meter große Blondine will so schnell wie möglich Golfprofi werden. Mit einer Sondergenehmigung - normalerweise verlangt die LPGA Tour ein Mindestalter von 18 Jahren - will sie im Herbst an der Qualifikation für die lukrativste Damenserie im Golf teilnehmen.

          Dass Commissioner Michael Whan diese Genehmigung erteilt, scheint nur eine Formsache, denn dass Jessica Korda gut genug ist, mit Profis mitzuhalten, hat sie bereits bewiesen. 2008 (Platz 19) und 2009 qualifizierte sie sich für die Womens US Open. Im Vorjahr gelang ihr am Schlusstag gar als einzige Teilnehmerin eine Runde unter 70 Schlägen. Mit einer Finalrunde von 69 Schlägen lag sie am Ende auf Platz 26 gleichauf mit der damaligen Weltranglistenersten Lorena Ochoa aus Mexiko.

          Noch ist Lendl besser als seine Töchter

          Drei der fünf Töchter Lendls teilen die Golfpassion des Vaters, die beiden anderen, Isabells Zwillingschwester Caroline und das zwölfjährige Nesthäkchen Nikola, sind begeisterte Reiterinnen und nehmen an Vielseitigkeitswettbewerben teil. Marika (20 Jahre) und die ein Jahre jüngere Isabelle spielen für die Mannschaft der University of Florida. Vor allem Isabelle, die sich im Alter von zwölf Jahren 2004 als bisher jüngste Spielerin für die US Womens Open qualifizierte, wird zugetraut, spielend ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Und auch die Zweitjüngste der Familie, die 17-jährige Daniela, gilt als großes Talent.

          Noch allerdings legt Lendl, der bereits zwei Mal, 1995 und 1996 einen, allerdings wenig erfolgreichen Ausflug auf die Czech Open der European Tour in Marienbad wagte, Wert auf die Tatsache, dass noch immer er der beste Golfer der Familie sei: „Erst wenn sie mich von den selben Abschlägen besiegen, sind sie besser als ich.“

          Beide haben die Golfkarrieren ihrer Töchter im Auge

          Mittlerweile ist Lendl 50 Jahre alt. Die Pläne, sein Glück gegen ehemalige Weltklassespieler auf der Champions Tour zu versuchen, hat er fürs erste aufgegeben. Er hat eingesehen, dass selbst einen Scratch-Golfer von diesen turniererprobten Veteranen Welten trennen. Er genießt den Wettbewerb mit Freunden in seinen Clubs und spielt linkshändig - als Tennisprofi war er Rechtshänder - gelegentlich auf der „Celebrity Tour“, auf der Größen aus Sport und Show-Biz um Preisgeld kämpfen.

          Aber wie der 42-jährige Korda hat er vor allem die Golfkarrieren seiner Töchter im Auge. „Petr und ich sind Freunde. Unsere Kinder trainieren zusammen in der Academy. Wenn er eine Frage hat, helfe ich gerne“, sagte Lendl - ganz so wie in alten, gemeinsamen Tennistagen.

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