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Schefflers Golf-Kolumne : Götterdämmerung in der Sixtinischen Kapelle

  • -Aktualisiert am

Entscheidung im Wilden Westen: Der malerische Pazifik sieht einen eindeutigen Sieger Bild: AFP

Woods gegen Mickelson, das war einst wie Wyatt Earp gegen Doc Holliday, der „Gunfight at the O.K. Corral“ des Golf. Es war. Inzwischen demütigt Mickelson den einstigen Dominator - doch selten war es so deutlich wie am vergangenen Sonntag.

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          Ist Woods nur noch ein zahnloser Papiertiger? Noch immer zieht der 36-jährige Kalifornier am Sonntag ein Kleidungsstück mit seiner Glücksfarbe rot an, noch immer folgen und unterstützen ihn ganze Heerscharen von Fans. Aber aus dem einstigen Dominator des Golfs, der einst Angst und Schrecken unter den Konkurrenten verbreitete, ist einer unter vielen mit einem farbigen Hemd geworden.

          Zum dritten Mal bei seinen letzten drei Teilnahmen an offiziellen Turnieren verschiedener Veranstaltungsserien (Australian Open, Abu Dhabi HSBC Championship und AT&T Pebble Beach National ProAm) lag der langjährige Weltranglistenerste vor dem Schlusstag in Führung oder Lauerstellung - zum dritten Mal ließ er sich den Sieg entreißen.

          Aber nirgends wurde der einstige Überflieger so gedemütigt wie am Sonntag in der Finalrunde des AT&T Pebble Beach National ProAm an der malerischen Pazifikküste entlang des „17-Mile-Drive“ auf der Monterey-Halbinsel in Nordkalifornien.

          Phil Mickelson, mit dem Tiger Woods eine innige gegenseitige Abneigung verbindet, deklassierte seinen alten Erzrivalen um sage und schreibe elf Schläge. In Zahlen: Mickelson 64, Woods 75. Während der Linkshänder aus San Diego grandioses Golf spielte und zweimal, als er Gefahr lief, ein Bogey zu kassieren, den Ball aus zehn Metern ins Loch bugsierte, schob Woods, einst als bester Putter der Welt gerühmt, gleich fünf Mal den Ball aus Entfernungen von 1,50 Meter und weniger am Loch vorbei. Am Ende hatte Sieger Mickelson den Par-72-Platz drei Schläge besser gespielt als der Nächstbeste im Feld der 68 Profis, die die Schlussrunde erreicht hatten.

          Ein höheres Ergebnis als Woods erzielten dagegen nur vier Profis. Ja, am Ende wurde gar gespottet, dass bei diesem Turnier, bei dem neben der Einzelwertung für Profis auch noch eine ProAm-Wertung (jeweils ein Profi und ein Amateur bilden ein Team) ausgetragen wird, Woods in seinem Vierer-Flight am Sonntag nur der drittbeste Golfer hinter Mickelson und seinem Amateur-Partner Tony Romo, dem Quarterback der Dallas Cowboys (Handicap 0), gewesen sei.

          Sie nennen es die „Sixitinische Kapelle“ des Golf: Pebble Beach Links Bilderstrecke

          Am Ende kam Woods auf dem geteilten 15. Rang ein. Wie tief der Stachel dieser Demütigung saß, zeigte ein Faux-pas von Woods: Am Ende missachtete er die Golf-Etikette, die verlangt, dass der Turniersieger den letzten Putt auf dem letzten Grün ausführt. Woods, dessen Eagle-Putt 80 Zentimeter hinter dem Loch liegen geblieben war, wartete bis Mickelson seinen Ball zum Birdie aus knapp zwei Metern ins Loch gerollt hatte. Es half nichts. Woods brachte auch aus dieser kurzen Distanz den Ball nicht ins Loch.

          Dabei schien das Bühnenbild für ein grandioses Comeback von Woods geradezu perfekt: die Pebble Beach Links, ein Platz, der als die „Sixtinische Kapelle des amerikanischen Golf“ gilt, dazu sein langjähriger ärgster Konkurrent Mickelson, der nach drei Runden zwei Schläge mehr als Woods auf dem Konto hatte, als Mitspieler, zwei Schwergewichte, die zusammen 110 (Woods 71, Mickelson 39) Turniere der PGA Tour gewonnen und die jahrelang die Positionen eins und zwei der Hackordnung belegt hatten - die Golfversion der Western-Klassiker „High-Noon“ (deutscher Titel: Zwölf Uhr Mittags) oder dem „Gunfight at the O.K. Corral“ (Zwei rechnen ab).

          Woods hatte nach Runden von 68,68 und 67 in Lauerstellung auf Platz drei gelegen, vier und drei Schläge hinter Charlie Wi und dem Amerikaner Ken Duke, zwei Hinterbänklern der Branche, die gemeinsam 302 Turniere auf der PGA Tour bestritten und davon kein einziges gewonnen hatten.

          „Er inspiriert mich zu Höchstleistungen“

          Spitzenreiter Charlie Wi, ein 40 Jahre alter Koreaner, der Zehnjähriger mit seinen Eltern nach Kalifornien übergesiedelte war, zeigte sich auch gleich tief beeindruckt von seinen Verfolgern. Er benötigte gleich am ersten Grün vier Putts und hatte mit dem Kampf um den Siegespreis von 1,152 Millionen Dollar (rund 760.000 Euro) nie mehr etwas zu tun, auch wenn er sich am Ende erholte und wenigsten noch auf Platz zwei einkam. Woods dagegen konnte nur staunend zuschauen, wie Mickelson großartiges Golf zelebrierte und die Bilanz in den bisher 30 internen Duellen ausglich.

          Jeder der beiden entschied jetzt 13 Matches für sich, vier Mal ging es remis aus. Doch noch beunruhigender für Woods ist das Ergebnis in den zwölf gemeinsamen Runden seit 2007: acht Mal spielte Mickelson besser, einmal ging es unentschieden aus. „Er hat mir früher immer ganz schön den Hinter versohlt“, sagte Mickelson, „aber in den letzten Jahren bin ich in den Duellen gegen Woods immer ganz besonders konzentriert. Er inspiriert mich zu Höchstleistungen.“

          Immer wieder die gleichen Worte

          Woods dagegen klang wie immer in den letzten Monaten. Er lobte die Fortschritte, die er unter seinem neuen Coach, dem Kanadier Sean Foley, gemacht habe, aber ansonsten kamen nur ein paar lahme Entschuldigungen: „Ich wollte einen guten Start erwischen, aber das ist mir nicht geglückt. Es war ein frustrierender Tag. Ich habe beim Putten die Linie nie gesehen, mich auf den Grüns nie wohlgefühlt. Aber ich habe nicht so schlecht gespielt, wie es das Ergebnis vermuten lässt.“

          Auch das hört man von dem einstigen Überflieger seit seinem Unfall, der seine privaten Eskapaden ans Tageslicht brachte, immer wieder. Doch vor allem zählen diese Fakten: Woods hat seit 27 Monaten kein offizielles Turnier mehr gewonnen (bei seinem vorweihnachtlichen Sieg bei seinem von keiner Tour sanktionierten Einladungsturnier musste er nur 17 Konkurrenten besiegen); 29 Monate ist es her, dass er auf der PGA Tour triumphierte - und man muss gar fast vier Jahre zurück gehen, um Woods letzten und 14. Major-Sieg (US Open 2008) zu finden.

          Der Rekord von Jack Nicklaus mit 18 Erfolgen bei den vier Traditionsturnieren scheint derzeit unendlich weit entfernt - wahrscheinlich noch weiter als ihm am Sonntag Mickelson enteilte.

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