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Schefflers Golf-Kolumne : Ein Held namens Yang

  • -Aktualisiert am

Unter der Sonne Minnesotas: Y.E. Yang hatte zuvor erst ein Turnier auf der PGA Tour gewonnen Bild: AFP

Die vier Golf-Großereignisse des Jahres 2009 kann man unter einer Überschrift einordnen: die Majors der Spielverderber. Höhepunkt der Sensationen ist Tiger Woods' Entzauberung bei der PGA Championship durch den Südkoreaner Y.E. Yang.

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          Die vier Golf-Großereignisse des Jahres 2009 kann man unter einer Überschrift einordnen: die Majors der Spielverderber. Am Sonntag verdarb ein weitgehend unbekannter Profi namens Yong-Eun (Y.E.) Yang dem Branchenprimus Tiger Woods seinen 15. Sieg bei einem der vier Traditionsturniere. Aber mehr noch: Der 37-jährige Südkoreaner aus Seoul entriss dem 33-jährigen Superstar ein Turnier, das er drei Tage fest im Griff hatte. Der 110. der Weltrangliste schaffte, woran sich etablierte Stars wie Phil Mickelson, Ernie Els, Sergio Garcia, Vijay Singh oder Padraig Harrington die Zähne ausgebissen hatten.

          Der Spätstarter, der erst mit 19 Jahren zum Golfsport gewechselt war, machte im direkten Zweikampf mit dem amerikanischen Favoriten auf der Schlussrunde der 91. PGA Championship in Chaska (Minnesota) nicht nur einen Rückstand von zwei Schlägen wett, er verwandelte ihn am Ende zu einem sicheren Sieg mit drei Schlägen Vorsprung. Yang gewann als erster Asiate eines der vier Majors - und Woods hatte nach 14 Siegen aus der Pole Position bei den Eckpfeilern der Saison erstmals einen Vorsprung nicht ins Ziel bringen können.

          Das fast Undenkbare passierte

          Auch auf dem Platz des Hazeltine National Golf Clubs triumphierte ein Außenseiter, ein Profi, der wie schon die anderen Major-Sieger des Jahres eine fast schon wunderbar verfasste Heldengeschichte umschrieb. Beim Masters verhinderte der Argentinier Angel Cabrera, dass sich der Amerikaner Kenny Perry mit 48 Jahren als ältester Major-Sieger feiern lassen konnte. Bei den US Open verdarb Lucas Glover dem Publikumsliebling Phil Mickelson das Happy-End, die Trophäe zu seiner krebskranken Frau heimzubringen. Bei den British Open wurden alle Hoffnungen auf die vielleicht schönste Story, auf den Sieg des 59-jährigen Altmeisters Tom Watson, von Stewart Cink zunichte gemacht.

          Auf dem Weg zur Entscheidung: Yang nähert sich Woods (im Hintergrund) am 16. Loch
          Auf dem Weg zur Entscheidung: Yang nähert sich Woods (im Hintergrund) am 16. Loch : Bild: AFP

          Aber keiner dieser Erfolge sorgte für solche Schockwellen wie der Erfolg des nur 1,75 Meter großen ehemaligen Gewichthebers Yang, der sich noch im Vorjahr in der Tour School für die PGA Tour hatte qualifizieren müssen und im Frühjahr in Florida (Honda Classic) seinen ersten Erfolg gefeiert hatte. Woods war mit der Empfehlung von zwei Siegen in den beiden Vorwochen in dieses Turnier gegangen. Er hatte vom ersten Tag an geführt, er hatte seit neun Jahren keinen Kollegen mehr an sich vorbeiziehen lassen, wenn er mit zwei oder mehr Schlägen Vorsprung auf die Schlussrunde gegangen war. Warum diesmal das fast Undenkbare passierte, ist leicht erklärt. In den Worten von Woods: „Y.E. hat vorzüglich gespielt und nur einen einzigen Fehler mit drei Putts am 17. Loch gemacht. Ich habe den Ball gut genug getroffen, um das Turnier zu gewinnen, aber nicht gut genug geputtet. Man muss den Ball eben ins Loch bringen.“ Genau das gelang Woods an diesem Sonntag nicht. Die Statistik spricht eine eindeutige Sprache: Woods benötigte 33 Putts, für Profis eine indiskutable Zahl, und er lochte nur einen Putt aus mehr als 1,50 Meter Entfernung.

          Woods hatte einfach einen der Tage erwischt, den jeder Golfer kennt: Der Ball rasiert immer wieder die Lochkante, aber er will einfach nicht in das 10,8 Zentimeter große Loch fallen. An einem Tag, an dem irische Titelverteidiger Padraig Harrington, der die Schlussrunde wie Yang mit zwei Schlägen Rückstand auf Woods begonnen hatte, am 8.Loch (Par 3, 161 Meter) zwei Bälle im Wasser versenkte und nach acht Schlägen aus dem Rennen war, fiel die Entscheidung in dem Zweikampf zwischen Woods und Yang erst am 14. Loch.

          Auch Kaymer hatte Grund zur Freude

          Der Koreaner schlug aus 20 Metern den Ball mit einem flachen Annäherungsschlag zum Eagle ins Loch, Woods musste sich mit einem Birdie begnügen. Diese Führung gab Yang nicht mehr ab. Er krönte seinen Triumph mit einem Birdie am Schlussloch, als er den Ball aus 187 Metern vier Meter an die Fahne legte und die Runde mit 70 Schlägen abschloss. Woods schob den zu diesem Zeitpunkt schon bedeutungslosen Putt zum Par vorbei und beendete die Schlussrunde mit 75 Schlägen. Yang stemmte nach dem Sieg seine Golftasche hoch und freute sich wie ein Schneekönig: „Das ist vielleicht mein letzter Sieg als Golfer“, sagte er, „aber es ist ganz sicher ein großartiger Tag.“

          Aber nicht nur Yang hatte Grund zur Freude. Der Mettmanner Martin Kaymer rückte nach einer Schlussrunde von 73 Schlägen zwei Plätze nach vorne und teilte sich den sechsten Platz mit drei Kollegen, seine erste Top-Ten-Plazierung bei einem Major. Mit den 233.125 Dollar Preisgeld führt der Rheinländer jetzt die europäische Geldrangliste, das „Race to Dubai“, mit knapp zwei Millionen Euro an.

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