https://www.faz.net/-gtl-782kv

Schefflers Golf-Kolumne : Dolch zwischen den Zähnen

  • -Aktualisiert am

Scharfes Schmuckstück: Marcel Siem darf die wertvolle Wandertrophäe für ein Jahr mit nach Hause nehmen Bild: Getty Images

Golfprofi Marcel Siem freut sich zu früh: Der Triumph beim Turnier in Agadir reicht wider Erwarten nicht, um sich für das Masters in Augusta zu qualifizieren. Er müsste für seinen großen Traum noch einmal gewinnen - das wäre ein kleines Wunder.

          3 Min.

          Erst himmelhoch jauchzend, dann zu Tode betrübt. Marcel Siem charterte am Ostersonntag in Agadir einen Lear-Jet, um rechtzeitig in Düsseldorf die Linienflüge nach San Antonio zu erreichen. Er hatte den Privatflieger im Glauben bestiegen, sich nach dem sonntäglichen Triumph bei der Trophée Hassan II auf dem Weg zum letzten Vorbereitungsturnier für das Masters zu befinden.

          Stattdessen ist die Texas Open nun die allerletzte Chance für den 32-jährigen Golfprofi, sich doch noch für das Stelldichein der Meister des Spiels in der nächsten Woche (11. bis 14. April) zu qualifizieren. Aber dazu müsste Siem noch einmal gewinnen, denn nur der Sieger - sollte er nicht auf andere Weise qualifiziert sein - wird noch einen Platz im derzeit nur 90 Spieler starken Feld in Augusta ergattern.

          Als der Ratinger nach der Landung in Düsseldorf sein Mobiltelefon einschaltete, hörte er die Hiobsbotschaft. Sein Triumph auf dem Platz rund um den königlichen Palast in Agadir hatte wider Erwarten doch nicht gereicht, sich vom 72. Platz der Weltrangliste unter die Top 50 zu schieben, die mit dieser Plazierung am Stichtag 1. April noch ein Ticket für Augusta lösen. Siem steht im aktuellen Branchenranking nur auf dem 51. Platz - 0,04 Punkte hinter Russel Henley.

          Der Amerikaner schob sich mit einer guten Schlussrunde bei der Houston Open in Humble (Texas) von 68 Schlägen noch auf den geteilten 45. Platz vor und heimste dabei genug Punkte ein, um unter den besten fünfzig Profis der Welt zu bleiben. Was die Sache für Siem noch bitterer macht: Henley hätte ohne Folgen aus diesen Elitekreis herausrutschen können. Als Sieger der Sony Open auf Hawaii im Januar war er - wie alle Sieger regulärer Turniere der PGA Tour - ohnehin für das erste Major des Jahres qualifiziert.

          Die Grüns in Texas sprechen gegen Siem

          „Das ist extrem ärgerlich“, sagte Siem, nachdem die erste Enttäuschung überwunden war. „Ich will jetzt meine gute Form mit nach Texas nehmen. Wenn sich irgendwie die Chance bietet, werde ich alles daransetzen, das Turnier zu gewinnen.“ Natürlich weiß Siem, dass nicht nur die Zeitumstellung, sondern vor allem die ganz anderen Grüns in Texas gegen ihn sprechen. Für die Texas Open meldete der Weltranglistenzweite Rory McIlroy (Nordirland) nach, der in Houston als 45. auch unter „ferner liefen“ landete und noch immer seine Form sucht.

          Siem, der erst am Samstag eine Einladung zum letzten Aufgalopp vor dem Masters erhalten hatte, glänzte dagegen in Nordafrika. Mit einer Auftaktrunde von 64 Schlägen hatte er schon nach dem ersten Tag mit drei Schlägen geführt, nach dem zweiten Tag lag er immer noch mit drei, nach dem dritten gar mit vier Schlägen in Front.

          Bilderstrecke

          Am Ende feierte der Rheinländer den Start-Ziel-Sieg nach Runden von 64, 68, 69 und 70 mit insgesamt 271 Schlägen und mit drei Schlägen Vorsprung vor dem Engländer David Horsey und dem Finnen Mikko Ilonen (beide 274). Es war das erste Mal in seiner Karriere, dass Siem als Führender in der Schlussrunde abgeschlagen hatte. Bei seinen beiden ersten Erfolgen auf der European Tour, 2004 bei der Dunhill Championship in Südafrika und im Vorjahr bei Open de France, war er jeweils mit zwei Schlägen Rückstand auf den Spitzenreiter auf die letzten 18 Löcher gegangen.

          Die Situation war für Siem so ungewohnt, dass er am Samstagabend Hilfe bei Bernhard Langer suchte, einem Routinier, mit dem er 2006 den World Cup gewonnen hatte. Per Telefon aus Florida riet ihm der 55 Jahre alte Altmeister, auf den ersten neun Löchern nie auf die überall auf dem Platz stehenden Leaderboards (Tafeln mit den Führenden) zu schauen und weder sonderlich defensiv noch allzu aggressiv zu Werke zu gehen. Siem hielt sich daran, bewahrte die Ruhe, auch als Ilonen mit einem furiosen Start - vier Birdies auf den ersten sieben Löchern - zeitweise zu ihm aufgeschlossen hatte.

          Es müsste schon ein Wunder geschehen

          Als er aus der Hand des marokkanischen Prinzen Moulay Rachid, eines begeisterten Hobbygolfers (Handicap 12), einen Scheck über 250.000 Dollar entgegen genommen und für die Fotografen auf die Trophäe, einen wertvollen, mit Juwelen verzierten Dolch samt Scheide, gebissen hatte, freute er sich überschwänglich - am meisten aber über den zu diesem Zeitpunkt höchstwahrscheinlichen ersten Auftritt in Augusta: „Schon als kleines Kind habe ich davon geträumt, eines Tages dort mitzuspielen. Wenn ich erstmals diesen Platz betrete, werde ich vielleicht nicht weinen, aber es wird ein sehr emotionaler Augenblick sein.“

          Mit dieser Vorfreude hatte er den Ort seines Triumphs am Sonntagabend verlassen. Es müsste nun jedoch schon ein kleines Wunder geschehen, damit Siem gemeinsam mit Langer, der als zweimaliger Sieger (1985 und 1993) ein lebenslanges Startrecht besitzt sowie Martin Kaymer, der als PGA Champion von 2010 und 31. der Weltrangliste gleich zwei Qualifikationskriterien erfüllt, beim Masters antreten kann.

          Weitere Themen

          Rhein-Derby vor leeren Rängen Video-Seite öffnen

          Düsseldorf gegen Köln : Rhein-Derby vor leeren Rängen

          Am Wochenende trifft Fortuna Düsseldorf auf den 1. FC Köln. Doch auch das Rhein-Derby muss in dieser Saison ohne die Fans stattfinden. Doch auch als Geisterspiel sei das Aufeinandertreffen der beiden Vereine etwas Besonderes, wie beide Trainer beteuerten.

          Topmeldungen

          TUI hatte in mehreren Schritten 61 Maschinen der 737-Max-Reihe bestellt, von denen 15 infolge von Flugverboten am Boden bleiben mussten.

          F.A.Z. exklusiv : TUI und Boeing einigen sich auf Schadenersatz

          Nicht nur die Corona-Pandemie macht TUI zu schaffen – auch das teure Debakel um die 737 Max lastete bis zuletzt auf dem Reisekonzern. Nun aber gibt es zumindest eine gute Nachricht in der Krise.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.