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Schefflers Golf-Kolumne : Die Nachteile der Langsamkeit

  • -Aktualisiert am

Padraig Harrington hadert mit dem Zeitdruck: Der Ire verspielte einen Turniersieg Bild: AFP

Die besten Spieler mit den wenigsten Schlägern brauchen immer mehr Zeit für eine Runde Golf. Einem Schiedsrichter wurde es am Wochenende zu bunt. Er trieb Padraig Harrington zur Eile - und zu Fehlern.

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          Langsames Spiel, Runden, die fünf oder fünfeinhalb Stunden dauern, sind im Profigolf keine Seltenheit - und leider macht das Vorbild der Profis auch unter Amateuren Schule. Golfverbände in aller Welt versuchen mit Kampagnen gegen „slow play“ das Spiel zu beschleunigen, aber gerade die Besten in der Welt, die viel weniger Schläge benötigen als Amateure, spielen immer langsamer - ein Trend, der auch auf vielen Plätzen von Hobbyspielern übernommen wurde. Das ist zwar für viele Golfer und natürlich auch für die Betreiber der Plätze ein Grauen. Wer schon einmal in Schottland mit Schotten gespielt hat, weiß, dass selbst Vierer-Flights in dreieinhalb Stunden 18 Löcher absolvieren können, ohne über den Platz zu rennen.

          Auf den Profitouren der Welt gibt es klare Vorgaben, wie lange Spieler für eine Runde von 18 Löchern benötigen dürfen. Auf der PGA Tour sind es für Zweier-Flights exakt vier Stunden, für Dreier-Flights 4:45 Stunden. Außerdem sind die Profis gehalten, nicht den Anschluss an die vor ihnen spielende Gruppe zu verlieren. Aber diese Maßgabe wird allzu oft ignoriert. Es gibt im Profigolf notorische Trödler, einer davon ist der Ire Padraig Harrington, der als gelernter Buchhalter auf dem Platz mit methodischer Bedächtigkeit vorgeht. Aber weil Harrington im Gegensatz zu den als „Schnecken“ verschrienen Kollegen Ben Crane oder Glen Day (Spitzname All Day) als dreimaliger Major-Sieger zu den Stars gehört, wurde das bisher akzeptiert.

          Woods und Harrington trödelten zu viel

          Am Sonntag wagte es John Paramour, der oberste Platzrichter der europäischen Tour, in der Schlussrunde der Bridgestone Invitational gleich zwei der Stars der Branche, dazu auch noch zwei, die um den Sieg kämpfen, zu mehr Eile anzutreiben. Tiger Woods und Padraig Harrington waren bereits nach 11 Löchern 13 Minuten langsamer als die vorgegebenen Zwischenzeiten. Paramour ermahnte darauf den Amerikaner und den Iren. „Ich dachte, dass sie danach die verlorene Zeit aufholen würden“, sagte der Engländer.

          Zwei Golfspieler, die gerne trödeln: Harrington und Woods (r.)
          Zwei Golfspieler, die gerne trödeln: Harrington und Woods (r.) : Bild: REUTERS

          Das Gegenteil war der Fall, die beiden fielen immer weiter zurück. Vor dem 16. Abschlag griff Paramour zu dem in diesen Fällen üblichen Beschleuniger für Trödler: Sie wurden, wie es in der englischen Fachsprache heißt, „put on the clock“.

          Seit 1982 kein Strafschlag für langsames Spiel

          Von da an werden die Herren mit einer Stoppuhr begleitet, es werden die Zeiten gemessen, wie lange sie sich für jeden Schlag Zeit nehmen. Sobald die Spieler ihren Ball erreichen haben sie 40 Sekunden Zeit, den Schlag auszuführen, der Spieler, der zuerst schlagen muss, erhält zusätzlich 20 Sekunden. „Wir hatten keine andere Wahl“, sagte Paramour „die 16. Spielbahn war schon frei, als die beiden noch auf dem 15. Grün waren.“ Dass Spieler mit der Stoppuhr begleitet werden, kommt schon einmal vor.

          Aber zum nächsten Mittel, zum einzigen, das den Herren wirklich Beine machen würde, ihnen bei weiteren Verzögerungen einen Strafschlag und 5000 Dollar Geldbuße aufzubrummen, wird so gut wie nie gegriffen: Der letzte Spieler, der auf der PGA Tour wegen langsamen Spiels einen Strafschlag erhielt, war Dillard Pruitt 1982 bei der Byron Nelson Classic, pikanterweise ein Mann, der nach dem Ende seiner Laufbahn jetzt selbst als Platzrichter für die PGA Tour arbeitet.

          Woods profitierte von der Hektik

          Aber soweit kam es nicht - und trotzdem klagte Woods, dass die Stoppuhr den Ausgang des Turniers bestimmte. Nach der Runde wurde der Sieger gefragt, was das Turnier entschieden habe. War es sein Zauberschlag mit dem Achter-Eisen aus 163 Metern, nach dem der Ball am 16. Loch zwanzig Zentimeter neben der Fahne zur Ruhe kam oder war es die Tatsache, dass sich Harrington gehetzt fühlte und ihm deshalb ungewohnte Fehlschläge, einer davon ins Wasser, unterliefen? „Beides“, antwortete Woods „mein Schlag hat ihn sicherlich unter Druck gesetzt.“Seiner Meinung nach hätte Harrington ohne den Zwang zur Eile allerdings höchstens ein Bogey gespielt.

          Aber nach einem Triple-Bogey des Dubliner und einem Birdie des amerikanischen Weltranglistenersten war das Duell entschieden. Aus einem Schlag Rückstand von Woods waren innerhalb weniger Minuten drei Schläge Vorsprung geworden. Am Ende waren es dann vier, als Woods seinen siebten Erfolg bei diesem Turnier der World Golf Championship mit einem Birdie am 18. Loch krönte. „Schade, dass sich John (Parmaour) in unseren schönen Zweikampf einmischen musste“, sagte Woods hinterher zu dem Kollegen. Später fügte er noch an: „Er musste schnell zu seinem Ball gehen und ihn schlagen. Aber in so einer Situation muss man sich Zeit nehmen und sich genau überlegen, was man tun will.“ Die Schiedsrichter-Schelte brachte dem Golfstar übrigens im Nachklang eine Geldstrafe in unbekannter Höhe ein.

          Im Teich versanken die Hoffnungen

          Harrington hingegen sah die Sache etwas nüchterner: „Es gibt halt Regeln. Wenn man gestoppt wird, will man nicht in Situationen geraten, in denen man lange überlegen muss. Aber ich war am 16. Loch genau in diesen misslichen Lagen nach dem ersten, dem zweiten und dem dritten Schlag - und habe mich so aus dem Turnier geschossen.“ Vor allem der vierte Schlag, als Harrington versuchte, den Ball aus dem tiefen Rough mit einem hohen „Flop-Shot“ nahe an die Fahne zu bringen, speiste die Diskussion.

          Hätte Harrington sich bei ohne die Stoppuhr im Nacken auch für diese riskante Schlagvariante entschieden? Eine Frage, die niemand mit Sicherheit verneinen oder bejahen kann. So bleibt festzuhalten: Der Ball landete im Teich vor dem Grün und mit ihm versanken allen Chancen auf den Siegespreis von 1,4 Millionen Dollar. Harrington musste sich den zweiten Platz mit dem Australier Robert Allenby teilen - aber das Trostpflaster von 665.000 Dollar kann sich ja auch sehen lassen.

          Immerhin: Es war Harringtons beste Plazierung in diesem Jahr. Erstmals nach den Abu Dhabi Championships landete er wieder unter den Top Ten bei einem Turnier, erstmals trug seine Schwungumstellung (siehe: British Open: Wie ein Jonglierkunststück) Früchte. Und die Gelegenheit zur Revanche bietet sich Harrington schon von Donnerstag bis Sonntag. In Chaska, einem Vorort der Twin-Cities von Minneapolis/St. Paul (Minnesota), wird die PGA Championship ausgetragen - und in den ersten beiden Runden spielen Harrington und Woods wieder gemeinsam, allerdings diesmal mit einem Dritten im Bund: Rich Beem, der 2002 Woods den Sieg bei diesem letzten Major des Jahres auf dem Platz des Hazeltine National Golf Clubs in Chaska vor der Nase wegschnappte. Mal sehen, wie lange die drei Herren sich Zeit lassen.

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