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Schefflers Golf-Kolumne : Die Nachteile der Langsamkeit

  • -Aktualisiert am

Woods profitierte von der Hektik

Aber soweit kam es nicht - und trotzdem klagte Woods, dass die Stoppuhr den Ausgang des Turniers bestimmte. Nach der Runde wurde der Sieger gefragt, was das Turnier entschieden habe. War es sein Zauberschlag mit dem Achter-Eisen aus 163 Metern, nach dem der Ball am 16. Loch zwanzig Zentimeter neben der Fahne zur Ruhe kam oder war es die Tatsache, dass sich Harrington gehetzt fühlte und ihm deshalb ungewohnte Fehlschläge, einer davon ins Wasser, unterliefen? „Beides“, antwortete Woods „mein Schlag hat ihn sicherlich unter Druck gesetzt.“Seiner Meinung nach hätte Harrington ohne den Zwang zur Eile allerdings höchstens ein Bogey gespielt.

Aber nach einem Triple-Bogey des Dubliner und einem Birdie des amerikanischen Weltranglistenersten war das Duell entschieden. Aus einem Schlag Rückstand von Woods waren innerhalb weniger Minuten drei Schläge Vorsprung geworden. Am Ende waren es dann vier, als Woods seinen siebten Erfolg bei diesem Turnier der World Golf Championship mit einem Birdie am 18. Loch krönte. „Schade, dass sich John (Parmaour) in unseren schönen Zweikampf einmischen musste“, sagte Woods hinterher zu dem Kollegen. Später fügte er noch an: „Er musste schnell zu seinem Ball gehen und ihn schlagen. Aber in so einer Situation muss man sich Zeit nehmen und sich genau überlegen, was man tun will.“ Die Schiedsrichter-Schelte brachte dem Golfstar übrigens im Nachklang eine Geldstrafe in unbekannter Höhe ein.

Im Teich versanken die Hoffnungen

Harrington hingegen sah die Sache etwas nüchterner: „Es gibt halt Regeln. Wenn man gestoppt wird, will man nicht in Situationen geraten, in denen man lange überlegen muss. Aber ich war am 16. Loch genau in diesen misslichen Lagen nach dem ersten, dem zweiten und dem dritten Schlag - und habe mich so aus dem Turnier geschossen.“ Vor allem der vierte Schlag, als Harrington versuchte, den Ball aus dem tiefen Rough mit einem hohen „Flop-Shot“ nahe an die Fahne zu bringen, speiste die Diskussion.

Hätte Harrington sich bei ohne die Stoppuhr im Nacken auch für diese riskante Schlagvariante entschieden? Eine Frage, die niemand mit Sicherheit verneinen oder bejahen kann. So bleibt festzuhalten: Der Ball landete im Teich vor dem Grün und mit ihm versanken allen Chancen auf den Siegespreis von 1,4 Millionen Dollar. Harrington musste sich den zweiten Platz mit dem Australier Robert Allenby teilen - aber das Trostpflaster von 665.000 Dollar kann sich ja auch sehen lassen.

Immerhin: Es war Harringtons beste Plazierung in diesem Jahr. Erstmals nach den Abu Dhabi Championships landete er wieder unter den Top Ten bei einem Turnier, erstmals trug seine Schwungumstellung (siehe: British Open: Wie ein Jonglierkunststück) Früchte. Und die Gelegenheit zur Revanche bietet sich Harrington schon von Donnerstag bis Sonntag. In Chaska, einem Vorort der Twin-Cities von Minneapolis/St. Paul (Minnesota), wird die PGA Championship ausgetragen - und in den ersten beiden Runden spielen Harrington und Woods wieder gemeinsam, allerdings diesmal mit einem Dritten im Bund: Rich Beem, der 2002 Woods den Sieg bei diesem letzten Major des Jahres auf dem Platz des Hazeltine National Golf Clubs in Chaska vor der Nase wegschnappte. Mal sehen, wie lange die drei Herren sich Zeit lassen.

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