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Schefflers Golf-Kolumne : Die Koreaner kommen

  • -Aktualisiert am

Erfolgreicher Koreaner: Choi Kyung-ju hat spielend seinen Lebensunterhalt verdient Bild: AFP

Die koreanischen Golfspielerinnen haben es den Männern vorgemacht. Mittlerweile gehören auch sie zur spielenden Elite. Und niemand arbeitet im Golf härter als Koreaner.

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          Als Choi Kyung-ju, besser bekannt unter der amerikanischen Variante seines Namens K.J. Choi, 2000 seine koreanische Heimat verließ und nach Texas übersiedelte, um auf der amerikanischen PGA Tour spielend seinen Lebensunterhalt zu verdienen, fühlte er sich oft sehr einsam. „Ich musste mich an so viele Dinge gewöhnen, an eine andere Sprache, das Essen, die Golfplätze und eine andere Kultur. Aber wenn es mir ganz schlecht ging, habe ich mir gesagt, dass ich nicht allein bin, weil der liebe Gott bei mir ist“, erinnert sich der tiefgläubige Sohn eines Reisfarmers an die harten Anfangstage seiner Karriere auf der PGA Tour.

          Ende 1999 hatte er sich als erste Koreaner in der Qualifying School die Spielberechtigung für die lukrativste Turnierserie der Welt erkämpft – ein Einzelkämpfer aus einem Land, das 1998 mit dem Sieg von Seri Pak bei den US Womens Open erstmals im Golf für Schlagzeilen gesorgt hatte.

          Die Zeiten haben sich gründlich geändert. Aus Choi ist ein erfolgreicher Profi geworden: acht Siege auf der PGA Tour, mehr als 26 Millionen Dollar Preisgeld allein in seiner amerikanischen Wahlheimat, dazu neun weitere Erfolge in aller Welt. Wenn am Donnerstag in Honolulu mit der Sony Open das erste Turnier der PGA Tour beginnt, werden gleich elf Spieler mit koreanischen Wurzeln im Feld stehen.

          Die Landsfrauen aus dem südlichen Teil der koreanischen Halbinsel haben es in den letzten Jahr vorexerziert: 42 Koreanerinnen; dabei sind koreanisch stämmige Spielerinnen wie Michelle Wie oder Christina Kim nicht einmal mitgerechnet, verfügen über eine Spielberechtigung auf der größten Damentour, der LPGA Tour. Dort heimsten sie seit 1998 101 Siege ein – eine unglaubliche Erfolgsquote für ein Land, das mit 260 Plätzen viel weniger aufweist als Deutschland (rund 700) oder Florida (mehr als 1250) – und in dem das Vergnügen, auf grünen Spielwiesen die Schläger zu schwingen, bei Greenfees von mehr als 200 Euro noch immer als ein Privileg der Oberschicht gilt.

          Vorbild Yang Yong-eun alias Y.E.Yang: als erster Spieler Tiger Woods verdrängt
          Vorbild Yang Yong-eun alias Y.E.Yang: als erster Spieler Tiger Woods verdrängt : Bild: AP

          Aber da es im Land überall Driving Ranges gibt – bei einer Fahrt durch Seoul fallen vielen um die Übungsanlagen gespannten Netze ins Auge – und mittlerweile mehr als 6000 sogenannte „Golf Cafés“ mit Simulatoren (jeder dritte in der Welt verkaufte Simulator steht in Südkorea) dazu einladen, den Ball auf eine Leinwand mit einem projezierten Golfplatz zu schlagen, ist das Spiel mit 3,5 Millionen Aktiven längst zum Volkssport geworden. Neuester Trend: Golf Cafés mit angeschlossenem Kosmetik- oder Nagelstudio, damit sich die Damen nach einer virtuellen Runde verschönern lassen können, ein Versuch die männliche Dominanz, die 75 Prozent der täglich mehr als 300.000 Spieler ausmachen, zurück zu drängen.

          Im Profisport gaben jahrelang dagegen die jungen Frauen den Ton an. In der männlich geprägten koreanischen Gesellschaft war früher vielen Eltern für ihre Söhne eine Karriere als Arzt, Rechtsanwalt oder Geschäftsmann wichtiger als Profisport. Aber seit Yang Yong-eun oder Y.E. Yang wie in Amerika heißt, bei der PGA Championship 2009 als erster Spieler Tiger Woods in der Schlussrunde eines Majors von der Spitze verdrängte und als erster Asiate eines der vier wichtigsten Turniere gewann, weiß man auch in Korea, dass man mit Golf viel Prestige und noch mehr Geld gewinnen kann. Auch das Militär, das allen jungen Männern die Ableistung Wehrpflicht abverlangt, stellt Profigolfer mittlerweile vom Dienst frei.

          Aus Choi Kyung-ju wurde K.J. Choi: Andere Sprache, anderes Essen, andere Golfplätze
          Aus Choi Kyung-ju wurde K.J. Choi: Andere Sprache, anderes Essen, andere Golfplätze : Bild: AFP

          So wagen Talente wie Noh Seung-yul früh den Schritt ins Profilager. Mit 16 qualifizierte sich der Schlaks mit dem Spitznamen Dr. Noh für die Asian Tour, gewann auf Anhieb ein Turnier. 2009 siegte er bei der Malaysia Bank Open, ein gemeinsames Turnier der European und Asian Tour. Im Vorjahr war er der Großverdiener der Asian Tour und belegte Ende 2011 in der Qualifying School für die PGA Tour den dritten Platz. Der Zwanzigjährige hat sich für seine erste Saison in Amerika hohe Ziele gesetzt: mindestens ein Turnier gewinnen, Rookie (Neuling) des Jahres werden und sich für die Play-offs im FedExCup qualifizieren.

          Der australische Golflehrer Steve Bann, der viele koreanischen Profis betreut, ist überzeugt, dass auch die koreanischen Männer bald so erfolgreich sein werden wie ihre Landsfrauen: „Niemand arbeitet im Golf härter als Koreaner“. Schließlich werden sie darauf seit frühester Jugend getrimmt. Es gibt Golfcamps für Kinder, in denen der Arbeitstag schon um fünf Uhr morgens beginnt. „Für koreanische Pros ist es selbstverständlich, genauso hart und lange zu arbeiten, wie andere erfolgreiche Berufstätige“, behauptet Bann -  ein Credo, das auch der beste Deutsche Martin Kaymer beherzigt.

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