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Schefflers Golf-Kolumne : Der zweite Zahltag des Jason Bohn

  • -Aktualisiert am

Vom Fahrensmann zum Siegertyp: Jason Bohn Bild: AP

Einst gewann Jason Bohn eine Million Dollar bei einem Hole-in-one-Wettbewerb - und musste Golfprofi werden. Seit 1992 spielte sich der Amerikaner mehr schlecht als recht durch die verschiedenen Touren. Bis Bohn am vergangenen Wochenende wieder ein Wunderschlag gelang.

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          Auf den zweiten großen Zahltag hat Jason Bohn lange warten müssen. Einen Tag nach seinem 37. Geburtstag gewann der Amerikaner am Sonntag das Zurich Classic of New Orleans und 1,152 Millionen Dollar (ca. 867.000 Euro). Es war das zweite Mal in seiner nunmehr fast achtzehnjährigen Karriere, dass der Golfprofi aus Lewisburg (Pennsylvania) mit seiner Schlagfertigkeit einen Millionenbetrag einstrich.

          1992 hatte der damals Neunzehnjährige einen Dollar bezahlt, um an einem „Hole-in-one“-Wettbewerb in Tuscaloosa (Alabama) teilzunehmen - die beste Investition seines Lebens. Aus 123 Metern beförderte er den Ball mit einem Eisen 9 direkt ins Loch - und kassierte für dieses „Ass“ eine Million Dollar. Wie das damalige Mitglied im Golfteam der University of Alabama vor Freude auf und ab hüpfte, wie er seine Großmutter anrief, um ihr die frohe Kunde per Handy zu überbringen, ist noch heute auf der Website des amerikanischen Golf Channel zu sehen, die den Coup des Teenagers Bohn unter die zehn besten Asse der jüngeren Golfgeschichte einordnet.

          Mit der Annahme des Schecks gab Bohn nicht nur gezwungenermaßen seinen Amateurstatus, sondern damit auch das College-Golfstipendium auf. Aber zumindest hatte er für seinen neuen Job als Golfprofi eine Rücklage: Die eine Million Dollar erhielt er zwar nicht sofort, sondern in zwanzig jährlichen Raten über 50.000 Dollar - letztmalig 2012. Der große Zahltag jeweils im Oktober half Bohn über die schwierigen Anfänge hinweg.

          Golf mit Rücklage: Bis 2012 profitiert Jason Bohn noch von der Sofortrente seines Hole-in-one vor 18 Jahren

          Denn er hatte nicht die Erfahrung der neuen Kollegen, die sich meist in den harten College-Wettbewerben für die Berufslaufbahn gestählt hatten. Entsprechend lange dauerte es, bis er sich im neuen Job zu Recht fand, zumal er bis 1995, bis zu einem Abschluss im Finanzwesen, nebenher das College besuchte. Jahrelang schlug er sich auf den Minitouren in den USA und Kanada durch.

          Auf der Weltrangliste immerhin auf Platz 111

          Immerhin schaffte er es dadurch ins „Guinness Buch der Rekorde“. 2001 gewann er die Bayer Championship der Canadian Tour mit einer Schlussrunde von 58 Schlägen, zusammen mit der 58 des Japaners Shigeki Maruyama bei der Qualifikation für die US Open im Jahre 2000, bis heute das niedrigste Ergebnis über 18 Löcher bei einem anerkannten Profiturnier.

          Erst 2003 schaffte Bohn es in die zweite Liga und qualifizierte sich über die Nationwide Tour 2004 für die PGA Tour. Nur einmal, bei der mittlerweile eingestellten BC Open 2005, hatte er auf dieser Turnierserie nach vier Runden das niedrigste Ergebnis. Seitdem war er einer der vielen Fahrensmänner, die kaum jemand wahrnimmt, auch wenn er in der Weltrangliste immerhin auf Rang 111 geführt wurde und im Vorjahr beim Wyndham Championship erst im Stechen gegen Ryan Moore verlor.

          „Ich habe schwere Zeiten durchgemacht“

          Mit dem Start-Ziel-Sieg beim schwach besetzten Turnier in New Orleans - mit dem Spanier Sergio Garcia (23.) und dem Koreaner K.J. Choi (35.) waren nur zwei Spieler aus den Top 50 der Weltrangliste am Start - rückte er auf Rang 60 vor. Er hat sich dadurch bis 2012 seinen Arbeitsplatz auf der PGA Tour gesichert. Er darf in diesem Jahr bei der Players Championship in der nächsten Woche in Ponte Vedra Beach und bei der PGA Championship in Whistling Straits im August sowie im nächsten Jahr beim Masters mitspielen.

          „Dieser Sieg ist viel besser als ein Hole-in-one“, sagte Bohn, „zu einem Ass braucht man viel Glück. Wenn man nach vier Tagen ganz oben stehen will, muss man vier Tage sehr gut spielen.“ Das tat Bohn ohne Zweifel. Er beendete das Turnier mit 18 unter Par und mit einem Zauberschlag, als er mit einem Eisen 9 aus 135 Metern den Ball zehn Zentimeter ans Loch zum letzten Birdie legte.

          „Ich habe schwere Zeiten durchgemacht, viele Verletzungen, eine Rückenoperation“, sagte Bohn, der sich seiner Freudentränen nicht schämte, denn: „Nach der Geburt meiner Kinder war dieser Tag der schönste meines Lebens. Mein erster Sieg auf der PGA Tour ist so lange her, dass sich dieser Erfolg wie der erste anfühlt.“ Es hat zwar lange gedauert, aber spätestens seit den Tagen im TPC of Louisiana ist klar: Der Glücksschlag, der Jason Bohn früh ins Profilager drängte, war wirklich ein Glücksfall.

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