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Schefflers Golf-Kolumne : Der Preis des Schweigens

  • -Aktualisiert am

Warum schlug Ehefrau Elin Nordegren bei ihrer angeblichen Befreiungsaktion das Rückfenster und nicht das Seitenfenster ein? Bild: AP

Golfprofi Woods hat sich nach seinem merkwürdigen Unfall zur Wagenburgtaktik entschlossen. Doch wer schweigt, heizt die Neugier noch mehr an. Und das Bild vom Super-Saubermann hat ohnehin Kratzer bekommen.

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          Der (Un)Fall von Tiger Woods zeigt zweierlei: Wer im Jahr mehr als hundert Millionen Dollar verdient, wer als erster Sportmilliardär in die Geschichte eingeht, muss dafür einen Preis zahlen. Auch wenn der weltbeste Golfer sein Privatleben abschirmt wie kein anderer Superstar, auch wenn er sich in eine mit hohen Mauern umgebene und von einem eigenen Sicherheitsdienst überwachte Luxusenklave zurückzieht, kann er nicht verhindern, dass auch für ihn unangenehme Nachrichten bekannt werden. Es dauerte nur wenig Stunden, bis sein nächtlicher Unfall mit einem Geländewagen bekannt wurde – und seitdem wabern Gerüchte durch die Klatschpresse und durchs Internet.

          Die Umstände sind in der Tat seltsam – und so wird seit Tagen kräftig spekuliert: Wohin wollte Tiger Woods um 2.25 Uhr, ein Athlet, der normalerweise seinen Arbeitstag um 5:30 Uhr mit einem Gang ins hauseigene Fitnessstudio beginnt? Wie kann ein gesunder Mann, der nach Aussage der Polizei weder unter Alkohol- noch unter Drogeneinfluss stand, bei einer Geschwindigkeit von weniger von 53 Kilometern pro Stunde (andernfalls wären die Airbags ausgelöst worden) dermaßen die Gewalt über seinen Geländewagen verlieren, dass er nicht nur mit einem Feuerhydranten, sondern auch noch mit einem Baum auf einem Nachbargrundstück kollidiert?

          Warum schlug seine schwedische Ehefrau Elin Nordegren bei ihrer angeblichen Befreiungsaktion – pikanterweise mit Golfschlägern ihres Gatten – das Rückfenster und nicht das Seitenfenster ein? Warum sind die Anwälte von Woods nicht gegen das Klatschblatt „National Enquirer“ vorgegangen, das dem 33-jährigen Amerikaner eine Affäre mit einer New Yorker Nachtclub-Hostess nachsagte – und das, obwohl Woods ansonsten mit Klagen schnell bei der Hand ist?

          Warum sind die Anwälte von Woods nicht gegen das Klatschblatt „National Enquirer” vorgegangen, das ihm eine Affäre mit einer New Yorker Nachtclub-Hostess nachsagte?

          Kratzer im Bild vom Super- und Saubermann

          Woods, seine Berater und Anwälte haben sich zu einer Wagenburgtaktik entschlossen. Weder gegenüber der Polizei, wozu Woods rechtlich nicht verpflichtet ist, noch gegenüber der Öffentlichkeit ist außer einem dürren „mea culpa“ auf seiner Internetseite etwas verlautet. Woods sagte wegen des Unfalls seine Teilnahme beim Turnier seiner Stiftung in dieser Woche ab – ja, im Gegensatz zum Vorjahr, als er wegen seiner Knieoperation fehlte, wird der Gastgeber nicht einmal in Thousand Oaks in Kalifornien beim Stelldichein von 18 der weltbesten Kollegen, darunter auch der Mettmanner Martin Kaymer, anwesend sein. Er wird wohl erst Ende Januar beim Turnier in San Diego wieder in der Öffentlichkeit erscheinen.

          Woods mag hoffen, dass sich bis dahin der Wirbel gelegt hat, wohl eine trügerische Hoffnung. Denn erstmals hat das Bild vom Super- und Saubermann Kratzer bekommen. Und das ist nun einmal der Stoff, der die Phantasie nicht nur der Medien, sondern auch der Öffentlichkeit beflügelt. Denn wer schweigt, heizt die Neugier noch mehr an. Man mag das beklagen, aber wer als Sportler und Werbe-Ikone schier unglaublichen Reichtum anhäuft, muss damit leben.

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