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Schefflers Golf-Kolumne : Der Champ spielt Golf

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Die ideale Vorbereitung - nur worauf? Joe Louis in Trainingslager vor dem Kampf gegen Jersey Joe Wolcott im Mai 1948 Bild: AP

Joe Louis ist für viele der größte Boxer aller Zeiten. Doch Joe Louis war auch der erste Afroamerikaner, der an einem Golfturnier teilnehmen durfte - lange bevor die rassistischen Regeln der PGA aufgehoben wurden.

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          War Golf schuld an einer der größten Sensationen im Boxsport? „Mein Vater hat vor dem ersten Kampf gegen Max Schmeling mehr Zeit auf dem Golfplatz verbracht als er fürs Training aufwendete“, behauptet Joe Louis Barrow Jr. in einer Schrift anlässlich einer Ausstellungseröffnung im Museum des amerikanischen Golfverbands (USGA) in Far Hills (New Jersey).

          Auch wenn Joe Louis, der mit vollem Namen Joseph Louis Barrow hieß, diese Entschuldigung nie anführte, war die wenige Wochen zuvor entflammte neue Leidenschaft des amerikanischen Schwergewichtlers für das Spiel mit Eisen und Hölzern vor dem Kampf im Juli 1936 im New Yorker Yankee Stadium ein Thema.

          Joe Jacobs, der Manager von Max Schmeling, hatte sich darüber lustig gemacht, dass der damals 22 Jahre alte „Braune Bomber“ während der Vorbereitung auf den ersten Kampf gegen seinen Schützling nicht von Golf lassen konnte oder wollte. „Statt Straßenläufe zu machen, spielt er Golf. Hört euch das an! Golf!“ höhnte Jacobs.

          Louis unterbrach sogar sein Trainingslager in Lakewood (New Jersey), um einen ganzen Tag bei den US Open in Baltusrol zuzuschauen. Schmeling knockte den haushoch favorisierten Amerikaner in der 12. Runde aus – die erste Niederlage und eine von nur drei in seinen 72 Profikämpfen. Louis revanchierte sich 1938. Der amtierende Weltmeister schickte den damals 32 Jahre alten Schmeling, diesmal in einem Titelkampf, schon nach zwei Minuten und vier Sekunden schwer geschlagen zu Boden.

          54 Löcher am Tag

          Von 1937 bis 1949 verteidigte Louis seinen Titel 25 Mal, mehr als jeder andere Schwergewichts-Weltmeister – und das zu einer Zeit, in der dieser Titel noch nicht durch ein Vielzahl von konkurrierenden Verbänden verwässert war. Seit vergangener Woche würdigt die USGA in ihrem Museum Louis gemeinsam mit Althea Gibson, die erste schwarzen Siegerin der Tennisturniere von Wimbledon (1958), French Open (1956 und 1957) und der US Open (1958) und Jackie Robinson, der ersten Afro-Amerikaner, der 1947 in der Major League Baseball spielte.

          Der liebste Zeitvertreib: Auf dem Golfplatz verbrachte Louis deutlich mehr Stunden als bei vielen seiner Kämpfe - hier am 20. Juni 1946 in Yonkers, New York Bilderstrecke
          Der liebste Zeitvertreib: Auf dem Golfplatz verbrachte Louis deutlich mehr Stunden als bei vielen seiner Kämpfe - hier am 20. Juni 1946 in Yonkers, New York :

          Sie ehrt damit drei Athleten und Golfer, die Rassenschranken überwanden. Louis, der erste Sportheld Amerikas mit afrikanischen Wurzeln, hatte vor fast genau 60 Jahren als Amateurgolfer geschafft, was für schwarze Profigolfer damals undenkbar schien: Er war der erste „Farbige“, wie es damals noch hieß, im Feld eines offiziellen Profiturniers der PGA, einem Dachverband, der seit 1941 ganz offiziell in seinem Regelwerk vorschrieb, dass nur Weiße bei seinen Profiturnieren antreten dürfen.

          Louis, der seine Boxkarriere im Jahre 1951 beendete, spielte, wann immer möglich 45, manchmal sogar 54 Löcher am Tag. Das emsige Spiel zahlte sich aus: Über die Jahre entwickelte er sich einem sehr guten Amateurgolfer mit Handicap 3. „Für einen so großen und starken Mann hatte er ein unheimliches Feingefühl auf dem Grün“, erinnert sich der Sohn an den 1981 im Alter von 66 Jahren verstorbenen fanatischen Golfer.

          Mit Hilfe des Gouverneurs

          Chevrolet, damals der Sponsor des neugeschaffenen Turniers „San Diego Open“ (der heutigen Farmers Insurance Classic) kam auf die Idee, als Promotiongag den populären „Champ“ einzuladen – ohne Kenntnis der Rassenklausel. Die PGA und ihr damaliger Präsident Horton Smith, der Sieger der Masters-Turniere von 1934 und 1936, waren entsetzt über das Ansinnen und wollten Louis das Mitspielen verweigern.

          Louis wandte sich an den kalifornischen Gouverneur Pat Brown, der die Klausel kurzerhand für verfassungswidrig erklärte. Louis durfte antreten. Nach Runden von 76 und 82 Schlägen verpasste Louis wie sein Mitspieler Smith (73+78) den Cut. Auch wenn es noch bis 1961 dauerte, ehe sich die PGA offiziell für Golfer aller Hautfarben öffnete, gilt der Auftritt von Louis bei einem ansonsten „reinweißen“ Turnier als ein Meilenstein in der Geschichte des amerikanischen Profigolf.

          Sohn Joe Louis Barrow Jr. erinnert sich an viele gemeinsame Runden mit seinem Vater. Oft waren die beiden mit Althea Gibson auf dem Platz unterwegs, die nach ihrer Tenniskarriere auf der LPGA Tour professionell Golf spielte und immerhin einmal den zweiten Platz belegte. Auch Louis Jr. ist nie mehr vom Golf losgekommen. Seit vielen Jahren fungiert er als Chef von „First Tee“, einer gemeinsamen von der USGA und der Golfindustrie getragenen Organisation, die Kindern und Jugendliche für Golf begeistern will – unabhängig ihrer Herkunft, Religion oder Rasse.

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