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Schefflers Golf-Kolumne : Das Märchen vom Tiger-Killer

  • -Aktualisiert am

Dem Tiger keine Chance gelassen: Yang Yong-eun Bild: AP

„Warum willst du Golfer werden? Golf ist für reiche Leute. Bitte höre auf damit“, bat der Gemüsebauer Yang Han-joon seinen Sohn einst. Der hörte nicht auf seinen Vater. Jetzt ist Yang Yong-eun der erste Asiate, der ein Major gewann. Ein wahres Golfmärchen.

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          Wie Millionen Südkoreaner ist der Präsident des geteilten Landes in aller Herrgottsfrühe um vier Uhr morgens aufgestanden, um sich die Übertragung der 91. PGA Championship aus dem Hazeltine National Golf Club in Chaska (Minnesota) im Fernsehen anzuschauen. Und kaum hatte sein Landsmann Yong-Eun (Y.E.) Yang oder - um statt der in seiner Wahlheimat USA gebräuchlichen, die korrekte koreanische Schreibweise zu nutzen, bei der der Nachname zuerst genannt wird - Yang Yong-eun den entscheidenden Birdie zum Sensationssieg über Tiger Woods versenkt (siehe: PGA Championship: Ein Held namens Yang), rief Lee Myung-bak den Sieger an und teilte ihm mit: „Du hast die Stimmung unseres gesamten Volkes gesteigert, weil Du als erster Asiate ein Major gewonnen hast. Und Dein Sieg ist umso wertvoller, weil Du einen Rückstand aufgeholt hast und auf Grund Deiner Lebensgeschichte.“

          Die Geschichte des Aufstiegs von Yang zum „Tiger Killer“, wie laut einer Pressemitteilung der PGA of Korea, dem Dachverband aller Profigolfer des Landes, der neue Spitzname Yangs von nun an lauten solle, ist in der Tat ungewöhnlich. Der Bauernsohn von der Insel Jeju, einem bei Flitterwöchner und Golfern gleichermaßen beliebten subtropischen Eiland, hatte sich in der Jugend als Gewichtheber und Bodybuilder versucht. Er träumte davon, eines Tages einen eigenen Fitness-Club zu besitzen.

          „Warum willst Du Golfer werden?“

          Doch eine Knieverletzung bedeutete das Ende des exzessiven Krafttrainings. Er verdingte sich im Alter von 19 Jahren als Hilfskraft auf einer der vielen öffentlichen Driving Ranges und sammelte Bälle auf. „Er kam um fünf Uhr vor den ersten Übenden und schlug Bälle. Und nachdem die letzten Gäste gegangen waren, hat er immer bis tief in die Nacht weiter trainiert. Er war ein Spätentwickler, aber ein ungeheuer fleißiger Arbeiter“, erinnert sich Kim Young-chan, der Exekutiv Direktor der Übungswiese im Ora Country Club von Jeju.

          „Bitte höre auf mit dem Golf”, sagt Yang Han-joon einst - heute gratulieren die Menschen ihm zu seinem Sohn
          „Bitte höre auf mit dem Golf”, sagt Yang Han-joon einst - heute gratulieren die Menschen ihm zu seinem Sohn : Bild: AP

          Als er mit 21 Jahren zum Wehrdienst einrückten musste, hatte Yang zwar zehntausende von Bällen geschlagen, aber gerade mal hundert Runden Golf gespielt - gegen den Widerstand des Vaters Yang Han-joon, „Warum willst du Golfer werden? Golf ist für reiche Leute. Bitte höre auf damit“, bat der Gemüsebauer „aber ich hatte ja keine Ahnung, was Golf war. Ich wollte, dass mein Sohn in meine Fußstapfen tritt.“ Denn damals war Golf in Korea ein Privileg der Elite: teuer, die Runde kostete ein paar hundert Dollar Greenfee und war für Normalverdiener unerschwinglich.

          Deshalb reiste Yang nach seiner Militärzeit Anfang und Mitte der neunziger Jahre immer wieder für einen Monat nach Neuseeland, weil er dort die Greenfees auf den Plätzen viel günstiger waren: „Er war am Morgen im Kraftraum, hat danach tausend Bälle geschlagen und dann noch eine Runde gespielt“, erinnert sich Rory Moor, der Head Pro des Pupuke Golf Clubs an der North Shore von Auckland, an die „phänomenale Arbeitsmoral“ von Yang - übrigens eine Parallele zu Tiger Woods.

          Von Seoul nach Dallas

          Nach anderthalb Jahren und ständigen Golfreisen nach Neuseeland kehrte er zurück in die Heimat, arbeitete zunächst als Golflehrer, ehe er entdeckte, dass er gut genug ist, um mit Golf seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Er spielte auf der koreanischen, der Asian und der Japan Golf Tour und machte erstmals Schlagzeilen als er bei der HSBC Champions Trophy, einem gemeinsamen Turner der Asian und der European Tour in Schanghai, gewann - mit zwei Schlägen Vorsprung vor Tiger Woods.

          Sein Landsmann Choi Kyoung-ju, besser bekannt als K.J. Choi, überredete ihn danach, sein Glück auf der PGA Tour zu versuchen. Mit seiner Ehefrau und den drei Kindern zog er von Seoul nach Dallas um. Er qualifizierte sich zwar auf Anhieb für die PGA Tour, musste aber in den vergangenen beiden Jahren jeweils zurück in die Qualifying School, um die Spielberechtigung für die lukrativste Turnierserie zu erhalten. Erst im Frühjahr gelang ihm mit 37 Jahren der Durchbruch: Er gewann die Honda Classic in Palm Beach (Florida). Fünf Monate später ist der Spätstarter nicht nur der erste Asiate, der ein Major gewann, sondern auch der erste Profi, der Tiger Woods im direkten Zweikampf in der Schlussrunde die Führung und den Sieg bei einem Major entriss - ein wahrhaft märchenhafter Aufstieg: vom Ballsammler zum „Tiger Killer“.

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