https://www.faz.net/-gtl-1134d

Schefflers Golf-Kolumne : Brutaler Wettbewerb um lukrative Arbeitsplätze

  • -Aktualisiert am

Auf dem Weg zurück in die Beletage der Golfer: Sven Strüver Bild: picture-alliance/ dpa

In diesem Jahr haben 971 Golfer Meldegeld bezahlt, um sich über die „Qualifying School“ für 2009 einen Arbeitsplatz auf der European Tour zu sichern. Nur drei Dutzend Spieler schlagen sich bis zu den prall gefüllten Preisgeldtöpfen durch.

          Der Kampf um einen lukrativen Arbeitsplatz im Profigolf ist ein brutaler Verdrängungswettbewerb. In diesem Jahr haben 971 Golfer, darunter 59 Amateure, 1650 Euro Meldegeld bezahlt, um sich über die Turniere der so genannten „Qualifying School“ der European Tour für die Saison 2009 einen Arbeitsplatz auf der nach der amerikanischen PGA Tour lukrativsten Turnierserie der Welt zu sichern - ein Vabanque-Spiel. Denn im Schnitt schlagen sich nur drei Dutzend Spieler bis zu den prall gefüllten Preisgeldtöpfen der European Tour durch.

          Am Ende des langen und steinigen Weges in die erste Liga des Golfs steht vom 13. bis 18. November die dritte und letzte Stufe („Final Stage“) an. Sie findet in diesem Jahr im PGA Golf de Catalunya nahe Girona in Nordspanien statt. Dann spielen 156 Spieler insgesamt sechs Runden mit einem Cut (70 plus schlaggleiche) nach vier Runden. Die besten 30 sowie alle mit gleicher Schlagzahl erhalten nach 108 Löchern die Spielberechtigung für die europäische Tour. Sie sind Mitglieder in der Kategorie 11 (b). Zugang zu Turnieren erhalten sie nach ihrem Abschneiden beim finalen Qualifikationsturnier. Sie werden aber dann nach ihren Ergebnissen auf der europäischen Tour neu eingestuft, das so genannte „Reranking“.

          Acht deutsche Spieler stehen auf der Schwelle

          Zwei der drei „Stages“ sind in diesem Jahr gespielt - und für das deutsche Golf gibt es eine überaus positive Nachricht: sieben Profis (Sven Strüver, Tobias Dier, Dennis Küpper, Nicolas Meitinger, Benjamin Miarka, Marcel Haremza und Jochen Lupprian) sowie der Amateur Florian Fritsch, also insgesamt acht deutsche Spieler, ein Rekord, haben die Chance, sich im nächsten Jahr zu den beiden einzigen deutschen European-Tour-Spielern, Martin Kaymer und Marcel Siem, zu gesellen.

          Tobias Dier: automatisch für die letzte Stufe qualifiziert

          Der Hamburger Strüver, der es als 163. der europäischen Geldranglise mit 96.248 Euro nicht unter die Top 115 schaffte und damit seine Spielberechtigung verlor, und der Nürnberger Tobias Dier sind wie alle Gewinner von Turnieren der europäischen Tour seit 1998 automatisch für die letzte Stufe qualifiziert. Dagegen musste der ehemalige Amateur-Nationalspieler Florian Fritsch wie der Burghausener Jochen Lupprian, ein ehemaliger Spieler der Asian Tour, ganz unten beginnen: in einem der sechs Turniere der Stufe eins, in der es immerhin 776 Kandidaten versuchten.

          Wie gut da schon gespielt wird, zeigt das Ergebnis vom Golf Club Fleesensee in Göhren-Lebbin, wo der englische Sieger Danny Willett mit 21 unter Par gewann. Sowohl Lupprian (Dritter mit -13) als auch Fritsch (16. mit -10) überstanden die erste Auslese in Mecklenburg Vorpommern - aber damit ist noch nicht viel gewonnen. Denn nach der ersten Stufe gesellen sich zu den Überlebenden der ersten sechs Turniere Spieler, die auf Grund ihrer Meriten automatisch für die zweite oder dritte Stufe qualifiziert sind.

          Vier Runden Höchstleistung sind gefordert

          Die zweite Stufe (Second Stage) fand in der vergangenen Woche auf vier Plätzen rund um Jerez in Südspanien statt. Dort qualifizierte sich der Münchner Fritsch nach einem katastrophalen Beginn mit einer Runde von 79 Schlägen mit 68, 69 und noch einmal 68 Schlägen für das Finalturnier als 15. in Sherry Golf. Weniger spannend machten es die anderen erfolgreichen Deutschen. Der Kölner Nicolas Meitinger, der Sohn des ehemaligen Eishockey-Nationalspielers Holger Meitinger, belegte mit 10 unter Par in Sherry Golf Jerez den dritten Platz. Auch der Krefelder Dennis Küpper (Vierter in Arcos Garden mit 11 unter Par), Jochen Lupprian (Sechster in Ballena Garden mit 14 unter Par), Benjamin Miarka (Achter in Arcos Garden mit 7 unter Par) und Marcel Haremza (Platz 12 in Ballena Golf Club mit 10 unter Par) kamen sicher weiter.

          Aber es gab bei diesen Turnieren nicht nur strahlende deutsche Gesichter. Der 24-jährige Frankfurter Max Kramer, der die ganze Saison auf der EPD Tour so stark aufgetrumpft hatte, war über seinen 55. Platz in Ballena Golf tief enttäuscht, zumal er bei letzten Vorbereitungslehrgangs des „Golf Team Germany“ in Portugal einen überaus starken Eindruck hinterlassen hatte.

          Wer zu früh aufsteigt, kann auch tief fallen

          Aber so ist das mit diesen Qualifikationsturnieren: Man muss vier Runden - in der letzten Phase gar sechs Runden - Höchstleistung bringen. Dazu gehört auch das Quäntchen Glück, dass man sich gerade in dieser Zeit in Bestform präsentiert. Aber Kramer bleibt der Trost im neuen Jahr für die Challenge Tour, der zweiten Liga, qualifiziert zu sein - und das ist gegenüber der „Qualifying School“ viel weniger ein Glücksspiel. Denn dann hat man über eine ganze Saison Zeit, sich unter die Top 20 zu spielen, die in die erste Liga aufsteigen.

          Dass Erfolg in der „Qualifying School“ nicht jedem Glück bringt, dafür ist der Österreicher Florian Prägant, ein trauriges Beispiel. Im Vorjahr schaffte der 24-jährige aus Bad Kleinkirchheim von der Alps Tour fast sensationell mit dem vierten Platz im „Final Qualifying“ den Sprung auf die ganz große Bühne. Aber dafür, so bekennt er jetzt, war er längst nicht reif. Bei 21 Turnieren der European Tour überstand er nur fünf Mal den Cut, schnitt nie besser als auf Rang 55 ab und musste wieder zurück in die „Qualifying School“. Er wollte schon die Job als „Playing Pro“ aufgegeben. Erst nach dem ihm Freunde und Eltern, die ein Restaurant in Bad Kleinkirchheim betreiben, gut zugeredet hatte, trat er im Ballena Golf Club an. Auch er scheiterte, jetzt macht er erst einmal eine lange Pause. Erst im März will der Kärntner einen neuen Anlauf auf eine Profikarriere nehmen.

          Weitere Themen

          Zverev als Matchwinner für Europa

          Laver-Cup : Zverev als Matchwinner für Europa

          Zverev bedankt sich bei Nadal und Federer für das Vertrauen, ihn als letzten Einzelspieler beim Laver-Cup für Europa gegen den Rest der Welt aufzustellen. „Das war ein unglaubliches Wochenende.“

          Topmeldungen

           Ein Flugzeug von Thomas Cook steht auf dem Rollfeld des Flughafens von Manchester.

          Sanierung gescheitert : Thomas Cook ist pleite

          In der Nacht wurde das Aus besiegelt: Der älteste Reisekonzern der Welt steht vor der Zwangsliquidation. Das betrifft auch Zehntausende deutsche Urlauber. Condor-Maschinen sollen zunächst weiter fliegen.

          TV-Kritik: Anne Will : Welche Zukunft hätten Sie gern?

          Wer Klimaschutzpolitik als Kampf zwischen den Generationen etikettieren will, ist schief gewickelt. Die Zahl besorgter Eltern und Großeltern, die vergangenen Freitag an der Seite von Kindern und Enkeln auf die Straße gingen, war beachtlich. Der ganzen Debatte fehlt es an Optimismus.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.