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Schalke-Kommentar : Gegenentwurf zu Magath

  • -Aktualisiert am

Zwei verschiedene Charaktere: Rangnick löst Magath (l.) auf Schalke ab (das Bild entstand beim Spiel zwischen Schalke undHoffenheim am 21.8.2009 Bild: dpa

Ralf Rangnick unternimmt einen zweiten Versuch bei Schalke 04. Die Chancen auf eine längere Ehe stehen besser als 2005. Rangnick ist konzilianter, Schalke professioneller geworden.

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          Ralf Rangnick und Schalke 04, das ist eine logische, erfolgversprechende Verbindung. Der 52 Jahre alte Schwabe besitzt alle Fähigkeiten, die erforderlich sind, den Traditionsverein in der Stunde null nach dem Alleinherrscher Magath zu übernehmen. Sein taktisches Geschick und seine Trainingsmethoden sind unumstritten, sein Ideal im Umgang mit den Spielern beruht auf gegenseitigem Vertrauen und Respekt. Schon das wird als Wohltat empfunden werden.

          Aber Schalke braucht mehr als einen guten Trainer, es braucht einen Gegenentwurf zu Magath. Einen teamfähigen leitenden Angestellten, der den ganzen Verein auf seinem Weg nach oben mitnimmt.

          Rangnick hat seinen eigenen Weg. Schon beim VfB Stuttgart und erst recht in Hoffenheim hat der Fußball-Lehrer Strukturen in der Nachwuchs-, Scouting- und Trainingsarbeit entwickelt, die über Jahre tragen. Mitentwickelt, nicht oktroyiert. Dass Schalke einen Trainer mit ganzheitlichem Ansatz benötigt, um nach über 50 Jahren endlich wieder deutscher Meister zu werden, hat der Klub selbst erkannt.

          Sonst hätte er Magath nicht verpflichtet und sich ihm lange Zeit unterworfen. Jetzt wollen die Königsblauen aber einen Fußballchef, der mit ihnen zusammenarbeitet und sie nicht wie ein Besetzer behandelt.

          Rangnick ist konzilianter geworden

          Rangnick ist schon einmal auf Schalke rausgeworfen worden, aber das spricht nicht gegen ihn. Seine sportliche Bilanz damals war solide, die Fans standen hinter ihm. Doch die Beziehung mit dem damaligen Manager Assauer funktionierte nicht. Hier Assauer, der machohafte, „verrückte“ Schalker, da Rangnick, der streng logisch denkende Fußball-Professor.

          Sechs Jahre später sind die Unterschiede verwischt. Rangnick ist konzilianter geworden, die Schalker Führung professioneller, weniger auf die Wahrung gefühliger Tradition bedacht. Nach Magath wird ihnen Rangnick ohnehin wie ein Teddybär zum Knuddeln vorkommen.

          Eigentlich wollte Rangnick nach seinem Rücktritt in Hoffenheim erst zur neuen Saison wieder ins Bundesligageschäft einsteigen. Aber Schalke ist etwas anderes. Der Schwabe erwähnte immer wieder, noch mal zurückzukommen, um die unglücklich beendete Beziehung aufzufrischen. Nun ist die Zeit reif dafür.

          Peter Heß
          Sportredakteur.

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