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Schalke 04 : Assauer begnadigt Böhme

  • Aktualisiert am

Der unprofessionelle Profi darf wieder mitspielen: Jörg Böhme Bild: AP

Manager Assauer erklärte klipp und klar: „Schalke ist nicht durch Jörg Böhme groß geworden, sondern Jörg Böhme ist durch Schalke groß geworden.“

          Rudi Assauer hat Jörg Böhme eine letzte Bewährungschance eingeräumt. Im Wiederholungsfall droht dem Fußball-Nationalspieler jedoch der endgültige Rauswurf beim FC Schalke 04.

          „Er hat große Einsicht gezeigt, dass es so nicht weitergehen kann. Das ist seine allerletzte Chance. Wenn noch einmal was passiert, dann trennen wir uns“, erklärte Assauer am Freitag nach der 24 Stunden währenden Suspendierung des 28 Jahre alten Fußball- Profis.

          Raus aus dem Kader, rein in den Kader

          Böhme, der am Donnerstag vor dem Uefa-Cup-Spiel gegen Legia Warschau wegen „unprofessionellen und teamschädigenden Verhaltens“ aus dem Kader gestrichen worden war, trainierte bereits am Freitag wieder mit der Mannschaft und wird für das Revierderby am Sonntag (17.30 Uhr) beim VfL Bochum zum Kader gehören.

          „Davon kann man ausgehen“, kündigte Trainer Frank Neubarth an und zog wie Assauer einen (vorläufigen) Schlussstrich unter die Affäre. „Ich habe keine Vorbehalte gegen Böhme.“

          Böhme zeigte sich reumütig

          Die Vorgeschichte: Assauer hatte den Mittelfeldspieler am Donnerstagmorgen im Trainingslager in Billerbeck kurzfristig aus dem Kader für die Partie gegen Warschau (0:0) in der Arena „AufSchalke“ verbannt. „Es hat sich vieles summiert und das Fass ist übergelaufen. Da habe ich ihn nach Hause geschickt und gesagt: Ich will Dich eine Woche lang nicht mehr sehen“, erläuterte Assauer nach dem Einzug in die dritte Uefa-Cup-Runde, für die der Pokalsieger am Freitag mit Wisla Krakau erneut einen polnischen Gegner zugelost bekam.

          Böhme war zwar zwei Stunden nach seiner Verbannung in Begleitung von Teammanager Andreas Müller „reumütig“ vor dem Privathaus Assauers aufgetaucht, um die Sache gerade zu biegen. Doch der Manager hatte sich da noch unnachgiebig gezeigt und Böhme stattdessen zum Rapport am nächsten Morgen bestellt.

          „Fauler Apfel im Korb“

          Eigentlich mag Assauer solch „bekloppte Typen“ wie Böhme, weil sie unbequem sind, ihre Meinung sagen und mit ihrer teilweise genialen Spielweise zur Belebung des Geschäfts und dem Erfolg des Clubs beitragen. „Er ist nun mal nicht der Typ Schwiegersohn wie Ebbe Sand. Das wissen wir“, so Assauer.

          Doch die Kapriolen des Sorgenkinds machten ihn rasend: „Er muss sich ändern, was die Disziplin angeht. Sonst hat er bei uns keine Chance. Dann müssen wir 'tschüs' sagen. Wenn ein fauler Apfel im Korb ist, wird es gefährlich“, drohte Assauer. „Fußball ist ein Teamsport. Ohne Disziplin geht es nicht. Seit zwei Jahren trommel' ich ihm das ins Ohr.“

          Böhme erst durch Schalke groß

          Vor allem die ständige Hin- und Herfahrerei Böhmes zwischen Gelsenkirchen und seinem Wohnort im 150 km entfernten Steinhagen (bei Bielefeld) ist den Verantwortlichen ein Dorn im Auge. „Ich habe ihm gesagt: Du hast wohl nicht alle Tassen im Schrank. Da kommt er eine Stunde zu spät zum Training, weil er ewig im Stau steht, dann hat er eine Grippe, erscheint aber einen Tag später wieder“, so Assauer.

          Auch das Argument, dass Böhme einen Anteil am Schalker Erfolg der vergangenen zwei Jahre habe, lässt er nicht gelten. „Es gibt bei uns Leute, die haben wesentlich mehr zu unseren Erfolgen beigetragen und sie ordnen sich trotzdem unter. Das muss er auch“, verlangte Assauer und stellte unmissverständlich klar: „Schalke ist nicht durch Jörg Böhme groß geworden, sondern Jörg Böhme ist durch Schalke groß geworden. Aus der letzten Schublade haben wir ihn rausgeholt. Wir haben ihn genommen, als ihn keiner mehr haben wollte und sind damit ein großes Risiko eingegangen.“

          Als Beleg dafür genügt ein Blick in Böhmes Vita, der wegen unterschiedlichster „Vergehen“ schon in Bielefeld, bei 1860 München, in Frankfurt und Nürnberg scheiterte. „Bisher ist Schalke der einzige Verein, der ihn einigermaßen disziplinieren konnte“, sagte Assauer.

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