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Schachgroßmeister Aronjan : „Schach ist ein brutales Spiel“

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Aronjan: „Es geht darum, den Gegner dumm aussehen zu lassen“ Bild: picture alliance / dpa

Lewon Aronjan will für sein Heimatland Armenien Schach-Weltmeister werden. Im Interview spricht er über Vorbilder, Nationalhelden und sein Trainingspensum.

          Herr Aronjan, Sie stammen aus Armenien und haben kürzlich in einem Interview eine „Kaukasische Schachschule“ erwähnt. Was versteht man darunter?

          Die Menschen feiern gerne und machen sich eine schöne Zeit. Sie sind talentiert, aber arbeiten oft nicht hart genug.

          Gilt das auch für Sie?

          Ich war immer talentiert, aber ich habe mit Anfang 20 angefangen, ernsthaft zu trainieren.

          Sie leben jetzt seit 10 Jahren in Deutschland und haben auch kurze Zeit für die deutsche Nationalmannschaft gespielt. Dann haben Sie sich entschlossen, für die armenische Nationalmannschaft zu spielen. Wie kam das?

          Die Situation in Armenien war damals schwierig, aber dann hat man mich der Präsident des Schachverbands davon überzeugt, zurückzukehren, um ein Team um mich herum aufzubauen. Ich hatte damals auch nicht die Chance gesehen, mit der deutschen Mannschaft große Erfolge zu erringen.

          Sie werden zum Jahresende Nummer zwei der Weltrangliste sein. Mit der armenischen Nationalmannschaft haben Sie die Mannschaftsweltmeisterschaft errungen. Schach ist zudem der wichtigste Sport in Armenien. Sind Sie ein Nationalheld in Ihrem Land?

          Die Bezeichnung Nationalheld ist übertrieben, aber ich werde in Armenien wegen meiner Erfolge als Vorbild gesehen.

          Fühlen Sie als bester Spieler Armeniens eine besondere Verpflichtung?

          Ja, Schach ist so wichtig in Armenien. In der Nationalmannschaft herrscht ein wunderbarer Teamgeist. Ich möchte nicht, dass sich dies ändert.

          Haben Sie einen festen Trainer?

          Ich arbeite mit meinen Freunden in Armenien zusammen.

          Nachdem er seine Zusammenarbeit mit dem amerikanischen Großmeister Hikaru Nakamura gerade beendet hat, wäre der ehemalige Weltmeister Garry Kasparow vielleicht als Trainer verfügbar.

          Er war natürlich ein großer Spieler und er ist sicherlich ein guter Trainer, aber ich möchte weiterhin mit meinen Freunden arbeiten.

          Sie galten lange Zeit als ein sehr origineller und starker Spieler, der aber vielleicht nicht hart genug arbeitete. Gibt es hier eine Parallele zu Boris Spassky, dem von 1969 bis 1972 amtierenden Weltmeister, der seinen Titel gegen den Amerikaner Bobby Fischer verlor?

          Spassky war mein großer Held. Er besaß ein wunderbares Gefühl für Schach. Aber ich habe in den vergangenen Jahren sehr viel härter gearbeitet als früher. Ich denke, dass ich jetzt über ordentliche Kenntnisse der Eröffnungen verfüge. Ich lebe disziplinierter, aber ich genieße immer noch mein Leben.

          Schach ist nicht nur ein Beruf für Sie?

          Nein. Ich liebe Schach, heute übrigens mehr als früher.

          Haben Sie jemals daran gedacht, einen anderen Beruf als Schachprofi zu ergreifen? Einen Beruf vielleicht, der ein regelmäßiges und sicheres Einkommen verheißt?

          Dort, wo ich herkomme, gibt es keine sicheren Jobs mit regelmäßigem Einkommen. Ich wollte immer Schachprofi werden. Es gibt auch nichts, das ich besser könnte als Schach spielen.

          Frühere Weltmeister wie Bobby Fischer und Garry Kasparow wollten mit einem Sieg am Schachbrett auch die Persönlichkeit ihres Gegners zerstören. Ist das auch Ihr Ansatz?

          Nein, aber natürlich richte ich meine Spielweise auch an den Eigenarten meiner Gegner aus. Das gehört dazu. Generell spiele ich aber besser gegen Spieler, die ich mag. Schach hat viel mit Psychologie zu tun. Manchmal versuche ich am Brett, meine Gefühle gegenüber meinem Gegner zu vergessen.

          Gibt es in der Weltelite Gegner, die Ihnen besonders liegen? Sie haben beispielsweise gegen Weltmeister Vishy Anand mehr Partien gewonnen als verloren.

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