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Schach-WM : Mit Killerinstinkt ins schnelle Spiel

  • -Aktualisiert am

Auch die zwölfte Partie der Schach-WM zwischen Magnus Carlsen (links) und Fabiano Caruana blieb ohne Sieger. Bild: dpa

Es geht um alles. Nach zwölf Remis wird nun tatsächlich der Schach-Weltmeister gefunden, dafür sorgen die Blitzduelle und im Extremfall sogar eine „Armageddon“-Partie. Dabei hat ein Spieler einen klaren Vorteil.

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          Remis-Quote hundert Prozent. Diesen Rekord kann Magnus Carlsen und Fabiano Caruana keiner mehr nehmen. Zwölf Partien mit langer Bedenkzeit haben nicht gereicht, um den Schachweltmeister zu ermitteln. Als Verlierer fühlen sich viele Schachfans, die sich mehr Risiko, Spektakel und entschiedene Partien gewünscht haben. Verloren hat auch das klassische Schach. Der Weltmeister wird nun nämlich in einem Stechen an diesem Mittwoch entweder im Schnellschach oder spätestens im Blitzschach gekürt (wie das Tie-Break funktioniert, lesen Sie hier). Dabei gibt es für die schnelleren Disziplinen eigene Weltmeisterschaften.

          Am Ende hatte Weltmeister Carlsen das Stechen konsequent angesteuert. Dabei bekam der Norweger in der zwölften und letzten regulären Partie am Montag einen vielversprechenden Angriff, nachdem sich der Amerikaner Caruana mit Weiß in der Figurenaufstellung verrannt hatte. Für den Herausforderer wäre alles im grünen Bereich geblieben, wenn er mit seinem Springer den Abtausch des schwarzfeldrigen Läufers erzwungen hätte. Um auf Gewinn zu spielen, wollte er mehr Figuren auf dem Brett halten. Dabei manövrierte er seinen Springer ins Abseits, während Carlsens Läufer kurz darauf den weißen König ins Visier nahm. Nun musste Carlsen nur noch die b-Linie für seine Türme und Dame öffnen. Die meisten tippten nun auf einen würdigen Ausgang dieser WM mit Carlsen als Sieger. Doch der wollte nicht.

          „Jeder hat gesehen, dass ich heute nicht auf das Maximum aus war. Ich wollte nur eine sichere Stellung, in der ich etwas Druck machen kann. Wäre ein Remis kein befriedigendes Resultat gewesen, hätte ich es anders angepackt“, so Carlsen. Bei seinem 31. Zug überraschte er Caruana mit einem Remis-Angebot. „Ich dachte, dass ich aus dem Gröbsten heraus und einige Züge vorher in großer Gefahr war“, sagte der Amerikaner, verstand aber: „Wenn jemand besser steht, ist es Schwarz.“ Ablehnen kam für ihn nicht wirklich in Frage. War Carlsen überhaupt jemals in einer so vorteilhaften Stellung mit Remis zufrieden?

          Der Weltmeister wird zum Remis-König

          Dass er vor zwei Jahren gegen Sergei Karjakin einen Rückstand ausgleichen musste, hat bei ihm Spuren hinterlassen. Er verlegt sich immer mehr darauf, nicht zu verlieren. Fünf Remis bei seinem letzten Turnier vor der WM eingerechnet, hat der Titelverteidiger nun siebzehn reguläre Partien in Folge weder gewonnen noch verloren. Nur halb so lang, nämlich neun Remis, währte vorher seine längste sieglose Serie. Kein Weltklassespieler hat dieses Jahr eine so hohe Remis-Quote wie Carlsen. Der Weltmeister ist zum Remis-König geworden. Früher war er für seine extrem gute Chancenverwertung berühmt. Dass ihm sein Killerinstinkt abhandengekommen ist, zeigte sich in London schon in der Auftaktpartie. Da verpasste der Norweger, der am Freitag 28 Jahre alt wird, mehrere, nicht schwer zu findende Züge, die ihm gewinnbringenden Vorteil gesichert hätten.

          In den letzten Begegnungen vor der WM hatte er Caruana gut im Griff. Sein Herausforderer verlor in diesem Jahr immerhin acht lange Partien. „Im Match wird er besser verteidigen“, hatte Carlsen vor dem Match prophezeit. Oder redete er es sich ein und unterschätzte deshalb seine eigenen Möglichkeiten? Im selben Interview führte er aus, warum er Caruana bei kürzeren Bedenkzeiten überlegen sei. Der Amerikaner sei ein starker Rechner, aber habe wenig Intuition. Je weniger Zeit zum Durchrechnen von Varianten bleibt, desto wichtiger werde das Gefühl, welche Züge die richtigen sind. Selbst die bei vielen verpönten Ein-Minuten-Partien spielt Carlsen gerne und rechtfertigt es damit, dass es seine Intuition trainiert.

          Carlsen und seine Fans setzen darauf, dass er seit zehn Jahren kein Stechen verloren hat. Die Schnellschach- und Blitzschach-Weltranglisten führt er an und wurde mehrmals Weltmeister in diesen Disziplinen. Caruana lässt diese Wettbewerbe meist aus. Dieses Jahr hat er aber drei Schnell- und Blitzkonkurrenzen gespielt. In Leuven und Paris wurde er jeweils Vorletzter. Im August in Saint Louis stieg er ins obere Mittelfeld auf. Das dürfte am Sparring mit Leinier Dominguez liegen. Sein kubanischer Trainingspartner ist im Schnellschach die Nummer drei der Welt.

          Die entscheide Phase der Schach-WM können Sie ab 16 Uhr im Liveticker bei FAZ.NET verfolgen.

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