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Weltmeister im Tie-Break : Carlsen bleibt der König des Schachs

  • -Aktualisiert am

„Ich würde sagen, ich hatte heute einen ziemlich guten Tag auf der Arbeit“: Magnus Carlsen. Bild: dpa

Mit zwölf Remis in zwölf Partien quälten Magnus Carlsen und Fabiano Caruana die Schach-Fans. Im Tie-Break aber zeigt der Weltmeister seine Klasse, holt wieder den Titel – und kündigt eine lange Feier an.

          „Ich hatte einen großartigen Arbeitstag“, freute sich Magnus Carlsen, als er nach erfolgreicher Titelverteidigung vor die Presse trat. Nachdem alle zwölf regulären Partien unentschieden geblieben waren, entschied der Norweger die Schach-WM gegen Fabiano Caruana im Stechen für sich (Lesen Sie die Entscheidung nochmal im Ticker nach). Die Spiele mit verkürzter Bedenkzeit verliefen noch einseitiger als vor zwei Jahren, als er den Russen Sergei Karjakin mit 3:1 schlug. Damit sichert er sich 550.000 Euro Preisgeld, Caruana bleiben 450.000 Euro. Carlsen gewann gleich drei der angesetzten Partien mit je 25 Minuten Bedenkzeit pro Spieler. Nach dem 3:0 erübrigte sich die vierte angesetzte Partie.

          „Kritisch war die erste Partie. Der Sieg hat mir viel Selbstvertrauen gegeben“, schilderte Carlsen den Verlauf. Das Los hatte ihm Weiß im ersten Spiel beschert. Er wählte einen Aufbau, den er während des Matches mit Schwarz gespielt hatte. Dass er dank der weißen Steine dabei einen Zug mehr zur Verfügung hatte, nutzte er geschickt aus. Caruana stand früh unter Druck. Lange verteidigte sich der Amerikaner richtig, aber in einem Endspiel mit Türmen und Bauern wählte er die falsche Reihenfolge zweier Züge, weil er ein Schachgebot nicht vorhersah.

          Die zweite Partie legte Caruana energisch mit einem Bauernopfer an, das Carlsen klug ablehnte, obwohl sein Herausforderer einen weit vorgerückten Freibauern bekam. Er sei sich nicht sicher gewesen, wie es stand, „aber dank der Führung bin ich ruhig geblieben.“ Cool gab er einen Läufer für Caruanas Freibauern auf. Die Computer bestätigten, dass er damit richtig lag, weil die weißen Figuren bald überlastet waren. Als klar war, dass er mehr Material verlieren würde, als er hatte, kapitulierte Caruana. In der dritten Partie war für ihn nie mehr als ein Remis drin, und sein letzter Gewinnversuch wurde von Carlsen abgestraft.

          „Ich habe es heute nicht annähernd geschafft, mein bestes Schach zu spielen“, sagte Caruana nach dem Stechen. „Jetzt bin ich sehr enttäuscht, aber was das Match angeht, kann ich nicht sagen, dass ich mehr Chancen als Magnus verpasst hätte.“ Carlsen sagte, es sei sein schwierigstes Match und sein härtester Gegner gewesen. „Fabiano hat genau so viel Recht wie ich, sich als stärkster Spieler im klassischen Schach zu bezeichnen.“

          Angesichts des Schachs, das er in den letzten drei Jahren gespielt habe, sei er mit seiner Leistung in London sehr zufrieden. Die WM war von Beginn an sehr ausgeglichen verlaufen. In fast allen Partien neutralisierten sich Carlsen und sein Herausforderer. Dementsprechend teilten sie sich ohne große Aufreger den Punkt. Es gab aber auch Momente, in denen das Match einen ganz anderen, viel dramatischeren Verlauf hätte nehmen können. Gleich zum Auftakt verpasste Magnus Carlsen mit Schwarz mehrere Chancen zum Sieg. Es war ein großer Kampf und ein Marathon mit sieben Stunden Spielzeit und 115 gespielten Zügen. Anschließend scheuten beide Spieler das Risiko. Erst in der sechsten Partie hatte Caruana seine erste klare Gelegenheit, in Führung zu gehen, ließ sie aber ungenutzt.

          Volle Konzentration: Weltmeister Magnus Carlsen im Tie-Break.

          Dennoch: die Qualität der langen Partien war hoch. „Dass alle remis endeten, lag daran, dass wir uns beide sehr gut verteidigt haben, nicht daran, dass wir zu wenig versucht hätten – mit Ausnahme der zwölften Partie“, kam Carlsen selbst auf die einzige nicht ausgekämpfte Stellung zu sprechen. Er bot remis, obwohl er vorteilhaft stand, weil er sich vorher entschieden habe, ins Stechen zu gehen, und getroffene Entscheidungen müsse man als Profi durchziehen. „Ich war nie gut darin, auf andere zu hören.“

          Nach dem unzeitigen Remis hat der Weltmeister reichlich Kritik einstecken müssen, unter anderem von seinen Vorgängern Garri Kasparow und Wladimir Kramnik. „Garri und Wlad haben alles Recht auf ihre dummen Meinungen“, richtete Carlsen aus. Sein Plan ging auf. Caruana hat die Chance verpasst, als erster Amerikaner nach Bobby Fischer Schach-Weltmeister zu werden. Wie er nun feiern wollte, wurde der Norweger, der am Freitag 28 Jahre alt wird, gefragt. „Keine Ahnung. Wahrscheinlich feiere ich die ganzen nächsten Jahre.“

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