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Carlsen gegen Karjakin : „Das ist Spannung bis zur Unendlichkeit“

  • Aktualisiert am

Alter und neuer Schach-Weltmeister: Magnus Carlsen. Bild: AFP

Viele Millionen Fans fieberten beim Duell um den WM-Titel zwischen Magnus Carlsen und Sergej Karjakin mit. Warum nur interessieren sich so viele für ein biederes Brettspiel?

          Magnus Carlsen heißt der alte und neue Schach-Weltmeister. Sein WM-Duell mit dem Russen Sergej Karjakin zog wochenlang Millionen Fans in den Bann. Für den Medienexperten Thomas Horky, Professor für Sport-Kommunikation an der Hamburger Hochschule Macromedia, ist das keine Überraschung.

          Wie ist es zu erklären, dass in unserer globalen Medienwelt ausgerechnet ein Schachduell über Tage ein absolutes Top-Thema ist?

          Ähnlich wie beim Pokern hat auch beim Schach eine „Medialisierung“ stattgefunden. Die Möglichkeit der Interaktion des Publikums macht diesen Sport so spannend und faszinierend. Auch das Duell Mann gegen Mann, der Kampf um Sieg und Niederlage. Die Gesellschaft weiß sehr viel über dieses Spiel und kann die Leistungen der Protagonisten einschätzen. Außerdem kann man die Partien nachspielen. Für die Medien ist Schach interessant und spannend. Für den Tiebreak beim WM-Kampf wurde ja sogar der Begriff „Armageddon“ benutzt – das ist die Steigerung der Spannung bis zur Unendlichkeit.

          Wer guckt da zu, und warum fasziniert in unserer schnelllebigen High-Tech-Welt ein biederes Brettspiel so sehr?

          Antwort: Konkrete Zahlen habe ich natürlich noch nicht. Aber Schach löst meiner Meinung nach ein übergreifendes Interesse aus: bei der jüngeren und älteren Generation. Es ist ja auch irgendwie ein mystisches Erlebnis, irgendwie geheimnisvoll. Man will diese Leute sehen, Schachspieler gelten ja als die klügsten und intelligentesten Personen. Schach hat auch in Deutschland eine lange Tradition, das macht es bei uns für alle Schichten und Altersgruppen interessant. Ich erinnere nur an die „Schachnovelle“ von Stefan Zweig.

          Ist das auch ein Trend, wonach Nischen-Sportarten – unter anderem Darts oder Snooker und nun Schach – durchaus bei einem Millionenpublikum der Smartphone-Generation ankommen?

          Antwort: Die Sportmarketing-Agenturen sind ja immer auf der Suche nach neuen Sportarten. Und da liegen „Medienspiele“ wie Schach voll im Trend. Für mich ist dieses Phänomen aber nicht einzigartig. Pokern ist das beste Beispiel: ein traditionelles Kartenspiel mit hoher Wertschätzung, das sich in vielen Ländern dieser Erde als anerkannte Sportart durchgesetzt hat. Aber auch E-Games können künftig medial gut vermarktet werden.

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