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Schach-WM : Paukenschlag bei Final-Premiere: Ponomarjow führt

  • -Aktualisiert am

Ruslan Ponomarjow: Auf dem Weg zum WM-Titel? Bild:

Ruslan Ponomarjow auf dem Weg zum jüngsten Schach-Weltmeister aller Zeiten: Der 18-Jährige führt im Finale 1,5:0,5 gegen Wassili Iwantschuk.

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          Schach-Festtage gleich zu Beginn des Jahres: In Moskau steigt das Finale bei der offiziellen Weltmeisterschaft des Weltverbandes Fide, in Wijk aan Zee das traditionelle Superturnier an der holländischen Nordseeküste.

          Allein: Hier wie dort entspricht die Besetzung in keinster Weise den Erwartungen. Was ist los in der Schach-Welt?

          Zwei Ukrainer in Moskau

          Völlig losgelöst spielten im Dezember 2001 zwei Ukrainer in Moskau. Der als nervöses Genie apostrophierte Wassili Iwantschuk (32) und sein erst 18-jähriger Landsmann Ruslan Ponomarjow düpierten die sonst die Szene beherrschenden Russen im eigenen Land und spielten sich souverän bis ins Finale vor. Ponomarjow besiegte den letzten Lokalmatadoren Peter Swidler im Halbfinale, gleichzeitig schaltete Iwantschuk Titelverteidiger Viswanathan Anand aus.

          Nach knapp einem Monat Ruhepause haben die beiden Ukrainer nun die Finalserie über acht Partien (bei Gleichstand entscheidet ein Tie-Break im Schnellschach) aufgenommen. Und die Überraschungen reißen nicht ab: Der Teenager besiegte den Routinier gleich in der ersten Begegnung nach nur 23 Zügen mit den weißen Steinen.

          Favorit Iwantschuk, als Kreativspieler bekannt, ist also gleich unter enormen Druck geraten und muss gegen den positionell und mental hoch begabten Ponomarjow nun das Risiko suchen, was für eine interessante und spannende Fortsetzung des Duells spricht. In der Tat entwickelte sich in Runde zwei ein Kampfspiel, das nach beiderseitigen Siegchancen und 58 Zügen Remis gegeben wurde.

          Adams führt beim Turnier in Wijk aan Zee

          Kein Wunder, dass Moskau in den Fokus der Schach-Fans gerückt ist und nicht - wie sonst zu dieser Jahreszeit üblich - der holländische Stahlkocherort Wijk aan Zee. Dort fehlen naturgemäß die beiden WM-Finalisten, außerdem aber noch die drei (kraft Turnierbilanz und laut Ratingzahl Elo) stärksten Spieler der Welt.

          Der Weltranglistenerste Garri Kasparow verzichtete wegen einer Viruserkrankung, Braingames-Weltmeister Wladimir Kramnik wegen des anstehenden Matches „Mensch gegen Maschine" in Bahrain und Ex-Weltmeister Anand wegen der jüngsten sportlichen Rückschläge - der Inder will seine Krise in Heimarbeit bewältigen.

          Ohne diese Aushängeschilder hat das Turnier deutlich an Format verloren. Immerhin wird es Abwechslung auf der Siegerliste geben - die besten Gewinnchancen hat momentan der englische Weltranglistenvierte Michael Adams, der nach fünf Runden das Feld der 14 Weltklassespieler anführt.

          Iwantschuk: Halbfinalsieg gegen Anand

          Freilich können die derzeit nur träumen von jenen höheren Weihen, die dem Sieger des Moskauer Matches zuteil werden. Alle Teilnehmer von Wijk aan Zee hatten sich dort bei der K.o.-WM versucht, waren aber nacheinander ausgeschieden. Übrig geblieben sind nur die beiden Ukrainer, die ihre Nationalmannschaft schon im Oktober 2001 (in der armenischen Hauptstadt Jerewan) zu WM-Gold geführt hatten.

          Damals glänzte vor allem Ponomarjow, während Iwantschuk vor allem daran feilte, sein mitunter launenhaftes Spiel zu stabilisieren. Mit Erfolg. Glanzstück war der Überraschungssieg gegen Angstgegner Anand ohne Niederlage - schon bis dahin hatte Iwantschuk in Moskau nur eine Partie (gegen den Polen Bartlomiej Macieja) verloren und besonders durch eine ungewohnte Nervenstärke überzeugt.

          Ponomarjow: Jüngster Weltmeister aller Zeiten?

          Die gehört sonst eher zum Repertoire seines jungen Landsmannes, der sich in den Runden zuvor drei Mal erst im Tie-Break, dann aber stets äußerst abgeklärt und spielstark durchsetzte. Denn trotz seiner Jugend hat Ponomarjow schon viel Erfahrung: Er wurde mit 14 Jahren und 17 Tagen jüngster Großmeister aller Zeiten, kann nun die Erfolgsgeschichte als jüngster Weltmeister der Schach-Historie fortschreiben.

          Die Chancen dazu beurteilte der Youngster vor der Finalserie mit „50 Prozent, denn wir sind im Moment gleich stark." Mittlerweile dürfte sich die Quote verbessert haben.

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