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Schach : Ein Vorbild für die Fußballer?

  • -Aktualisiert am

Einmal mehr deutscher Punktgarant: Robert Hübner Bild: dpa

Das müssen Völler und Co. den Schachspielern erst einmal nachmachen: Deren Nationalmannschaft holte EM-Bronze und WM-Platz vier.

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          Die deutsche Nationalmannschaft ist wieder wer. Gemeint ist allerdings (noch) nicht der Deutschen liebstes Kind, die Fußball-Auswahl, sondern die im Schach - eher ein Stiefkind dritten Grades, um im Bild zu bleiben.

          Immerhin sorgen die Schachspieler bei Großereignissen seit Jahren für Medaillen oder Spitzenplatzierungen. Seit Bundestrainer Uwe Bönsch 1997 die Verantwortung übernahm, etablierte sich Deutschland in der absoluten Weltelite. Vorläufiger Höhepunkt der positiven Entwicklung war 2000 die sensationelle Silbermedaille bei der Schacholympiade in Istanbul, als sogar die russischen Superstars in Bedrängnis gerieten.

          Auch bei der gerade zu Ende gegangenen Team-Europameisterschaft waren Bönsch und Co. wieder vorn zu finden. Im spanischen Leon wurde Deutschland hinter den Niederlanden und Frankreich Dritter - und das mit einer besseren B-Mannschaft.

          Kein Geld, aber WM-Platz vier

          Nur wenig mehr deutsche Spitzenspieler waren Mitte Oktober in Jerewan versammelt, wo die Mannschafts-Weltmeisterschaft ausgetragen wurde. Hinter den bärenstarken Ukrainern, Topfavorit Russland und Gastgeber Armenien kam die Auswahl des Deutschen Schachbundes (DSB) auf den beachtlichen vierten Rang.

          Damit war nicht unbedingt zu rechnen gewesen, da der DSB finanziell derart gebeutelt und auch erfolglos auf Sponsorensuche gegangen ist, dass er den Protagonisten nicht das gewünschte Honorar in Höhe von 5000 Mark für eine Woche Trainingslager und knapp 14 Tage WM stellen konnte. Statt den möglichen sechs Plätzen im Kader waren daher nur vier vergeben; freilich auch, weil Topspieler Rustem Dautow kurzfristig aus privaten Gründen absagen musste.

          Andernfalls wäre sogar mehr als Rang vier möglich gewesen. "Ich bin nicht unbedingt unzufrieden", orakelte Uwe Bönsch - aber eben auch nicht ganz zufrieden. Denn sein "nicht laut verkündetes Ziel" war tatsächlich ein Medaillengewinn.

          Deutsche Frauen wurden EM-Vierte

          Den schafften in Leon dann fünf Spieler, denen das wohl kaum jemand zugetraut hätte. Aus dem nominell besten A-Team waren nur Christopher Lutz und der 53-jährige Schach-Veteran Robert Hübner dabei. Den Kader füllten Klaus Bischoff, Gerald Hertneck und der erst 20-jährige Rainer Buhmann auf, wobei besonders Bischoff und Hübner als verlässliche Punktegaranten agierten.

          Die Deutschen besiegten in der Schlussrunde den lange Zeit dominierenden Spitzenreiter Frankreich, profilierten sich so als Hollands "Königsmacher" und schoben sich ganz nebenher von Position vier noch an den hoch eingeschätzen Engländern vorbei aufs Treppchen.

          Bei den deutschen Frauen war es umgekehrt: Dort kamen Ketino Kachiani-Gersinska und Elisabeth Pähtz als Vierte ins Ziel, knapp distanziert von Bronzemedaillengewinner England. Gold holten die Französinnen vor Moldawien.

          Regelnovelle für Einzel-WM getestet

          Alle Akteure mussten sich auf neue Bedingungen einstellen. Der Welt-Schachverband Fide hatte mal wieder die Bedenkzeitregelung revolutioniert - bei Team-WM und -EM wurde schon mal getestet, wie die (wie üblich bei Regelnovellen nicht zu Rate gezogenen) Spieler auf 90 Minuten pro Partie (plus 30 Sekunden Bonus pro Zug) ohne Zeitkontrolle reagierten.

          Nicht sonderlich gut. Viele Duelle endeten in so genannten "Zeitnotschlachten", die Qualität der Spiele litt erheblich. Ähnliches ist für die Einzel-Weltmeisterschaft, die ab Ende November in Moskau und im K.o.-System über die Bühne geht, zu befürchten.

          Bei der Fide-Veranstaltung wird bis auf Wladimir Kramnik, den Weltmeister nach Version des Internetunternehmens Braingames Network, und den Weltranglisten-Ersten Garri Kasparow die gesamte Weltspitze vertreten sein.

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