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Sauerstoffbars : Wellness oder Gesundheits-Prophylaxe?

  • -Aktualisiert am

Hochprozentiges an der Sauerstoffbar Bild: dpa

Sauerstoffbars - in Amerika und Japan voll im Trend, und auch in Deutschland sind sie im Kommen. FAZ.NET testet vor Ort.

          2 Min.

          Die erste Sauerstoffbar Frankfurts ist futuristisch durchgestylt. Inhaberin Gudrun Höhne will mit „Oxy Flow“ Menschen jeden Alters ansprechen, die sich häufig müde, lustlos und wenig belastbar fühlen, egal ob Workaholics oder gestresste Hausfrauen.

          Die Produktpalette reicht von Sauerstoff-Anti-Falten-, Anti-Cellulite- oder Sonnencreme und Sauerstoff-Sprüh-Kosmetik für Gesicht und Dekollete über diverse Sauerstoffbäder und die Kohlensäure-Sauerstoff-Dampfkabine zur besseren Durchblutung, Entgiftung und Entschlackung bis hin zur reinen Sauerstoff-Inhalation im Massage-Sessel.

          FAZ.NET hat vor Ort eine Auswahl der Produktpalette getestet.

          Baden im Sauerstoff

          Als erstes im Test: ein Molke-Sauerstoff-Sonnen-Bad. Ein Entspannungsbad mit Molke-Zusatz, kombiniert mit einer Softmassage durch Whirlpool-Sprudler und „Wohlfühllicht“-Bestrahlung. Molke ist ein Feuchtigkeitsspender mit erfrischender Wirkung, insbesondere bei müder, abgespannter Haut.

          Das Bad ist mild und sehr verträglich für die verschiedensten Hauttypen. Durch die sanfte UV-Bestrahlung soll Vitamin B im Körper freigesetzt werden. Der Sauerstoff sprudelt durch Düsen in das Badewasser und soll anregend wirken.

          Das Bad dauert zwanzig Minuten, kostet 41 Mark; man fühlt sich erfrischt, und die Haut ist geschmeidig. Welchen Effekt der Sauerstoff gehabt haben soll bei der Sache, bleibt im Dunkeln, da eher die klassischen Wohlfühl-Methoden (Massage, UV-Strahlen und Wasser mit Bade-Zusatz) ihre Wirkung zeigen. Ein Besuch in einer der vielen Thermen wäre sicher ähnlich angenehm und im Preis-Leistungsverhältnis vorzuziehen.

          30 Minuten an der Sauerstoff-Maske

          Als nächstes wird die reine Sauerstoff-Inhalation getestet. Der Sauerstoffanteil in der normalen Umgebungsluft beträgt in der Großstadt wie auf dem Land circa 21 Prozent. Durch Inhalation von in Spezialgeräten ionisiertem Sauerstoff wird dieser Wert auf eine 94-prozentige Konzentration gesteigert.

          Eine 30-minütige Inhalationsanwendung kostet im Massagesessel 68 Mark, unter Beigabe von Vitaminen 76 Mark. Es wird darauf hingewiesen, dass nur eine regelmäßige Inhalation in kurzen Abständen, also mindestens dreimal wöchentlich, zu den versprochenen körperlichen Effekten führen soll. Was folglich auch einen hohen finanziellen Aufwand mit sich bringt.

          Eine verstärkende Wirkung soll durch Einnahme von Ampullen vor der Inhalation erreicht werden, die mit leckeren Holunderextrakten, Hochgebirgs-Blütenpollenextrakten oder Aprikosenkernkonzentrat gefüllt sind. Der durch eine Gesichtsmaske inhalierte Sauerstoff ist geschmacksneutral und hat keine spürbare Wirkung.

          Sauerstoff-Wasser: geschmacksneutral

          Der Massagesessel hingegen ist sehr effektiv, und nach einer halben Stunde sind alle Körperpartien ausreichend durchgeknetet und entspannt. Auffällig ist, dass das Element Sauerstoff zwar im Vordergrund stehen sollte, jedoch hier bevorzugt unter Beigabe von altbewährten gesunden Produkten wie Molke, Algen, Vitaminen, Massage und UV-Bestrahlung angeboten wird.

          Kaum effektiver ist eine weitere Marktneuheit: Sauerstoff-Wasser. Normales Trinkwasser enthält in der Regel wenig, kohlensäurehaltiges Flaschenwasser kaum Sauerstoff. Dieses zusätzlich mit Sauerstoff versetzte Wasser soll „eine Quelle für mehr Geschmack und Frische sein“, heißt es in der Werbung.

          Mittlerweile stehen in jedem Lebensmittelgeschäft die bunten Flaschen mit Namen wie „Active O2“, was als Kaufanreiz für den sportiven und gesundheitsbewussten Verbraucher gedacht ist. Doch auch hier verändern sich weder der Geschmack des Wassers durch die zusätzliche Portion Sauerstoff, noch werden das Wohlbefinden oder die Leistungsfähigkeit merklich gesteigert.

          Wellness und Beauty im Vordergrund

          Fazit: Das Angebot steht eher für Wellness und Beauty als für medizinische Indikation. Die Anwendungen steigern durchaus das allgemeine Wohlbefinden, aber nicht spürbar durch die Inhalation oder Zuführung von Sauerstoff, sondern durch das Drumherum.

          Was einen negativen Eindruck hinterlassen hat, sind die vielfachen Anpreisungen der O2-Inhalation als Wundermittel gegen Beschwerden jeder Art. Das jedoch wird von renommierten Medizinern als schlicht falsch bewertet. Zur medizinischen Indikation siehe den Link: „Falsche Versprechungen an der Sauerstoffbar.“

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