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Sandboard : Oberpfälzer Quarzsand lockt Wintersportler aus der ganzen Welt

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Der „Monte Kaolino” zieht Wintersportler aus der ganzen Welt an Bild: dpa

Der „Monte Kaolino“ ist der einzige Berg in Europa, auf dem Boarder und Skifahrer statt auf Schnee auf Sand fahren können. Saison ist, wenn ein Wettbewerb stattfindet.

          Feiner Quarzsand in den Haaren, in den Schuhen, in der Hose, ja sogar in den Ohren und im Mund: „In der Hinsicht ist Schnee auf jeden Fall besser“, sagt Philipp Markthaler aus Kaufbeuren im Allgäu.

          Wenn der zweifache Weltmeister im Sandboarden auf dem „Monte Kaolino“ bei Hirschau in der Oberpfalz trainiert hat, muss er sich danach gründlich waschen. Der 110 Meter hohe Berg ist nach Auskunft von Gerhard Bösl vom Ski-Club Hirschau der einzige Berg in Europa, auf dem Boarder und Skifahrer statt auf Schnee auf Sand fahren können.

          Der Lift, der die Sportler in zwei Metallschiffen auf den „Gipfel“ zieht, sei sogar weltweit einmalig, rühmt der Ski-Club. Von Mai bis September ist der Lift in Betrieb. „Hochsaison ist immer, wenn ein Wettbewerb stattfindet“, sagt Bösl. Am 21. und 22. Juli treffen sich dort rund 100 Skifahrer aus vier Nationen zur Sandski- Europameisterschaft 2001.

          Mehr Kraft nötig als im Schnee

          Einmal im Jahr finden auch die Sandboard- Weltmeisterschaften statt. In diesem Jahr sind 120 Sportler aus acht Nationen auf dem „Monte Kaolino“ an den Start gegangen. Mit dabei war auch der Allgäuer Philipp Markthaler. Zum zweiten Mal hintereinander hat er mit seinem Sandboard die Weltmeisterschaft im Boardercross gewonnen. „Das ist noch keinem gelungen“, erzählt der 17-jährige stolz.

          Beim Boardercross starten vier Sportler gleichzeitig auf einer Strecke und müssen dabei Hindernisse, wie Steilkurven und Sprungrampen meistern. Jeweils die besten zwei qualifizieren sich für die nächste Runde. „Man braucht mehr Kraft auf Sand“, sagt Markthaler, der in den Allgäuer Alpen das ganze Jahr über auch Snowboard fährt.

          Bei Stürzen brennt Sand in den Wunden

          Neue Ausrüstung muss sich keiner für diesen Sport anschaffen: „Wir nehmen alte Bretter, und präparieren die Unterseite mit einem Plastiküberzug“, erklärt Markthaler. Außerdem werden die Snowboards verkürzt und die Kanten weggeflext. „Im Sand brauchen unsere Boards ja keinen Griff, weil wir mehr driften“, beschreibt der 17-Jährige das Fahrgefühl.

          Stürze auf Sand seien jedoch wesentlich schmerzvoller als auf Schnee. Die meisten Boarder fahren nur mit kurzer Hose und T-Shirt: „Bei einem Sturz schürfst du dir gleich alles auf und wenn Sand in die Wunde kommt, brennt es“.

          Der Monte Kaolino lockt Sportler aus der ganzen Welt

          Von Zeit zu Zeit präparieren Bösl und seine Vereinskollegen vom Ski-Club „Monte Kaolino“ die Piste mit 33 Tonnen Quarzsand: Auf ein drei Meter breites Aluminiumblech stellen sich drei Leute. Von drei anderen lassen sie sich von der Spitze des „Monte Kaolino“ nach unten ziehen. Außerdem transportiert ein Förderband mehrmals im Jahr den körnigen Untergrund auf die Bergspitze.

          Der „Monte Kaolino“ ist eigentlich nichts anderes als eine Abraumhalde. Der Quarzsand stammt von den Amberger Kaolinwerken, wo er als Nebenprodukt bei der Förderung von Kaolin - der Porzellanerde - anfällt. „Angefangen hat alles 1956“, erzählt Gerhard Bösl. Damals sei Martin Götz der erste gewesen, der mit seinen „uralten Skiern“ den „Monte Kaolino“ heruntergefahren ist. Immer mehr Hirschauer haben daraufhin an dem Sport gefallen gefunden. „Inzwischen kommen unsere Sportler aus der ganzen Welt“, sagt Bösl.

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