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Salt Lake City : Ticket- und Zimmer-Händler haben sich verspekuliert

  • Aktualisiert am

Zimmer frei? Mormonentempel in Salt Lake City Bild: dpa

Das Organisationskomitee der Winterspiele hat schon 88 Prozent der Eintrittskarten abgesetzt. Die Zwischenhändler finden aber keine Abnehmer.

          2 Min.

          Die Händler von Eintrittskarten für die am 8. Februar beginnenden Olympischen Winterspiele haben sich offenbar genauso verspekuliert wie die Hotels und die Vermieter von Privathäusern in und um Salt Lake City. Aus dem erträumten Dollar- Segen wird es für sie nichts werden.

          18 Tage vor Eröffnung der Spiele sitzen die Makler auf ihren Tickets, tausende Reservierungen in den Hotels sind storniert worden und hunderte Hausbesitzer finden keine Mieter. Und auch die Ski-Resorts klagen, dass die „Spiele ihrem Geschäft Angst eingejagt“ habe, berichtet die „Los Angeles Times“.

          Organisationskomitee ist der einzige Gewinner

          Der bislang einzige große Gewinner sei das Organisationskomitee der Winterspiele (SLOC). Mit verkauften Eintrittskarten im Wert von 173 Millionen Dollar wurde der Einnahme-Rekord von vor vier Jahren in Nagano bereits um das Doppelte überboten. 88 Prozent der insgesamt 1,6 Millionen Karten seien laut SLOC bislang abgesetzt worden. Von 167 Veranstaltungen sind 76 offiziell ausverkauft.

          Ungewiss ist, wie viele Karten davon durch Spekulanten aufgekauft wurden, die nunmehr nur schwer Abnehmer finden. Der US-Bundesstaat Utah erlaubt es, dass jedermann Tickets meistbietend veräußern kann.

          Viele wollen verkaufen, keiner will kaufen

          Hauptursache für den miserablen Absatz sei die besonders seit den Terroranschlägen am 11. September spürbare wirtschaftliche Rezession. Die Ticket-Preise seien einfach zu hoch, räumen die Händler ein und klagen: „Es gibt massenhaft Leute, die Tickets verkaufen wollen, aber niemand, der welche kaufen will.“ Einige Broker bieten inzwischen die 885 Dollar teuren Karten für die Eröffnungs-Zeremonie um 200 Dollar billiger an.

          Die hohe Zahl der Abbestellungen von Hotelzimmern vor allem im Stadtzentrum resultierte daraus, dass viele Sponsoren ihre Olympia- Budgets nach dem 11. September drastisch reduzierten. Gleiches gilt für eine Reihe internationaler Medien, die ihre Gelder einsparten, um sie für die Berichterstattung über den Krieg in Afghanistan zu verwenden.

          Übernachtungs-Preise erheblich gesenkt

          Das SLOC selbst hat 5000 seiner 20.000 reservierten Zimmer bereits zurückgegeben. Die Stornierungen führten dazu, dass die Übernachtungs-Preise erheblich gesenkt wurden. In einigen Einrichtungen muss auch nicht mehr für die gesamte Dauer der 17-tägigen Spiele gebucht werden, sondern es gibt die Zimmer nun auch für einen kürzeren Aufenthalt.

          Von den etwa 800 Haus-Eigentümern, die ihre Wohnstätte zur Vermietung angeboten hatten, teilweise für bis zu 5000 Dollar pro Nacht, hatte bis zur vorigen Woche nicht einmal die Hälfte einen Nutzer gefunden. Selbst die Ski-Hütten und Appartements in den diversen Ski-Resorts, die in den olympischen Betrieb nicht involviert sind, seien nur halb ausgebucht. Viele der regelmäßig kommenden Urlauber befürchten ein Chaos auf dem Flughafen und im Verkehr, erklärte ein Marketing-Manager der Ski-Resorts ihr Fernbleiben.

          Konjunktur-Nutzen für Utah fraglich

          Angesichts der düsteren Aussichten müsse befürchtet werden, dass auch der Bundesstaat Utah nicht den erhofften Konjunktur-Nutzen aus den Spielen zieht. Die Experten errechneten dafür ein Finanzvolumen von rund 2,1 Milliarden Dollar. Neben dem Gesamt-Budget des SLOC von 1,3 Milliarden Dollar und 400 Millionen Dollar, die in öffentliche Projekte investiert worden sind, sollen die täglich 70.000 Besucher der Spiele dem Staat mindestens 350 Millionen Dollar bescheren.

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